Athen. Die Vouli, das griechische Parlamentsgebäude am Athener Syntagmaplatz, wird bald in neuem Glanz erstrahlen: Nach einer Sanierung des Gebäudes, das zwischen 1836 und 1843 nach Plänen des bayerischen Architekten Friedrich von Gärtner als Königsschloss erbaut wurde, legen jetzt die Maler im Plenarsaal und den Wandelgängen letzte Hand an. Sie überpinseln dabei auch jenen Grauschleier, der sich über Jahrzehnte an Wänden und Decken abgelagert hatte: die Spuren des Tabakqualms der Volksvertreter.
Mit dem blauen Dunst in der Vouli ist es jetzt vorbei: Seit Sonntag gilt ein generelles Rauchverbot im Parlamentsgebäude. Nur noch im Parlamentscafé ist das Paffen gestattet. Es wird interessant sein, ob die "Väter der Nation", wie sich die griechischen Parlamentarier hochtrabend nennen, jenes Verbot befolgen, das sie selbst verabschiedet haben. Denn das Rauchverbot im Parlament ist eine Generalprobe für das, was den griechischen Tabakkonsumenten ab 1. Juli bevorsteht: Dann wird das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden, in Geschäften, Bars und Restaurants weitgehend untersagt.
Das ist ein Kulturschock für die Griechen. Denn kein anderes Volk in Europa qualmt so hemmungslos. 45 Prozent der Erwachsenen rauchen, gegenüber 25 Prozent im EU-Durchschnitt. Jeder fünfte griechische Raucher greift morgens spätestens fünf Minuten nach dem Aufwachen zur ersten Zigarette, so eine Studie der Athener Wirtschaftsuniversität. Schon von den 14-Jährigen rauchen rund acht Prozent regelmäßig. Unter den griechischen Frauen liegt der Anteil der Raucherinnen bei 31 Prozent - Weltrekord, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO feststellt.
Nach einer Statistik des Athener Gesundheitsministeriums sterben jährlich 6000 Griechen an den Folgen des Rauchens. Georgios Chrysanthopoulos schätzt die Zahl der Tabak-Toten sogar auf 50 pro Tag. Er ist Präsident des griechischen Nichtraucherverbandes. "Wir müssen endlich mehr zum Schutz der Passivraucher tun", sagt er.
Die haben es tatsächlich schwer. Bisher ist Griechenland ein Raucherparadies. Die Frage "Darf ich rauchen?" hört man hier fast nie. Es wird einfach drauflosgequalmt, ohne Rücksicht auf die Mitmenschen.
Mit den neuen Bestimmungen will Griechenland ab 1. Juli die EU-Richtlinien zum Nichtraucherschutz umsetzen. Ob das gelingt, ist aber fraglich. So sind zahlreiche Einzelheiten des neuen Gesetzes noch unklar, weil die nötigen Ausführungsbestimmungen fehlen. Überdies: Die Griechen sind nicht besonders gesetzestreu. So gilt in griechischen Taxis schon seit Oktober 2002 ein Rauchverbot, aber viele Fahrer halten sich einfach nicht daran. Wenn sich ein Fahrgast darüber beschwert, bekommt er nicht selten zu hören: "Sie können ja aussteigen!" Ebenfalls bereits seit 2002 sind Restaurants verpflichtet, Nichtraucherzonen einzurichten - umgesetzt hat die Vorschrift aber kaum ein Lokal.
Immerhin versucht die Regierung jetzt, den neuen Bestimmungen mit empfindlichen Strafen mehr Nachdruck zu geben: Wer trotz Verbots raucht, zahlt bis zu 500 Euro Buße. Wer Zigaretten an Minderjährige verkauft, muss mit einer Strafe von 1000 Euro rechnen, und 20.000 Euro werden ab Juli fällig, wenn ein Restaurantbesitzer rauchende Kundschaft duldet.
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