Aktuell: Terror | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

03. Dezember 2014

Gutachter erstochen: Tod im Jobcenter

Nach der Bluttat riegelte die Polizei das Jobcenter in Rothenburg ob der Tauber ab.  Foto: dpa

Schock im mittelfränkischen Rothenburg: Im Jobcenter sticht ein Mann mehrfach auf einen Gutachter ein. Der 61-Jährige stirbt. Kurz nach der Tat sind viele Fragen noch ungeklärt.

Drucken per Mail
Rothenburg ob der Tauber –  

«Das Jobcenter Geschäftsstelle Rothenburg bleibt bis auf Weiteres geschlossen.» Der gelbe Zettel an der Tür, das rot-weiße Absperrband und der vor dem grauen Mehrparteienhaus wartende Polizeibeamte sind deutliche Hinweise auf die Tragödie, die sich am Mittwoch im beschaulichen Touristenstädtchen Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken ereignet hat.

Im Jobcenter hat ein 28 Jahre alter Mann einen externen Gutachter mit dem Messer angegriffen und mehrmals auf ihn eingestochen. Für das 61 Jahre alte Opfer kommt jede Hilfe zu spät. Der Mann stirbt trotz intensiver Wiederbelebungsversuche des Notarztes noch am Tatort. Die Hintergründe und das Motiv für die Tat sind zunächst völlig unklar.

Dichter Nebel hängt am Abend über der 11 000-Einwohner-Stadt. Ganz in der Nähe des Tatorts sind mehrere Hotels und Gasthöfe - weihnachtlich beleuchtet, mit Christbäumen vor der Tür. «Nicht mal hier ist man mehr sicher», sagt eine ältere Dame. «Es ist wirklich traurig, dass so was selbst in so einer kleinen Stadt passieren kann», sagt der 17-jährige Leon Hasselt, der in Rothenburg arbeitet. Er kenne solche Geschichten eigentlich nur aus dem Fernsehen.

Genauer Hergang unklar

Was genau passiert ist, wollen die Ermittler so kurz nach der Tat noch nicht sagen. Nur so viel: Der 28-Jährige hatte einen Termin im Jobcenter. Um die Mittagszeit geht er plötzlich mit dem Messer auf den Gutachter los und sticht mehrmals auf ihn ein. Mitarbeiter des Jobcenters können den Angreifer überwältigen. Als die Polizei kommt, liegt der Gutachter schwer verletzt am Boden. Der Notarzt kann aber sein Leben nicht mehr retten. Die Beamten nehmen den Täter fest.

Der Gutachter war keiner der sieben festen Mitarbeiter des Jobcenters, sondern wurde in manchen Einzelfällen hinzugezogen. Informationen, wonach es sich um einen Psychologen handelte, wollten die Ermittler zunächst nicht bestätigen. Der Bayerische Rundfunk berichtete, er sei ein Mitarbeiter des Landratsamtes Ansbach. Auch wo genau sich die Tat abspielte und ob es Augenzeugen gab, wollten die Beamten nicht sagen. Das Jobcenter befindet sich im ersten Stock des Hauses, in dem auch ein Psychologe arbeitet und Wohnungen sind.

«Ob es Vorbeziehungen zwischen Täter und Opfer gab und wann der Täter den Entschluss für die Tat gefasst hat - vor oder während des Gesprächs -, müssen nun die Ermittlungen zeigen», sagte der Leiter der Kripo, Hermann Lennert. Die Leiche des 61-Jährigen sollte am Donnerstag an der Universität Erlangen-Nürnberg obduziert werden.

Vernommen werden konnte der Angreifer zunächst nicht. Er wurde schwer an der Hand verletzt und kam für eine Operation ins Klinikum Würzburg. Nach derzeitigem Stand geht der Ansbacher Oberstaatsanwalt Gerhard Karl von Mord aus. Die Anklagebehörde beantragte Haftbefehl.

Arbeitsministerin Nahles schockiert

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sagte: «Es schockiert mich zutiefst, dass wir in den letzten Jahren immer wieder Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jobcentern erleben mussten, die nun schon zum dritten Mal sogar ein tödliches Ende genommen haben.» Sie sicherte zu, alles dafür zu tun, jene zu schützen, die sich dafür einsetzen, dass Menschen den Weg zurück in Arbeit finden. «Es darf nicht sein, dass sie zur Zielscheibe aggressiver Übergriffe werden.»

«Die Tat hat uns fassungslos gemacht», sagte Oberbürgermeister Walter Hartl (parteilos). «Unser Mitgefühl gehört jetzt den Beschäftigten und Angehörigen.» Auch Landrat Jürgen Ludwig (CSU), dessen Behörde das Jobcenter unterstellt ist, sagte: «Wir sind absolut betroffen und bestürzt.»

Trotz der schrecklichen Tat sprachen sich Hartl und Ludwig gegen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen aus. «Man muss aufpassen, dass man die Kunden der Jobcenter nicht unter Generalverdacht stellt», sagte Hartl. Das Sicherheitsproblem gelte schließlich für alle Behörden, in denen Menschen mit Menschen arbeiten, ergänzte der Landrat. Die Mitarbeiter des Jobcenters seien auf jeden Fall sofort «eng zusammengerückt» und würden sich gegenseitig Halt geben. (Cathérine Simon, dpa)

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft.

Kalenderblatt 2016: 24. Mai

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 24. Mai 2016: Mehr...

Globetrotter weltweit

Welche Nation nicht ohne eigenes Handtuch verreist

Nur mit eigenem Handtuch an den Hotelpool? Für viele Chinesen ein Muss im Urlaub.

Für die einen ist es das Handtuch, für die anderen die Fotokamera: Jeder Mensch legt im Urlaub auf ganz bestimmte Ding wert. Oftmals hängt das auch von der Kultur ab. Eine neue Umfrage hat ermittelt, wie die Welt 2016 verreisen will. Mehr...

Videonachrichten Panorama

Anzeige

Videonachrichten Leute