kalaydo.de Anzeigen

Heinsberg: Sextäter stimmt Therapie zu

Mit dieser Nachricht nimmt Landrat Stephan Pusch den Zündstoff aus der Heinsberger Bürgerversammlung. Seit Tagen schwillt dort der Volkszorn gegen einen aus der Haft entlassenen Sexualstraftäter.

Bei einer Bürgerversammlung in der Sporthalle von Randerath spricht der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch. Seit Tagen demonstrieren Menschen gegen einen entlassenen Sexualstraftäter (11.03.2009).
Bei einer Bürgerversammlung in der Sporthalle von Randerath spricht der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch. Seit Tagen demonstrieren Menschen gegen einen entlassenen Sexualstraftäter (11.03.2009).
Foto: dpa

Heinsberg. Applaus brandete auf, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am Mittwochabend die Turnhalle betrat, in der sich 300 besorgte Bürger versammelt hatten. Der CDU-Politiker wird vor Ort wie ein Held gefeiert, seit er die Leute über einen aus der Haft entlassenen Sexualverbrecher informierte, der jetzt in ihrer Mitte lebt.

Und dann präsentierte er am Mittwoch auch noch ganz überraschend die mögliche Lösung des "Riesenproblems": "Herr D. hat eingewilligt, eine Therapie in einer geschlossenen Einrichtung zu machen."

Mit dieser Ankündigung nahm der Landrat den Zündstoff aus der Veranstaltung. Bei den anschließenden Fragen klang immer wieder Dankbarkeit durch - Dankbarkeit dafür, dass der Landrat die brisante Information öffentlich gemacht hatte. Außerhalb von Heinsberg ist das ein umstrittener Schritt, in manchen Medienberichten war davon die Rede gewesen, die Atmosphäre in dem Dorf sei nun so aufgeheizt, dass man Lynchjustiz befürchten müsse.

Der entlassene 57-jährige Sex-Täter hatte drei Mädchen vergewaltigt und dafür insgesamt 20 Jahre Haft verbüßt. Gutachter halten den Mann immer noch für gefährlich und bescheinigen ihm ein Rückfallrisiko. Trotzdem lehnte das Landgericht München eine nachträgliche Sicherungsverwahrung ab.

Die Nachricht, dass sich der Täter einer Therapie unterziehen wolle, löste am Mittwochabend aber noch keine völlige Erleichterung aus. Schließlich ist die Sache noch nicht wasserdicht: Die Therapie ist freiwillig, die Aussage relativ unverbindlich, und einen Therapieplatz gibt es auch noch nicht. "Ich hoffe, dass die Bereitschaft bestehenbleibt", schränkte auch Pusch (40) ein.

Bürger lassen sich so schnell nicht beruhigen

Und außerdem: Selbst wenn der Mann irgendwann weg ist, wer garantiert dafür, dass er nicht wiederkommt? Nein, so schnell lassen sich die Bürger nicht beruhigen. Und auch Landrat Pusch muss zugeben: Der Täter könne die Therapie abbrechen, wenn er wolle. In dem Fall würde aber die Polizei informiert.

Etwa 100 bis 150 besorgte Bürger hatten tagelang vor dem Wohnhaus gegen den 57-Jährigen demonstriert. Die Polizei hielt unterdessen den Kontakt zu den Hausbewohnern: dem Ex-Häftling selbst, seinem Bruder, dessen Frau und Kind. Zeitweise war nicht mehr ganz klar, wer hier eigentlich vor wem geschützt werden musste.

Viele Bürger befürchten nun, dass der Täter nur kurzzeitig dem enormen Druck nachgibt, unter dem er seit Tagen steht: Beobachtung durch die Polizei rund um die Uhr, tägliche Demonstrationen vor seinem Haus. "Ich kann in den Mann nicht reingucken", räumte Pusch ein.

Er und Ortsvorsteher Heinz Franken auf dem Podium appellierten an ihre Zuhörer, Ruhe zu bewahren - und auch nicht mehr zu demonstrieren. Die Dorfbevölkerung habe ihr Ziel doch jetzt erreicht, und Neonazis dürfe keine Plattform geboten werden. Am Samstag hatten in Heinsberg 63 Rechtsradikale gegen die Entlassung des Täters protestiert. Als sie einen unangemeldeten Demonstrationszug durch den Ort machen wollten, griff die Polizei ein, stellte die Personalien fest und schickte sie weg.

Pusch brach am Mittwochabend auch noch eine Lanze für den Bruder des Ex-Häftlings und dessen Familie - sie hatten den Mann aufgenommen: "Das war ein Akt der Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

Davor muss man den Hut ziehen." Stattdessen sei der Bruder selbst in gewisser Weise zum Opfer geworden: "Wir dürfen dem Bruder nicht die Möglichkeit nehmen, hier zu leben." (dpa)

Datum:  11 | 3 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Leute
        

Der Ultravox-Sänger Midge Ure wurde von der Queen zum Ritter geschlagen, was seine Mutter wirklich stolz macht.
Ultravox-Sänger Midge Ure 
Bushido ganz zahm und ordentlich im Anzug: Der
Bushido-Hochzeit 
Prinzessin Victoria und Prinz Daniel bei der Taufe ihrer Tochter Estelle.
Victoria von Schweden 
ESC 2012

Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft


Anzeige

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

Anzeige

Video

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Academy Awards - "And the winner is..."
Zwischen 300 und 500 Euro ist eine Oscar-Statue wert, je nach Goldpreis. Der ideelle Wert ist für Schauspieler und Filmemacher unbezahlbar.

Alle Gewinner der 84. Academy Awards of Merit, die desaströsesten Outfits auf dem roten Teppich und mehr im Oscar-Spezial.

Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Die Skyline von Baku.
Leitartikel zum ESC 2012 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Loreen triumphiert für Schweden beim ESC 2012 in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.