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22. Dezember 2011

Homosexualität in Polen: Warschau, das ist Freiheit

 Von Agnieszka Hreczuk
So offen können polnische Schwule ihre Sexualität nur in der Hauptstadt leben, wie etwa im Juli 2010 bei dem Europride-Fest.  Foto: Reuters

Abseits der polnischen Großstädte werden Schwule als Sünder angesehen - vier von fünf wagen erst gar kein Coming-Out. In den Städten ändert sich die Situation jedoch langsam und immer mehr Homosexuelle zieht es aus der Provinz in die Hauptstadt.

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Abseits der polnischen Großstädte werden Schwule als Sünder angesehen - vier von fünf wagen erst gar kein Coming-Out. In den Städten ändert sich die Situation jedoch langsam und immer mehr Homosexuelle zieht es aus der Provinz in die Hauptstadt.

WARSCHAU –  

Irgendwann fasste sich Adam Kieloch ein Herz und lief mit einem Bekannten händchenhaltend die ganze Krakowskie Przedmiescie hinab. Sie wollten sehen, was passiert, hier auf der Flaniermeile direkt im Zentrum von Warschau. Nichts passierte: „Niemand drehte sich um“, erzählt er und lacht laut auf. Warschau, „das ist Freiheit“, sagt der 24-Jährige. Und langsam gewöhnt er sich daran, frei zu sein.

Langsam wächst die Akzeptanz

Von 27 EU-Ländern erkennen bisher 16 gleichgeschlechtliche Partnerschaften offiziell an. Polen gehört nicht dazu. Im Sejm wollen die Sozialdemokraten und die Palikot-Bewegung eine neue Initiative starten, um homosexuellen Paaren eheähnliche Rechte im Steuer- und Erbrecht einzuräumen. Beide Parteien stellen zusammen 67 der 460 Abgeordneten. Ohne die Unterstützung der regierenden konservativ-liberalen Bürgerplattform PO können sie das Gesetz nicht durchbringen.

In der Gesellschaft wächst die Akzeptanz: Zwar lehnen 70 Prozent der Polen die Homo-Ehe weiterhin ab, wie Umfragen des Instituts Obop ergaben. Ein Gesetz über eingetragene Partnerschaften aber befürworten 54 Prozent der Bürger. Vor zehn Jahren waren es nur 15 Prozent.

Adam ist in Fletnowo aufgewachsen, einem 150-Seelen-Dorf bei Grudziadz. Homosexuelle gab es dort nicht, konnte es gar keine geben. Denn in Fletnowo lebten nur gute Menschen, wie die Nachbarn und der katholische Pfarrer wussten. Und ein Schwuler konnte kein guter Mensch sein, in Fletnowo nicht und auch nicht in Grudziadz. In ganz Torun, der nächstgelegenen Großstadt, gebe es einen einzigen Club, in dem Gays sich treffen könnten, in einem Keller, mit Kontrollen am Eingang, berichtet Adam. Die polnische Provinz ist kein guter Ort zum Leben, wenn man anders liebt als die meisten.

Umfragen hätten ergeben, dass vier von fünf Homosexuellen in der Provinz sich nicht öffentlich zu bekennen wagten, sagt Tomasz Baczkowski von der „Aktion gegen Homophobie“ in Warschau. Die Situation sei seit Jahrzehnten unverändert. „Abseits der Großstädte, dort, wo der konservative Katholizismus noch überwiegt, werden Schwule als Sünder betrachtet“, beschreibt er die Lage. Wer in der Provinz ein Coming-Out wage, stoße meist auf totale Ablehnung, sogar in der eigenen Familie.

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