Die Zahlen beeindrucken. Von 2005 bis einschließlich 2009 ist die Verbreitung von Navigationsgeräten in Deutschland um knapp 600 Prozent gestiegen. Das hat jüngst das Statistische Bundesamt ermittelt. In fast jedem dritten Haushalt kommt solch ein Gerät nun zum Einsatz. Doch Experten des ADAC warnen davor, den Anweisungen der elektronischen Routenfinder bedenkenlos zu folgen, gerade wenn es darum geht, einen Stau zu umfahren.
„Das ist oft nicht sinnvoll, weil das in diesem Moment natürlich sehr viele Menschen versuchen“, sagt Christoph Hecht vom ADAC. Die logische Folge: Alle Geräte haben die gleichen Vorschläge für alternative Wege in ihrer Software programmiert. Also sind auch die Umgehungsstraßen überlastet, die, im Gegensatz zu den Autobahnen, aber nicht für solch ein hohes Verkehrsaufkommen geplant worden sind.
Auch an diesem Wochenende werden die Straßen wieder voll, in vielen Bereichen in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie den wichtigsten Strecken Richtung Süden und Norden wahrscheinlich sogar zu voll, es drohen kilometerlange Staus. In Deutschland sind fast überall Sommerferien, in vielen Urlaubsorten ist der Samstag An- und Abreisetag. „Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man antizyklisch reisen“, rät Hecht. Das könne viel Zeit und Nerven sparen. Also einen Tag früher oder später als das Gros der Urlauber fahren – oder nachts, wenn die Straßen erfahrungsgemäß relativ leer sind.
Denn trotz ihrer technischen Weiterentwicklug helfen bei hohem Verkehrsaufkommen auch Navigationsgeräte selten sinnvoll weiter. Viel schlimmer: In einigen Fällen verschlechtern sie die Situation sogar. Nur bei einer Vollsperrung der Autobahn sollte man auf jeden Fall die nächste Abfahrt nehmen, eventuell Pausen einlegen und sogar im Hotel übernachten, empfiehlt Hecht. „Ansonsten ist es oft ratsam, sich durch den Stau zu quälen, auch wenn es nervt. Wenn man in den Ferien verreist, muss man einfach etwas mehr Zeit einplanen und ausreichend kühle Getränke mitnehmen. Anders geht es nicht.“
Wer selbst kurzen Staus auszuweichen versucht, schadet zudem nicht nur sich selbst, weil er auch auf Umgehungsstraßen bald nicht mehr weiterkommt, sondern auch den Anwohnern. Das belegt eine ADAC-Befragung bei Städten und Gemeinden, die in Autobahnnähe liegen. „Uns wurde bestätigt, dass sich das Verkehrsaufkommen in diesen Regionen in den vergangenen Jahren mit der Verbreitung der Navigationsgeräte vermehrt hat“, sagt Hecht. „Das ist ein Problem, weil dadurch in den Wohngebieten der Straßenlärm ansteigt und die Luft belastet wird.“
Auch 2009 waren wieder mehr Autos auf deutschen Straßen unterwegs, ihre Zahl erhöhte sich um ein Prozent auf 41,7 Millionen Fahrzeuge. Dass die steigende Stauanzahl damit zusammen- hängen könnte, kann ADAC-Experte Hecht nur teilweise bestätigen: „Es stimmt, dass immer mehr Autos unterwegs sind. Aber gleichzeitig werden die Straßen ausgebaut und erweitert. Durch diesen Prozess bleibt die Stauentwicklung ziemlich konstant.“
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