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Glücksbringer: Ungewöhnlicher Sex

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen über andauerndes Begehren und wie man am besten fremdgeht.

Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.
Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.
Foto: dpa

Für mich unvergesslich ist eine Filmszene, in der nach der Hochzeit die Braut vor der Kirche steht, ihren Brautstrauß wirft und ruft: "Nie wieder Diät!" Und dabei heißt es doch: "Wir wollen nie mehr auseinandergehen." Von wegen, erst geht jeder für sich auseinander, und dann geht man auch noch voneinander. Statistisch nehmen Verheiratete schneller zu als Singles, die sich noch "attraktiv" halten wollen.

Und was raten die Sexualtherapeuten? Die meisten sagen, man muss darüber reden. Der Washingtoner Psychologieprofessor John Gottman, der seit 20 Jahren mit minuziösen Beobachtungen das Geheimnis glücklicher Ehen erforscht, steht dem skeptisch gegenüber. "Viele lebenslange Beziehungen überleben glücklich, obwohl das Paar dazu neigt, Dinge unter den Teppich zu kehren. Die Ausweitung der Kommunikation leistet oft schmerzhaften und zerstörerischen Gesprächen Vorschub." In der Beziehung gilt bisweilen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Die landläufige Meinung, Untreue erwachse immer aus Beziehungsstress, ist allerdings psychologisch und biologisch Quatsch. Selbst Partner, die sich menschlich gut verstehen, gehen nachweislich genauso oft fremd wie andere. In Wirklichkeit nimmt die Erfüllung zu, wenn die Zahl der Liebespartner zurückgeht. Das Problem ist vielmehr die Gewöhnung.

Die perfekte Methode diesem Problem ein Schnippchen zu schlagen, ist, den anderen jedes Mal mit "neuen" Augen zu betrachten. Man muss sich begegnen, als hätte man noch nie Sex gehabt. Fernbeziehungen funktionieren nach diesem Prinzip - beim ständigen Zusammenleben müsste man dann jedoch in einem übermenschlichen Akt alle Spuren der gemeinsamen Erinnerung löschen und würde dabei auch die über Jahre gewonnene Intimität verlieren. Dabei will man ja gar nicht jemand anderen, nur etwas anderes.

Dass das mit den "neuen" Augen funktionieren kann, zeigt der Karneval. Man zieht getrennt los, setzt sich unter Alkohol und baggert dann wie aus Versehen im Halbdunkel seinen eigenen verkleideten Partner an. Vielleicht ist das der Grund, warum Frauen sich das ganze Jahr über so gerne "verkleiden". Sie haben deutlich mehr Kleider, Stile und Schuhe als Männer, um für den einen Mann immer wieder "eine andere" zu sein.

Eine andere, naheliegendere Lösung ist, mental fremdzugehen und beim Naheliegen einfach an einen anderen zu denken. Das tun laut anonymen Befragungen die meisten Frauen. Ein echtes Problem mit dem Selbstwert bekommt man als moderner Mann damit erst, wenn man sich selbst vorstellt, jemand anderes zu sein.Vor allem wenn Mann sich bewusst macht, dass die Frauen vielleicht gerade dabei sind, den Spieß umzudrehen. Denn je selbstbewusster und finanziell unabhängiger sie werden, desto mehr achten sie auf den Typ und nicht mehr auf sein Geld. Je reicher die Frau, desto attraktiver muss der Mann sein.

Vielleicht ist der Trend unter Männern, sich mehr um Körper und Aussehen zu kümmern, keine, wie so oft interpretiert, neue Form der Eitelkeit - es könnte Notwehr sein. Auseinandergehen ist nicht mehr.

Autor:  Eckart von Hirschhausen
Datum:  14 | 10 | 2009
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