Krisen sind Herausforderungen. Sie bieten Chancen. Sie erfordern Kreativität und Energie. Sie erfordern Management. Sie erfordern einen Kuhstall. Den Kuhstall von Corné de Regt - niederländischer Bauer und Erfinder der Kuh-Therapie für Manager.
"Mein Therapie-Konzept zielt darauf ab, dass die Manager, die zu mir kommen, rote Wangen kriegen, bevor sie wieder weggehen", sagt Bauer de Regt. "Sie werden nicht nur mit frischer Landluft aufgetankt, sondern auch mit der einzigartigen Erfahrung des Bauernhof- und Stall-Erlebnisses."
In der Praxis sieht das so aus: de Regt sitzt mit den Managern im Kuhstall auf Strohballen und meditiert. Die Naturerfahrung, gibt sich der Landwirt überzeugt, führe dazu, dass seine Klienten abschalten, sich entspannen, neue Kräfte sammeln würden. Und damit der gestresste Unternehmenslenker auch wirklich nicht mehr in den ungesunden Bürorhythmus zurückfällt, herrscht Handy- und Laptopverbot. Bleiben als potentielle Störfaktoren nur noch die Tiere selbst.
"Die Stille wird leider immer mal wieder unterbrochen, wenn eine der Kühe etwas fallen lässt, oder wenn die Tiere unruhig sind", erzählt de Regt. Das sei allerdings nicht so schlimm "Das gehört mit zur Meditations-Session." Einige seiner Gäste würden zwar über den Gestank klagen. Aber der gehöre auch dazu. Und generell würden die meisten Manager seine Kuh-Therapie zu schätzen wissen.
"Letztendlich werden alle Sinne im Kuhstall durch die Meditation mit den Tieren stimuliert. Es ist ein einzigartiges Erlebnis. Die meisten Manager, die zu mir kommen, mögen das."
Für das Seminar verlangt der Bauer ungefähr 900 Euro. Den Verdacht, dass er einfach nur bauernschlau ist, und dass die Seminare nicht die Manager, sondern vor allem sein Konto auftanken, weist de Regt weit von sich. Er habe lange über die Kuh-Therapie nachgedacht. Inspiriert seien die Veranstaltungen von Goethe und dem chinesischen Harmonie-Prinzip des Yin und Yang. Letzteres besage, dass jeder Pol einen Gegenpol zum Ausgleich braucht, um in Harmonie leben zu können. Ersterer habe die These vertreten, dass der Mensch doch immer so bleibe, wie er ist, dass man aber sein eigenes Ich entdecken müsse.
Bei so viel Tiefgründigkeit ist es kein Wunder, dass die Kuh-Therapie in der hektisch-oberflächlichen Welt moderner Manager gut ankommt. "Sehr populär", seien seine Seminare, erzählt de Regt. Und versäumt nicht, darauf hinzuweisen, dass das Angebot individuell zugeschnitten werden kann.
Wer trotz Meditierens seine innere Harmonie noch nicht gefunden hat, der darf Holz hacken. "Das machen die meisten männlichen Manager gerne, die zu mir kommen. Da können sie sich endlich mal richtig austoben und ihr Testosteron abbauen." Damit keiner verschwitzt nach Hause kommt, gibt es danach noch ein Bad in einem nahegelegenen Flüsschen. "Manche finden das ein bisschen zu viel. Aber die meisten ziehen sich aus und springen ins kalte Wasser", sagt Manager-Therapeut de Regt. Und fügt hinzu: "Das ist auch echt erfrischend."
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