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06. Dezember 2010

Heute vor 175 Jahren: Eröffnung der Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth

Ein großes Volksfest: die erste Eisenbahnfahrt von Nürnberg nach Fürth auf einem Kupferstich von Conrad Wiessner (1835), gefertigt nach einem Gemälde von Karl Alexander Heideloff. Der Lokomotivführer des „Adler“ war William Wilson, der für die Fahrt extra aus England angereist war.  Foto: Getty Images

Am 7. Dezember 1835 wurde zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahnstrecke für den Personen- und den Güterverkehr eröffnet. Die Dampflok „Adler“ zog neun Wagen mit rund 200 Gästen die sechs Kilometer lange Strecke. Zehn Tage später wurde das Ereignis im „Morgenblatt für gebildete Stände“ ausführlich beschrieben.

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Am 7. Dezember 1835 wurde zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahnstrecke für den Personen- und den Güterverkehr eröffnet. Die Dampflok „Adler“ zog neun Wagen mit rund 200 Gästen die sechs Kilometer lange Strecke. Zehn Tage später wurde das Ereignis im „Morgenblatt für gebildete Stände“ ausführlich beschrieben.

Aus dem Morgenblatt für gebildete Stände, Nr. 301, Donnerstag, 17. December 1835. Mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums Nürnberg:

Am 7ten December Morgens um neun Uhr fand die feierliche Eröffnung der Ludwigseisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth auf dem eingehegten Platze statt, welcher zu dem Verwaltungslokale der Eisenbahngesellschaft gehört, auf welchem sich die Remisen für die Wagen befinden und die Eisenschienen ihren Anfang nehmen. Der Platz ist unfern des Spittlerthors gelegen, und wer von München oder Augsburg, von Ansbach oder Stuttgart kommt, braucht bloß vor dem Standbilde des Seyfried Schweppermann sich Dreiviertel links zu kehren, so hat er ihn vor Augen.

Elegant gebaute Passagierwagen

Schon um sieben Uhr machte sich Nürnberg zu Fuß, zu Pferd und zu Wagen auf den Weg, um zur rechten Zeit an Ort und Stelle zu seyn. Gegen acht Uhr waren bereits die meisten Aktionäre und Direktoren, so wie die zu der Feierlichkeit eingeladenen Gäste von nah und fern versammelt. Man betrachtete lange Zeit den soliden Bau der Bahn, die zum Theil elegant gebauten Passagierwagen, neun an der Zahl; aber die freudigste und nicht zu erschöpfende Aufmerksamkeit widmete man dem Dampfwagen selbst, an welchem Jeder so viel Ungewöhnliches, Räthselhaftes zu bemerken hat, den aber in seiner speziellen Struktur nach äußerem Ansehen selbst ein Kenner nicht zu enträthseln vermag.

Die erste Bahnfahrt

Mit der Fahrt von Nürnberg nach Fürth hat der „Adler“, eine Lok vom Typ „Patentee“, vor 175 Jahren das Eisenbahnzeitalter in Deutschland eingeläutet. 200 000 Gulden, davon 10 000 für den Zug, wurden in den regulären Betrieb der Bayerischen Ludwigsbahn investiert. Die Summe würde heute etwa sechs Millionen Euro entsprechen. Der Adler wurde in 100 Einzelteilen, verpackt in 19 Kisten, per Schiff und Pferdefuhrwerk von England nach Nürnberg gebracht. Für die sechs Kilometer lange Strecke benötigte die Bahn neun Minuten.

Ab 8. Dezember 1835 fuhr nun stündlich ein pferdebespannter Zug von Nürnberg nach Fürth und zurück. Nur um 13 Uhr und 14 Uhr zog täglich der Adler den Zug. Die hohen Preise für die aus Sachsen einzuführende Steinkohle – anfangs noch per Fuhrwerk – verhinderten in den ersten Jahren einen häufigeren Einsatz des Adler. Seit der Anschaffung weiterer Lokomotiven wurden nur noch die Früh- und Spätzüge mit Pferden als Zugtiere betrieben. Erst 1863 wurde der Pferdebetrieb, unter anderem aus Wartungs- (Lauffläche für die Pferde), aber auch aus Geschwindigkeitsgründen (Bremsfaktor Pferde) aufgegeben.

Im Güterverkehr blieb es anfangs bei Zeitungs- und Biertransporten. Erst ab 1839 kann man von einem planmäßigen Güterverkehr sprechen. Ab 1836 transportierte die Bahn auch Postsendungen. Ein weiterer Ausbau der Strecke, u. a. nach Würzburg, wurde der Gesellschaft vom Staat verwehrt. Wie rege die Nutzung der Bahn in den ersten Jahrzehnten war, zeigt auch die Gewinnsituation: bis 1855 wurden nie unter zwölf Prozent Dividende gezahlt.

Mit einem Festakt begehen Bahnchef Rüdiger Grube und Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen Dienstag in Nürnberg das Jubiläum. Die deutschen Eisenbahngleise erreichten 2009 mit einer Gesamtlänge von 37 934 Kilometern mehr als drei Viertel des Erdumfangs am Äquator. Mit deutschen Zügen sind 2009 mehr als 1,9 Milliarden Passagiere gefahren. Zudem wurden 341 Millionen Tonnen Güter transportiert. Im Jahresdurchschnitt nutzten Bundesbürger 23,2 Mal einen Zug. Ein Regionalexpress fährt heute in sieben Minuten von Nürnberg nach Fürth. (FR/dpa/epd)

Auf den Achsen von Vorder- und Hinterrädern wie ein anderer Wagen ruhend, hat er mitten zwischen diesen zwei größere Räder, und diese sind es, welche von der Maschine eigentlich in Bewegung gesetzt werden. Wie? läßt sich zwar ahnen, aber nicht sehen. Zwischen den Vorderrädern erhebt sich, wie aus einem verschlossenen Rauchfang, eine Säule von ungefähr 15 Fuß Höhe, aus welcher der Dampf sich entladet.

Zwischen den Vorder- und Mittelrädern erstreckt sich ein gewaltiger Zylinder nach den Hinterrädern, wo der Herd und Dampfkessel sich befindet, welcher von einem zweiten, vierrädrigen, angehängten Wagen aus mit Wasser gespeist wird. Dieser hintere Wagen nämlich, auf welchem der Platz für das Brennmaterial ist, hat auch einen Wasserbehälter, aus welchem Schläuche das Wasser in die Kanäle des eigentlichen Dampfwagens leiten. Außerdem bemerkt man eine Unzahl von Röhren, Hähnen, Schrauben, Ventilen, Federn, die alle nur wahrzunehmen mehr Zeit erfordert, als uns vergönnt war.

Wagenlenker ist regierende Geist der Maschine

Ueberdies nahm das ruhige, umsichtige, Zutrauen erweckende Benehmen des englischen Wagenlenkers uns eben so sehr in Anspruch. Wer möchte in einem solchen Mann nicht den ganzen Unterschied der modernen und der alten, wie der mittleren Zeit personifizirt erblicken! Jedes körperliche Geschick, welches gleichwohl nicht fehlen darf, tritt in ihm in den Hintergrund, in den Dienst der verständigen Beachtung auch des Kleinsten, als eines für das Ganze Wichtigen. Jede Schaufel Steinkohlen, die er nachlegte, brachte er mit Erwägung des rechten Maßes, des rechten Zeitpunktes, der gehörigen Vertheilung auf den Herd. Keinen Augenblick müssig, auf Alles achtend, die Minute berechnend, da er den Wagen in Bewegung zu setzen habe, erschien er als der regierende Geist der Maschine und der in ihr zu der ungeheuren Kraftwirkung vereinigten Elemente.

Als der Dampf sich stark zu entwickeln begann, regnete es aus der sich augenblicklich bildenden Wolke durch die etwas rauhe Morgenluft auf uns herab; ja der Gegensatz der glühenden Dämpfe und der Atmosphäre machte, daß zugleich ein Hagelstaub niederfiel. – Unter diesen und ähnlichen Wahrnehmungen verstrich die Zeit. Die Landwehrmusik verkündigte den Beginn der Feierlichkeit. Auf einer Bühne waren die eingeladenen Repräsentanten hiesiger Behörden und andere ausgezeichnete Gäste versammelt. Auch der würdige Chef unserer Kreisregierung, v. Stichaner, war von Ansbach herüber gekommen.

Dem Könige ein Lebehoch

Bürgermeister Binder hielt die Festrede, die sehr angemessen auf die Bedeutung des Unternehmens hinwies, sofern unsere Eisenbahn als Anfangs- und Mittelpunkt eines Eisenbahnsystems zu betrachten sey, das sich dereinst über Bayern, ja über ganz Deutschland zu erstrecken habe. – Als darauf auch der, nach einer Heideloffschen Zeichnung gefertigte, sehr einfache Denkstein enthüllt war, wurde Sr. Majestät dem Könige ein Lebehoch gebracht. – Hierauf begann die erste Fahrt in den mit Fahnen geschmückten Wagen. Alle neun Wagen waren angefüllt und mochten etwa zweihundert Personen fassen.

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