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Haiti in Not: Helfen und gesehen werden

Die Hilfsorganisationen ballen sich in Port-au-Prince: Liefermengen an Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten, Zelten und Decken - doch wer das koordiniert, ist unklar. Die Hilfe kommt immer noch nicht richtig an. Von Pierre Simonitsch

Ein junger Haitianer kämpft um das Hilfspaket, das er gerade von den UN bekommen hat.
Ein junger Haitianer kämpft um das Hilfspaket, das er gerade von den UN bekommen hat.
Foto: M. DORMINO/dpa

Es knirscht mächtig im Getriebe der Hilfsoperationen für Haiti. Die Sonderorganisationen der Vereinten Nationen gaben am Dienstag erneut die Lieferung beeindruckender Mengen von Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten, Zelten, Decken, Moskitonetzen und Küchengeräten an die von dem schweren Erdbeben heimgesuchte Bevölkerung bekannt. In Port-au-Prince klagen die meisten Menschen jedoch weiterhin, dass sie von Hilfsgütern nichts gesehen haben.

Sogar der für humanitäre Angelegenheiten zuständige Untergeneralsekretär der UN, der Brite John Holmes, gesteht "Reibungen" zwischen den USA und anderen Ländern über die Benutzung des Flughafens von Port-au-Prince ein. Es geht darum, welche Flugzeuge vorrangig landen oder starten dürfen. Derzeit benutzen um die 100 Flugzeuge täglich die einzig Piste. Wer einen "Slot" erhält, entscheiden die Flugkontrolleure aus den USA. "Es gibt natürlich Probleme in der Frage, wer für die Operationen verantwortlich ist", sagte Holmes.

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Der französische Entwicklungsminister Alain Joyandet erklärte am Montag, es gehe darum, "Haiti zu helfen, nicht zu besetzen". Er dachte dabei an die USA, die 12500 Soldaten in das Land entsandt haben, das sie immer als einen Teil ihres "Hinterhofs" betrachteten. Auch Frankreich beruft sich auf historische Bande mit seiner ehemaligen Kolonie, die der "Frankofonie-Gemeinschaft" angehört. Die Franzosen waren daher erbost, als einem vom privaten Hilfswerk "Ärzte ohne Grenzen" gechartertem Flugzeug am Freitag die Landung in Port-au-Prince verweigert wurde.

Wer die Operationen leitet, bleibt unklar. Sprecher der Weltorganisation beantworteten entsprechende Fragen am Dienstag zweideutig: "Die UN haben die Aufgabe, die Haiti-Hilfe zu koordinieren. Die USA sind für die Logistik zuständig." Die Leitfäden für die Beziehungen zwischen den Militärs und den humanitären Organisationen seien "seit vielen Jahren bewährt", erklärt das UN-Koordinationsorgan für Katastrophenhilfe (Ocha).

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bat nach einem Kurzbesuch in Haiti den Weltsicherheitsrat, die "Stabilisierungsmission" in Haiti (Minustah) um 3500 Blauhelme zu verstärken. Derzeit zählt die Minustah 7000 Mann, von denen 3000 in der Hauptstadt stationiert sind. Das Personal der UN war selbst schwer vom Erdbeben betroffen: 82 Blauhelme und 49 Zivilbedienstete sind tot, 330 UN-Mitarbeiter noch immer vermisst.

Außer den UN sind das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, nationale Hilfsgesellschaften und unzählige Nicht-Regierungs-Organisationen in Port-au-Prince tätig. Russland, Israel und Spanien haben Feldspitäler eingerichtet. Fast alle Helfer konzentrieren sich auf die leicht zugänglichen und sicheren Stadtteile. Dort stehen sie einander im Weg, während sich niemand um die Slums auf den Hügeln kümmert.

Wer Gutes tut, tut dies zumeist auch kund. TV-Sender in den USA und Frankreich zeigen vornehmlich die Taten der eigenen Helden. Den Vogel schoss ein israelisches Team ab, das vor der Kamera drei Verschüttete rettete und hernach eine Gruppe Haitianer auf Kommando "Vive Israel!" rufen ließ. Die Unsichtbarkeit der UN vor Ort hängt wohl mit mangelhafter Medienarbeit zusammen.

Autor:  Pierre Simonitsch
Datum:  19 | 1 | 2010
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