Am Freitag ging die Suche nach den verunglückten Bergleuten weiter, zunächst wurden 20 Leichen geborgen. Die Rettungstrupps drangen 1500 Meter tief in der Mine San Fernando ein, die sich in über achtzig einzelnen Stollen aufteilt. Vermutlich sind weitere 50 Bergleute verschüttet.
Die Mine liegt in einem Kohleabbaugebiet rund 380 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bogotá. Hier hatte sich in der Nacht zum Donnerstag, gerade zum Schichtwechsel, eine unterirdische Methangas-Explosion ereignet, die noch im nächsten, zehn Minuten Autofahrt entfernten Städtchen Amagá zu hören war. Einer der Bergleute, deren Schicht gerade beendet war, überlebte mit schweren Verbrennungen.
Während sich Angehörige der Bergleute am Sportstadion von Amagá einfanden, um unter Tränen die Leichen zu identifizieren, äußerten sich die Behörden widersprüchlich über die Sicherheitsvorkehrungen in der Mine. Während die örtlichen Behörden beteuerten, erst am 9. Juni die Sicherheitsinstallationen inspiziert und als intakt befunden zu haben, sagte Kolumbiens Bergbau-Minister Hernán Martínez, in den Stollen seien keine Methan-Detektoren installiert gewesen.
Journalisten sprachen mit ehemaligen Arbeitern der Mine. Sie beschuldigten die Firmenleitung, bei der Sicherheit zu sparen, um billig produzieren zu können. Wer sich beklage, dem werde gesagt, er könne gehen, weil andere sofort seinen Job übernehmen würden. Angehörige der Verschütteten sagten, die Kumpel hätten in den letzten Tagen geklagt, es sei zu heiß und zu viel Methan in den Stollen: bei einem Methangehalt von über vier Prozent in der Luft entsteht ein explosives Gemisch.
In den letzten Jahren erlebten Bergbau und Kohleförderung in Kolumbien einen Boom. In knapp 3000 Untertage-Gruben des Landes werden jährlich 70 Millionen Tonnen Kohle gefördert, von denen 66 Millionen nach Europa und in die USA exportiert werden.
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