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Glücksbringer-Kolumne: Gentechnisch veränderter Sex

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen über den abtörnenden, aber evolutionsbiologisch sinnvollen Coolidge-Effekt und unsere Lust auf Fortpflanzung.

Der Doktor im Einsatz.
Der Doktor im Einsatz.
Foto: Frank Eidel

Einmal wollte ich einer Engländerin gegenüber schlagfertig sein und sagte: "Franzosen haben Sex, die Engländer Wärmflaschen." Ohne mit der Wimper zu zucken, antwortete sie: "Und die Deutschen tun es, weil es gut für den Blutdruck ist." - Nein, Sex braucht keine Ausrede. Die Sache an sich ist Grund genug, und das ist gut so.

Aber wie immer, wenn etwas gut ist, denken wir, mehr davon wäre besser. Und so kommt es zu einem der schlimmsten Glückskiller: der Gewöhnung und damit der Langeweile. Diese Falle unseres evolutionären Bauplans schnappt gerade bei der Leidenschaft zu. Und darüber sind wir frustriert, ohne genau zu wissen, woran es liegt.

Grund ist der uncoole Coolidge-Effekt, benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Calvin Coolidge (1872 - 1933). Der Anekdote nach besuchte er einst mit seiner Gattin einen Bauernhof. Frau Coolidge staunte nicht schlecht, als sie erfuhr, dass es dort nur einen einzigen Hahn gab, der den Paarungsakt bis zu zwölf Mal am Tag vollzog. Sie raunte dem Bauern zu: "Sagen Sie das mal meinem Mann." Als der Präsident später davon erfuhr, hakte er nach: "Jedes Mal dieselbe Henne?" - "Nein, jedes Mal eine andere." Darauf Coolidge: "Sagen Sie das mal meiner Frau."

Polygame Gesellschaften sind auch nicht glücklicher

Bekanntlich betrifft dieser Coolidge-Effekt nicht nur amerikanische Präsidenten. Er ist keine gockelhafte Männerphantasie, sondern auch bei anderen Tieren nachweisbar. Und evolutionsbiologisch macht er sogar Sinn. Wenn es das höchste Ziel ist, seine Gene in die nächste Generation zu katapultieren, dann muss der wiederholte Geschlechtsverkehr mit dem gleichen Weibchen den sexuellen Appetit des Männchens dämpfen, sobald dieses schwanger ist. Das ist bei Affen, Hühnern und Kühen so. Und auch beim Bauern. Seine Libido sucht nach einer Weile produktivere Alternativen. Nicht nur das Gras ist grüner auf der anderen Seite des Zaunes - aus der Ferne sieht auch die fremde Bäuerin verlockender aus. "Was hat sie, was ich nicht habe?" ist die falsche Frage. Es reicht, wenn sie anders ist.

Was ist aber an dem Männertraum, viele Frauen zu haben, in der Praxis dran? Sind polygame Gesellschaften glücklicher? Ein klares Nein. Und zwar weder Frauen noch Männer. Eine Studie aus dem "International Journal of Social Psychiatry" bestätigt, dass in modernen Gesellschaften die Frauen zufriedener und gesünder sind als in patriarchalisch-polygamen. Und für einen polygamen Mann ist es anstrengend, viele und gleichzeitig unzufriedene Frauen um sich zu haben. Hinzu kommt: Da es ja ungefähr gleich viel Frauen wie Männer gibt, können nur wenige Männer eine Vielzahl von Frauen "haben" und eine Vielzahl von Männern gar keine. Polygamie ist also nicht frauenfeindlich, sondern männerfeindlich!

Menschen sind aber nicht nur passive Opfer ihrer Biologie. Wir sind auch aktive Gewohnheitstiere. Was hat man sich in der "heißen" Phase der Partnerwerbung nicht für Mühe gegeben. Kennen Sie jemanden, der in Jogginghose zur ersten Verabredung ging? Aber kaum macht man es sich miteinander gemütlich, greift man auf die ausgeleierten Klamotten zurück. Gemütlichkeit macht warm, nicht heiß. Hat man zu Beginn der "Werbung" den Kaffee ans Bett gebracht, heißt es nach ein paar Monaten: "Wenn du im Bett frühstücken willst, schlaf doch in der Küche."

Datum:  30 | 9 | 2009
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