Wie kann man diesen Teufelskeis durchbrechen?
Die Frage müsste genauer lauten: Wie helfen wir den Leuten, bessere Entscheidungen zu treffen? Ich als Professor glaube natürlich daran, dass bessere Bildung und Aufklärung ein Schlüssel dazu sind. Leute verhalten sich heute beispielsweise gesundheitsbewusster durch die öffentliche Diskussion über die Schädlichkeit von Tabak. Man kann den Leuten ebenso beibringen, über ihre Vorstellungen von Wohlstand nachzudenken: Wenn du immer mehr Einkommen willst, werden sich auch deine Ansprüche immer höher schrauben - ein Rennen, das du nicht gewinnen kannst.
Also - wie soll die Hilfe zur Selbsthilfe aussehen?
Ich meine, die Leute haben es auch selbst in der Hand, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Staatliche Anregungen sind wichtig, das habe ich ja schon betont. Aber man kann sich auch selbst helfen. Wie viele psychologische Ratgeber zum Thema Glück gibt es auf dem Buchmarkt?
Ein paar hundert dürften es sein.
Und die meisten sind ziemlich wertlos, finde ich. Aber schon mit ein paar Anregungen kann man sich trotzdem die grundlegenden Fragen stellen: Wie viel Platz räume ich meiner Familie ein, wie viel ist mir meine Gesundheit wert? Wäre es nicht wunderbar, wenn bei der Sozialstudie, die ich vorhin erwähnt habe, mehr Leute antworten würden: "ziemlich unwahrscheinlich", dass sie ihre Familie nicht dem gut bezahlten Job opfern würden? Aber das haben sie selbst in der Hand. Das kann ihnen nicht der Staat verordnen.
Sind Sie heute ein glücklicherer Mann, nachdem Sie 40 Jahre lang über das Glücksgefühl anderer geforscht haben?
Nun ja, ich habe ja schon vom Start weg ziemlich viel Glück gehabt. Ich bin Akademiker, und obwohl ich immer Angestellter war, habe ich immer eine gewisse Kontrolle über die Art und die Qualität meiner Arbeit gehabt. Das halte ich für wichtig, wenn es um die eigene Zufriedenheit geht. Heute bin ich College-Professor - und die sind auf der Zufriedenheitsliste ganz schön weit oben.
Lässt sich Glück überhaupt konservieren? Im Deutschen gibt es den Unterschied zwischen dem generellen Gefühl, ein glückliches Leben zu führen, und dem kurzen, glücklichen Moment - eine flüchtige Sensation, die sich nicht festhalten lässt.
Ich betrachte Glück als Allgemeinzustand, nicht als kurzzeitige Stimmung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ich befand mich einmal mit meiner Frau auf einem Urlaubsflug nach Hawaii. Die Stewardess kam bei mir vorbei und fragte mich, ob ich etwas zu trinken wollte. Ich entschied mich für Kaffee. Der stellte sich als grässlich heraus - ich konnte das Zeug nicht trinken. Ich hatte einfach die falsche Entscheidung getroffen. In dem Moment dachte ich: Was für ein Mist! Aber hätte mich an diesem Tag jemand gefragt, wie glücklich ich wäre, hätte ich gesagt: Hey, ich fliege hier mit meiner Frau in einen wunderschönen Urlaub - das ist das wahre Leben!
Interview: Thomas Wolff
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