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Helge Schneider: "Natürlich hatte ich Angst"

Ein paar Monate nach seinem Zusammenbruch ist Helge Schneider nun wieder auf Tournee. Im Interview spricht er über Eitelkeit, Improvisation und Freiheit.

Helge Schneider hat wieder Lust auf einen Film.
Helge Schneider hat wieder Lust auf einen Film.
Foto: dapd

Alle Jahre wieder lässt sich der Sänger, Musiker und Humorist Helge Schneider ein Motto einfallen und geht auf große Deutschland-Tournee. In diesem Jahr heißt sein Motto „Rettung naht“, und ausgerechnet diese Tour könnte seine letzte sein.

Herr Schneider, im vergangenen Jahr mussten Sie aus gesundheitlichen Gründen Ihre Tournee abbrechen. Heute beginnt der nächste Konzertmarathon. 56 Auftritte in 24 Städten. Warum tun Sie sich das an?

Weil das meine Arbeit ist. Auch ich muss Geld verdienen. Ich habe schließlich nicht nur eine Familie, sondern auch eine Band zu ernähren.

Ihr Zusammenbruch im vergangenen Jahr wurde mit Kreislaufproblemen erklärt. Was ist passiert?

Es war mitten im Hochsommer. Ich hatte mich zu wenig bewegt, aus Langeweile zu viel gegessen. Und abends bin ich dann mit vollem Bauch auf die Bühne gegangen. Da habe ich mich dann wohl etwas übernommen. Ich habe ein schnelles Stück gespielt und mich schnell bewegt, danach habe ich mich hingesetzt und gesungen. In dem Moment sackte plötzlich der Kreislauf weg, und ich habe keine Luft mehr bekommen.

Und dann?

Natürlich hatte ich Angst. Ich dachte, ich hätte etwas mit dem Herzen. Ich ließ mich erstmal komplett durchchecken, aber es war alles in Ordnung. Zum Glück. Meine Ärztin hat mir geraten, nicht so fettig zu essen. Vor allem nicht vor einem Auftritt. Und ich soll nun weniger Kaffee trinken. Lieber Tee. Das mache ich auch. Aber weil der Tee so seine Spuren hinterlässt, musste ich auch direkt zum Zahnarzt.

Rollen von Helge Schneider

Bildergalerie ( 7 Bilder )

Zur Zahnreinigung?

Ja klar.

Ach, sind Sie so eitel?

Ich glaube, jeder Typ, der auf die Bühne geht, ist eitel.

Wie viel von dem, was bei Ihnen auf der Bühne passiert, ist eigentlich improvisiert?

Die Hälfte. Mindestens. Aber es kommt auch immer darauf an. Wenn ich mit einer Band unterwegs bin, gibt es natürlich Stücke, die wir vorher einstudiert haben. Aber wenn ich alleine auftrete, ist auch schon mal der ganze Abend improvisiert.

Stimmt es, dass Ihre Band manchmal überrascht ist von dem, was auf der Bühne passiert?

Manchmal mache ich das extra. Wenn ich merke, die Band ist etwas schläfrig, dann singe ich direkt am Anfang ein anderes Stück als abgesprochen war.

Um die Band aufzuwecken.

Genau. Und das funktioniert ganz ausgezeichnet.

Haben Sie eigentlich manchmal Angst, dass Ihnen auf der Bühne nichts mehr einfällt?

Manchmal denke ich tatsächlich, dass ich Angst haben müsste. Aber das passiert nicht. Ich weiß auch nicht, warum das so ist. Ich kann mich da ganz gut auf mich verlassen.

Ihr neues Programm heißt „Rettung naht“. Wer oder was muss denn gerettet werden?

Ach, das ist doch nur Quatsch. Niemand muss gerettet werden. Es ist einfach nur ein Spruch. Man könnte das natürlich auch falsch verstehen. Man könnte denken, dass ich mich als Retter sehe.

Ist das nicht so? Bezeichnen Sie sich nicht als Superhelgi?

Das wäre ich gern. Bin ich aber gar nicht.

Werden Sie eigentlich wieder mit Ihrem Wohnmobil unterwegs sein?

Bestimmt. Ich habe das in den letzten Jahren immer mal wieder gemacht. So kann ich abhauen, wann ich will. Ich habe meine Garderobe dabei, meine Instrumente, mein Moped. Das ist sehr praktisch. Und ich kann mir auch selber mal was kochen. Tee zum Beispiel.

Und Sie fahren dann auch selbst?

Ich fahre immer selbst. Manchmal kommt dann auch meine Familie mit. Meine Kinder, meine Hunde.

Schlafen Sie dann auch in Ihrem Wohnmobil?

Nicht immer. Ich schlafe auch schon mal in Hotels. Aber bei machen Veranstaltungen ist es ganz gut, zum Beispiel bei Open-Airs. Da gehe ich von der Bühne runter und bin direkt Zuhause. Das ist toll.

Stimmt es, dass Sie gern Ihre Ruhe haben?

Wenn du dir vorstellst, du gehst nach einem Konzert in ein Hotel. Dann guckst du dich erst mal um, dann hast du ein viel zu weiches Bett. Da kriege ich schon mal zu viel. Dann gehe ich runter in die Hotelbar, dann kommen direkt Leute und wollen Autogramme. Da ist es im Wohnmobil schon schöner.

Mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein, hat ja auch etwas von Freiheit.

Freiheit hat für mich einen hohen Stellenwert. Ich könnte zum Beispiel nicht, wie viele andere Künstler, mich immer durch die Gegend chauffieren lassen, mit Security und so. Da würde ich wahnsinnig werden.

Was machen Sie nach der Tournee?

Ich möchte mal wieder einen Film drehen. Und dann weiß ich noch nicht. Vielleicht mache ich dann mal eine Pause.

Also stimmt es, dass „Rettung naht“ Ihre letzte Tournee sein könnte?

Also ich sage jetzt nicht, das ist meine Abschiedstournee oder so. Aber es wäre möglich. Und wenn ich mir vorstelle, dass das meine letzte Tournee ist, gebe ich mir vielleicht auch noch mal besonders viel Mühe.

Aber nur vielleicht?

Nein, natürlich nicht nur vielleicht. Ich werde mir sehr viel Mühe geben. Bestimmt.

Das Interview führte Nancy Krahlisch.

Datum:  13 | 1 | 2012
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