Die Ernüchterung ist groß, sechs Monate nach dem Erbeben in Haiti, bei dem 220 00 Menschen starben, mehr als eine Million ihr Obdach verlor und 60 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince zerstört wurden. Noch immer steht der Kampf ums Überleben im Vordergrund und nicht der Wiederaufbau. In der Zwei-Millionenstadt Port-au Prince dominieren die Zeltstädte und die Trümmerlandschaften. Die Helfer sind erschöpft und ernüchtert und beklagen die Behinderung ihrer Arbeit durch die Regierung. Die Menschen sind wütend und verzweifelt.
Verantwortlich dafür ist zum einen die schwache haitianische Regierung, die sich angesichts der Tausenden Nichtregierungsorganisationen im Land an den Rand gedrängt fühlt und jede denkbare bürokratische Hürde aufbaut.
Hilfsorganisationen und UN mahnen aber auch bei den internationalen Gebern die zugesagte Hilfe an. 9,9 Milliarden US-Dollar waren im März auf der Geberkonferenz versprochen worden. Doch den Worten folgten kaum Taten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte jüngst, dass selbst die humanitäre Hilfe nur zu 60 Prozent finanziert sei.
Die Hilfsorganisationen verwalten derweil das Chaos. Die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinischer Betreuung ist zumindest in denjenigen der 1364 Camps gewährleistet, wo große Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam oder Ärzte ohne Grenzen arbeiten. "Aber wir sind am Limit", sagt Julie Schindall von Oxfam. Ärzte ohne Grenzen warnt vor dem Ende der Geduld der Menschen: Die Haitianer seien zwar Entbehrungen gewohnt, aber der Ärger über die fehlenden Verbesserung ihrer Situation nehme täglich zu. Für Arnold Antonin, haitianischer Filmemacher und Vertreter der Zivilgesellschaft, ist der Umgang mit dem Erdbeben längst die "Katastrophe in der Katastrophe".
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