Hamm. Für ein generelles Verbot von Alkoholwerbung hat sich die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ausgesprochen. "Es ist nachgewiesen, dass nicht trinkende Jugendliche durch Werbung zum Alkoholtrinken verführt werden und bereits alkoholkonsumierende Jugendliche durch Werbung noch mehr trinken", sagte DHS- Geschäftsführer Raphael Gaßmann in Hamm.
In Deutschland gebe es bereits Werbeverbote etwa für verschreibungspflichtige Medikamente "wegen des enormen Risikos bei falscher Anwendung". Doch auch das Gefährdungspotenzial bei Alkohol sei "gigantisch". Nach Angaben der DHS wurden 2007 für Alkoholwerbung in den klassischen Werbegattungen (Zeitungen, Rundfunk, Plakate, TV) 557 Millionen Euro ausgegeben, 47 Millionen Euro mehr als 2006. Für ein generelles Alkohol-Werbeverbot macht sich auch die Bundesärztekammer stark.
Beim Pro-Kopf-Verbrauch liege Deutschland weltweit an sechster Stelle, so Gaßmann. Statistisch trinke jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr 9,9 Liter reinen Alkohols. "Mit diesem extremen Konsum gehen extreme gesundheitliche Probleme einher", sagte der 49-jährige Soziologe. So würden jährlich etwa 70.000 Menschen vorzeitig an den Folgen ihres Alkoholkonsums sterben. "Hinzu kommen 20.000 durch Alkohol verursachte Verkehrsunfälle und 56.000 Gewaltverbrechen unter Alkoholeinfluss."
Jeder fünfte Mann und fast jede sechste Frau tränken zu viel. 1,3 Millionen Deutsche seien alkoholabhängig. "Man kann nicht einfach behaupten: Alkohol ist pure Lebensfreude. Sondern man muss sagen: Alkohol ist Vergnügen, ist Genuss, ist Rausch, ist Abhängigkeit und ist Tod."
Gaßmann zog eine positive Bilanz zum Abschluss der "Aktionswoche Alkohol" an diesem Sonntag. Bundesweit habe es über 2500 Aktionen gegeben. "Die öffentliche Resonanz ist deutlich größer geworden." Die Aktionswoche unter dem Motto "Kenn' Dein Limit" wurde gemeinsam von DHS und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veranstaltet. (dpa)
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