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Guy Ritchie im FR-Interview: "Ist nicht das Leben ein Verbrechen?"

Haben Sie hier in Berlin mal einen Cappuccino getrunken?

Keinen, den ich bezahlt hätte. Sollte ich?

Machen Sie mal. Für das Geld kriegen Sie in London nicht mal den Zucker zum Kaffee.

Oh, vielleicht sollte ich mir dann mal eine Wohnung hier kaufen.

Fühlen Sie sich wie Zuhause.

Wie Sie vermutlich wissen, sind Appartements in London - aberwitzig teuer. Wirklich eine witzige Formulierung.

Zurück zu Ihrem Film. Bei Ihnen haben Holmes und Watson ein außergewöhnlich enges Verhältnis. Sie leben unter einem Dach, da geht es um mangelnde Körperhygiene, Eifersucht. Wollen Sie andeuten, dass die beiden schwul, zumindest aber bisexuell sind?

Nein, ganz und gar nicht. Ich verstehe ja, dass ihr Presseleute an solchen Gerüchten interessiert seid. Aber nein. Ich bin ziemlich sicher, dass es nie Arthur Conan Doyles heimliche Vorstellung war, sein Holmes könnte schwul sein. Und meine ist es auch nicht. Ich denke, die beiden sind einfach gute Freunde - da sieht man sich halt auch mal in Unterwäsche.

Das mussten Sie jetzt sagen.

Musste ich?

Es hieß, die Rechteverwalterin von Doyles Werk wolle Ihnen die Arbeit an Teil 2 des Filmes verbieten, wenn Sie noch mal andeuten sollten, da könnte es um mehr als Freundschaft gehen.

Nein, wirklich, ich habe Ihnen fast die ganze Wahrheit gesagt.

Holmes hat auch diesen großartigen britischen Humor. Genauso wie die Hauptdarsteller in Ihren früheren Filmen, "Snatch" oder "Rock´n´Rolla". Wo nehmen Sie den immer her?

Weiß nicht. Ich habe immer Schwierigkeiten damit, Dinge zu ernst zu nehmen. Ich denke, selbst Tragik muss mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt werden, sonst ist sie nicht glaubwürdig.

In all Ihren Filmen wimmelt es vor Bösewichten. Was fasziniert Sie so sehr an Gewalt und Kriminalität?

Was mich vor allem interessiert, ist jede Form von Subkultur. Und wenn man so will, ist Verbrechen ja eine Art Subkultur. Ist nicht das ganze Leben ein Verbrechen? Ich kann das nie richtig voneinander trennen. Wenn wir anfangen würden, uns darüber zu unterhalten, was genau eigentlich ein Verbrechen ist, bräuchten wir sicher länger als die 20 Minuten, die wir haben.

Sie interessiert aber in jedem Fall eher das gute alte Verbrechen als etwa die Wirtschaftskriminalität von heute.

Ja, na klar. Wirtschaftskriminalität ist doch langweilig. Also, was den Schaden betrifft, ist sie sicher viel, viel krasser als so ein hübscher kleiner Bankraub - aber eben unsexy. Geld ist langweilig.

Hatten Sie Angst davor, Sie könnten Ihren Stil verlieren, als Sie das Angebot bekamen, einen US-amerikanischen Blockbuster zu drehen?

Nicht wirklich. Daran hab ich nie einen Gedanken verschwendet. Haben Sie das Gefühl, dass ich meinen Stil aufgegeben habe?

Nein.

Sehen Sie.

Aber ich könnte mir vorstellen, dass das gar nicht so einfach war.

Doch, war es. Wissen Sie, als die Produzenten auf mich zukamen, wollten sie schließlich einen Guy-Ritchie-Holmes. Den haben sie bekommen. Und Sie haben mich im Grunde während der gesamten Produktionszeit ermuntert, ich selbst zu bleiben. Ich habe mich die meiste Zeit über sehr wohl gefühlt.

Kommen Sie als Engländer nicht dafür in die Hölle, dass Sie einen britischen Helden von einem Amerikaner spielen ließen?

Schauspieler werden nun mal dafür bezahlt, jemanden zu verkörpern, der sie nicht selbst sind. Da darfst du nicht zimperlich sein

Für Robert Downey Jr. war es nach Charlie Chaplin schon die zweite britische Ikone, die er spielten durfte.

Ja, er ist eben ein herausragender Schauspieler.

Wie haben Sie ihm den britischen Akzent eingebimst?

Hab´ ich nicht. Konnte er schon. Ich war vorher ziemlich nervös deswegen. Aber dann kam der Kerl ans Set und sprach besseres Englisch als ich. Er ist überhaupt der viel bessere Engländer.

Glaube ich nicht. Sehen Sie Ihren Anzug an. Außerdem sind Sie Chelsea-Fan, haben Ihren eigenen Pub und denken, wie man hört, sogar darüber nach, Ihr eigenes Bier zu brauen.

Ja, verdammt, das ist auch schon wieder durchgesickert. Dabei habe ich erst vor ein paar Tagen darüber nachgedacht. Und schon stand es in irgendeinem Magazin. Weiß der Teufel, wie die immer an ihre Informationen kommen. Aber es stimmt: Ich liebe Bier. Und wenn´s geht, würde ich gerne mein eigenes brauen.

Das ist übrigens auch etwas, das in Berlin ziemlich günstig zu haben ist: deutsches Bier.

Mir ist das englische lieber.

Darf ich noch eine Frage zu Madonna stellen?

Sie können es versuchen. Ich weiß aber noch nicht, ob ich darauf antworten will.

Was hält sie von Ihrem neuesten Film?

Keine Ahnung. Das müssen Sie sie schon selbst fragen. Sehen Sie, das war sogar eine Antwort.

Interview: Jörg Schindler

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Datum:  25 | 1 | 2010
Seiten:  1 2
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