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Handel mit Raubtieren: Ein Löwe als Statussymbol im Libanon

Im Libanon blüht der Handel mit Raubtieren: Wer es sich leisten kann, holt sich einen Löwen für den heimischen "Zoo". Befeuert wird der Handel durch eine laxe Gesetzgebung.

Ungefährdet: ein Löwe im Tierpark Nürnberg.
Ungefährdet: ein Löwe im Tierpark Nürnberg.
Foto: dpa/dpaweb

Besonders reich gesegnet mit wilden Tieren ist der Libanon nicht. Dünengazellen leben in dem Land, Hyänen und Schakale, Wüstenspringmäuse und Wüstenfüchse, Paviane und Wildesel, Schlangen und Skorpione. Und doch spotten lokale Medien, das Land sei in jüngster Zeit zu einer regelrechten Arche Noah geworden. Denn Löwen, Schimpansen, Hyänen und Schlangen gelangen auf obskuren Wegen ins Land.

Vor kurzem erst entdeckten Tierschützer in einer Innenstadtwohnung Beiruts einen Babylöwen. Er wurde als Haustier auf dem Balkon gehalten. Die Tierschützer nahmen sich des kleinen Löwen an und päppelten ihn in einer Versorgungsstation auf. Leo, wie sie ihn tauften, wurde an den Drakenstein Lion Park in Südafrika übergeben.

Der Fall Leo steht nicht allein. Viele wohlhabende Libanesen halten sich eine Raubkatze. Bis zu 3500 US-Dollar bezahlen sie dafür, wie Aktivisten des Netzwerks Care2.com berichten. Der Löwe als Statussymbol. Anders als ein Bentley oder Jaguar brauchen echte Wildkatzen sorgsame Pflege. Doch das interessiert die Halter nicht sonderlich. Die Unterbringung ist miserabel, oft büxen die Tiere aus und verirren sich im Gewirr der Gassen.

"Jeder Dahergelaufene kann einen Zoo eröffnen"

Die Nichtregierungsorganisation „Animals Lebanon“ geht gegen diesen Zustand vor und setzt sich für den Schutz der Tiere ein. Doch die Probleme mit der illegalen Einfuhr von Tieren nehmen überhand. Befeuert wird der Handel durch eine laxe Gesetzgebung und die instabile Lage im Nachbarland Syrien. „In den letzten Jahren wurden mindestens zwanzig Löwen illegal aus Syrien importiert“, sagt die Präsidentin von Animals Lebanon, Lana El-Jalil. „Acht von ihnen sind in der Gefangenschaft verendet.“

Die Tatsache, dass die Zedernrepublik noch nicht die Konvention über den internationalen Artenhandel (CITES) ratifiziert hat, trägt nach Meinung von Experten zu den illegalen Verkäufen bei. Der Hauptgrund ist aber viel profaner und simpler: Das Geschäft mit den Tieren ist hoch lukrativ. Pro Löwe kassieren die Zwischenhändler bis zu 400 Euro. Viel Geld in einem Land, in dem der Mindestlohn auf 330 US-Dollar festgesetzt ist. Mangels effektiver Kontrollen blüht der Markt ungehindert weiter.

El-Jalil fordert deshalb, dass ihr Land dem Regelwerk beitritt. Die Aktivistin kritisiert zugleich, dass in jedem Hinterhof exotische Tiere dem Publikum vorgeführt werden können. „Jeder Dahergelaufene kann einen Zoo eröffnen. Es gibt kein Gesetz, das Bedingungen für die Tierhaltung festschreibt.“ Es mangelt an veterinären Bestimmungen und medizinischer Versorgung. Die Tiere sind ohne jeden Schutz.

Im vergangenen Jahr wurden die Tierschützer durch eine anonyme E-Mail auf einen Tigertransport über die jordanische Grenze in den Libanon aufmerksam gemacht. Die Aktivisten informierten die Sicherheitsbehörden und der Handel konnte unterbunden werden. Die Schlepper landeten vor dem Richter und wurden verurteilt. Um den Schmuggel von Tieren aber dauerhaft zu unterbinden, bedarf es gesetzlicher Regelungen und schärferer Sanktionen.

Autor:  Adrian Lobe
Datum:  13 | 1 | 2012
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