Genf. Im Golf von Aden sind mindestens 30 Flüchtlinge ertrunken, die von Menschenhändlern über Bord gezwungen worden waren. Bis zu 70 Menschen galten nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats noch als vermisst. Es wird befürchtet, dass sie ebenfalls ertrunken sind. Die bis zum Freitag geborgenen Leichen wurden muslimischem Brauch folgend sofort verbrannt, teilten die jemenitischen Behörden mit.
Das Boot habe am Montag mit rund 150 Menschen an Bord in Somalia abgelegt, erklärte UNHCR-Sprecher Ron Redmond am Freitag in Genf. Vor der jemenitischen Küste, rund 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa, hätten die Flüchtlinge das Boot verlassen müssen. 47 Überlebenden sei es gelungen, sich über fünf Kilometer schwimmend ans Ufer zu retten und die Behörden zu alarmieren.
Seit Beginn des Jahres seien rund 32.000 Menschen auf Booten im Jemen eingetroffen, sagte Redmond. Viele von ihnen waren auf der Flucht vor Gewalt und Not in Somalia und anderen Ländern am Horn von Afrika. Nach Schätzungen des UNHCR kamen dabei mindestens 230 Menschen ums Leben. 365 werden vermisst.
Wie Menschenhändler mit den Flüchtlingen umgingen, sei "eines der schlimmsten Verbrechen, die wir in der heutigen Welt sehen können", sagte Redmond. Der UNHCR-Sprecher rief die internationale Gemeinschaft auf, sich im Golf von Aden nicht nur um Piraten zu kümmern, sondern auch dem Menschenhandel Aufmerksamkeit zu schenken. Die Welt müsse sich verstärkt um die Ursachen der Flüchtlingsströme kümmern: "Diese Leute ziehen nicht aus Spaß um. Sie ziehen um, weil sie es wegen eines Konflikts oder extremer Armut müssen."
Nach Angaben des UNHCR haben Überfahrten in den Gewässern derzeit deutlich zugenommen. Einige Flüchtlinge würden dabei tätlich angegriffen und ins Meer geworfen, in dem Haie schwimmen, erklärte Redmond. Oft würden sie auch von den Menschenschmugglern gezwungen, die Boote vor der Küste zu verlassen, um nicht von der jemenitischen Küstenwache bemerkt zu werden. Das jemenitische Innenministerium erklärte, seit Jahresbeginn seien mehr als 22.530 Flüchtlinge aus Somalia im Jemen eingetroffen. (ap)
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