Panorama
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28. Oktober 2010

Heatballs: Heißer Importschlager

 Von Kathrin Dorscheid
Nein, das sind keine Glühlampen. Es sind Miniheizungen. Foto: REUTERS

Die Glühbirne kehrt zurück: als „Miniheizung“. Es sollte eigentlich nur ein Kunstprojekt werden, ein Protest gegen Bürokratismus und Bürger-Entmündigung. Jetzt ist es ein Geschäft.

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Heatballs sind der neueste Trend. Sie sehen aus wie Glühbirnen. Sie funktionieren wie Glühbirnen. Sie passen in herkömmliche E27-Lampenfassungen. Aber: Sie werden offiziell als Miniheizungen verkauft – und die Nachfrage ist riesig.

„Ich glaube, Thomas Alva Edison wäre stolz darauf, dass man sein Produkt endlich richtig versteht“, sagt Siegfried Rotthäuser. Der Ingenieur aus Essen verkauft seit April zusammen mit seinem Schwager im Internet „Heatballs“ über die Website www.heatball.de – für 1,69 Euro das Stück. Rotthäusers Heatballs ähneln verdächtig den in der EU inzwischen verbotenen 75- und 100-Watt-Glühbirnen und stammen aus China.

Doch Rotthäuser besteht darauf, dass sie nur Heizungen in Glühbirnen-ähnlicher Bauform seien: „Die Heatballs entstehen zwar in den selben Fabrikationsanlagen wie Lampen, aber wir haben sie von vorneherein als Kleinheizelemente konzipiert, und sie auch so deklariert, exportiert und importiert.“ Die EU verbiete schließlich nur Glühlampen – nicht aber Heizungen, die aussehen wie Glühbirnen.

Die Glühlampe wird ohnehin schon lange für ihre geringe Energieeffizienz kritisiert: 95 Prozent der zugeführten Energie wandelt sie in Wärme um, nur fünf Prozent in Licht. Eigentlich also naheliegend, sie als Wärme- anstatt als Lichtquelle zu betrachten.

Anfangs interessierte sich kaum jemand für die Hitzekugeln – bis vor einigen Wochen die ersten Zeitungen darüber schrieben. Bald berichteten selbst Medien in Polen, den Niederlanden und den USA über den Import-Clou der deutschen Ingenieure. Daraufhin schoss die Nachfrage in die Höhe: In wenigen Tagen waren die ersten 4000 Miniheizungen ausverkauft. Nun planen die Heatball-Erfinder eine zweite Lieferung: „Wir hoffen, dass wir ab Mitte November wieder lieferfähig sind. Wir haben jetzt 40 000 Stück aus China geordert, die sind aber schon fast alle vorbestellt“, sagt Rotthäuser.

Doch obwohl der Verkauf boomt, soll nach der zweiten Heatball-Edition Schluss sein. Das Ganze sei von Anfang an als Aktionskunst gedacht gewesen, als Protest gegen Bürokratismus und Bürger-Entmündigung. „Wir wollen wachrütteln und beleuchten, was in der EU schief läuft“, sagt Rotthäuser. „Wie Bürokratismus unter der Flagge des Umweltschutzes für Millionen von Menschen in Europa die Lebensbedingungen verändert, das ist nicht gut für Europa.“ Er sei kein Gegner von Energiesparlampen, doch er ärgere sich über undemokratische, von Lobbyisten beeinflusste Entscheidungen der Europäischen Union.

Ein Geschäft wollten die Schwager mit der Aktion aber nicht machen, sagt Rotthäuser: „Bisher haben wir nur draufgelegt.“ Erst wenn die „Second Edition“ ein Erfolg werde, kämen sie etwa bei Null heraus. Trotzdem gehen 30 Cent von jeder verkauften Hitzekugel an eine Initiative zum Schutz des Regenwaldes in Hamburg. Das, sagt Rotthäuser, bringe dem Klima mehr als ein Glühbirnenverbot.

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