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24. Juli 2012

Grausiger Fund in Russland: Embryonen in Plastikfässern

Pilzsucher haben im Gebiet Swerdlowsk in Russland fast 250 tote Embryonen in Fässern auf einer Wiese gefunden.  Foto: dpa

Dorfbewohner im Südural in Russland haben einen grausamen Fund gemacht: In einem Waldstück fanden sie vier Fässer mit insgesamt 248 menschlichen Föten, eingelegt in Formaldehyd-Lösung und mit Namen und Nummern versehen. Der Skandal beschäftigt nun auch die russische Duma.

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Ein grausiger Fund hat ganz Russland entsetzt. Am Montagnachmittag entdeckten Anwohner in einer Waldsenke unweit der Straße von Jekaterinburg nach Nischni Tagil im Ural 248 menschliche Embryos. Wie die Zeitung Komsomolskaja Prawda berichtet, befanden sich die zehn bis 15 Zentimeter großen Körperchen in vier Plastikfässern mit Formalaldehyd. Der Deckel eines der Fässer hatte sich geöffnet, sein Inhalt war ausgelaufen.

Nach Angaben eines Polizeisprechers waren die Föten mit Nummermarken versehen, aus denen die Ermittlungsbehörden schließen, dass die Embryos aus mindestens vier verschiedenen medizinischen Einrichtungen stammen. Zurzeit überprüfen die Kriminalisten den Verbleib der abgetriebenen Föten aller Geburtskliniken und Krankenhäuser mit gynäkologischen Abteilungen in Jekaterinburgs seit 2010.

Illegale Industrie

Nach Polizeiangaben überlassen die Kliniken die Beseitigung dazu üblicherweise lizenzierten Spezialfirmen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist eine solche Firma auch für die Aufkippung der Föten in dem Waldstück verantwortlich. Verschiedene russische Medien vermuten, die AG „Promekologija“ sei für die Beseitigung der aufgefundenen Embryos verantwortlich gewesen. Ein Vertreter der Firma dementierte das allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax.

Abgeordnete der Staatsduma forderten eine umfassende Untersuchung des Falls. „In diesen Fässern wurden keine Embryos, sondern ungeboren getötete menschliche Wesen gefunden“, erklärte Elena Misulina, Vorsitzende des Dumaausschusses für Familie, Frauen und Kinder. In Russland arbeite illegal eine ganze Industrie, die sogenanntes Abortmaterial für pharmazeutische und kosmetische Zwecke verarbeite, sagte sie. Die Gynäkologin Juliana Abajewa sagte Radio RSN, bei dem Fund im Ural könne es sich auch um nicht geeignetes Abtreibungsmaterial handeln, das für Fetaltherapien bestimmt gewesen sei. „Eine Stammzellentherapie, die in der Schönheitsmedizin angewendet wird.“

Auch nach Ansicht anderer Experten könnten die aufgefundenen Embryos diesem in Russland gesetzlich verbotenen Zweck gedient haben. „Auch solche Föten müssen bestimmten medizinischen Anforderungen genügen, sie dürfen keine Infektionen tragen“ sagte Swetlana Rudnjewa von der Moskauer Stiftung „Familie und Kindheit“ der Frankfurter Rundschau. Vielleicht habe ein illegaler Lieferant abgelehnte Ware bei der ersten Gelegenheit weggeworfen. Ebenso sei es möglich, dass die Mitarbeiter eines Lizenzunternehmens bei der Entsorgung der Föten einfach geschlampt hätten.

Schon seit Jahren kursieren in Russland Gerüchte über eine medizinische Mafia, die die Stammzellen von Embryos für verjüngende Therapien vertreibt. In den Geburtskliniken soll es angeblich ein inoffizielles Plansoll von Aborten geben, um diese Mafia mit Föten beliefern zu können.

Leben gegen Karriere

In Russland sind Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt, danach bedarf es medizinischer Indikationen. Nach offiziellen Angaben liegt die Zahl der Abtreibungen bei jährlich knapp einer Million, Tendenz fallend. Allerdings erklärte die Parlamentarierin Elena Misulina, jährlich würden in Russland fünf bis sechs Millionen Kinder illegal abgetrieben werden.

Laut Swetlana Rudnjewa von der Stiftung „Familie und Kindheit“ rechnen viele Privatkliniken Abtreibungen schon allein aus Steuergründen als Fehlgeburt oder Menstruationsregelung ab. Zudem gilt es als weit verbreitete Praxis, dass Gynäkologen medizinische Indikationen an Frauen verkaufen, die noch nach dem dritten Monat abtreiben wollen. „Dazu“, sagt Rudnjewa, „kommt die über mehrere Generationen eingetrichterte Mentalität der Ärzte, ungeborenes menschliches Leben geringer zu schätzen als Komfort und Karriere schwangerer junger Frauen.“

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