Sie gelten als furchterregende Raubtiere, die an den Küsten auf der Südhalbkugel Schwimmer und Surfer nach dem Leben trachten. Bücher und Spielfilme schildern sie als blindwütige und blutrünstige Bestien, in deren Nähe niemand sicher ist. Dabei sind die Haifische selbst in Gefahr. Ihr größter Feind ist der Mensch, der sich in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt über diese Spezies hergemacht hat.
Während die seltenen Attacken von Haien auf Menschen sofort für Schlagzeilen sorgen, stößt der kontinuierliche Angriff des Menschen auf dessen Bestände kaum auf öffentliches Interesse. Dagegen finden die Fischer rund um den Globus den Hai immer interessanter. Das hat mehrere Gründe: Die Bestände anderer Arten gehen zurück und geraten seltener in ihre Netze. Das Marketing der Fischindustrie hat dafür gesorgt, dass Hai und vor allem Haiflossen unter Gourmets als Delikatessen gelten. Die Kundschaft verlangt immer stärker nach dem Fleisch des Raubfischs, das in französischen Feinschmeckerrestaurants genauso angeboten wird wie in britischen Fish-and-Chips-Buden. Schließlich sorgt auch die wachsende Weltbevölkerung vor allem in Asien für eine steigende Nachfrage. Das so gestiegene Fanginteresse bedroht eine Art, die durch späte Geschlechtsreife und relativ kleine Nachwuchszahlen besonders verwundbar ist.
Deshalb will die Europäische Union künftig mehr für den Schutz der Haie tun. Der zuständige EU-Kommissar Joe Borg warnt: "Die Dezimierung der Hai-Bestände kann sehr ernste Folgen haben, für ganze Meeresökosysteme und auch für die Fischer." Borg hat gestern in Brüssel einen Aktionsplan vorgestellt, der helfen soll, nicht nur Haie, sondern auch andere Knorpelfische wie Rochen und Seekatzen besser zu schützen.
Der Plan verbietet das Aussortieren von Haien, die als "Beifang" in die Netze geraten sind, setzt Fangquoten fest und verschärft das Verbot, die Flossen - oft bei lebendigem Leib - von den Fischen zu trennen. Außerdem will er durch umfangreiche Forschungsförderung dafür sorgen, dass der Mensch mehr über die Bedeutung der Haie für das Leben in den Ozeanen lernt - und sich nicht zuletzt von Vorurteilen löst, die durch Bücher und Filme verstärkt werden.
Der Aktionsplan betrifft alle Gewässer, in denen die Fangflotten aus EU-Staaten - Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal - unterwegs sind. Mehr als die Hälfte ihrer Fänge machen sie im Nordatlantik - etwa vom Norden Norwegens bis zum Süden Portugals. Hier geht ihnen vor allem der Dornhai in die Netze. Er wird oft ahnungslosen Käufern auch in Deutschland als "See-Aal" verkauft oder als "Schillerlocken". Borg erwähnt eine jüngere Studie, der zufolge rund ein Drittel der in den Gewässern der Union vorkommenden Haiarten vom Aussterben bedroht ist und spricht von einem "besorgniserregenden Zustand einiger Bestände".
Von Umweltorganisationen wie etwa dem Worldwide Fund for Nature (WWF) wird die EU-Initiative grundsätzlich begrüßt. Die Umweltschützer befürchten freilich, dass der Aktionsplan zu schleppend umgesetzt wird. Die EU-Kommission wird die Vorschläge in den nächsten Monaten an die Mitgliedstaaten und das Europaparlament weiterleiten. Mit dem Inkrafttreten der Gesetzesvorschläge wird nicht vor 2010 gerechnet, eher später.
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