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Humboldt-Box: Hässlicher Klotz oder sexy Showroom?

Das Jahrhundertprojekt zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses bekommt ein Gesicht. Mit der Eröffnung der sogenannten ...

An der Humboldt-Box scheiden sich die Geister, links verdeckt Schinkels Friedrichswerdersche Kirche.
An der Humboldt-Box scheiden sich die Geister, links verdeckt Schinkels Friedrichswerdersche Kirche.

Berlin. Das Jahrhundertprojekt zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses bekommt ein Gesicht. Mit der Eröffnung der sogenannten Humboldt-Box auf dem Schlossplatz soll von Mittwoch an umfassend über das mehr als 550 Millionen Euro teure Bauvorhaben informiert werden. Die Initiatoren hoffen, so die Herzen der Berliner zu gewinnen. Doch schon vor der Eröffnung gibt es Streit.

«Berlins innovativster Ausstellungsort», schwärmen die Bauherren. «Hässlicher Klotz», «Charme einer Mülltonne» oder schlicht «Bausünde» schimpfen dagegen Berliner Zeitungen. Der Architekturprofessor Alfred Grazioli sprach in einem Radiointerview gar von einem «statischen Monster» und warf den Planern vor, unsensibel mit dem historischen Ort umzugehen.

Wie ein mit türkisfarbener Folie verkleidetes Riesenrad steht das fast 30 Meter hohe Gebäude an einer der schönsten Stellen der Stadt - gegenüber dem weltberühmten Ensemble aus Berliner Dom, Zeughaus und Museumsinsel an der Prachtstraße Unter den Linden. Dominant schiebt es sich in die Sichtachse von Brandenburger Tor und Rotem Rathaus - und das mindestens für die nächsten acht Jahre.

Größe und Standort des Gebäudes seien bei der Ausschreibung vorgegeben gewesen, sagt Dorothea Vogel von der Firma Megaposter in Neuss, die das Info-Zentrum privat baut und betreibt. «Wir glauben, dass die Leichtigkeit unserer Architektur der richtige Kontrapunkt für das historische Umfeld ist.»

Auf fünf Stockwerken und insgesamt 3000 Quadratmetern können die künftigen Schlossherren in dem von der Architektengemeinschaft Krüger, Schuberth und Vandreike entworfenen futuristischen Würfel ihre Zukunftskonzepte für das Schloss präsentieren. Nur einen Steinwurf von der Box entfernt soll bis zum Jahr 2019 hinter rekonstruierten Fassaden ein modernes Kunst- und Kommunikationszentrum entstehen, Humboldt-Forum genannt. Nutzer werden die Humboldt-Universität, die Zentral- und Landesbibliothek und vor allem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren außereuropäischen Sammlungen sein.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger setzt deshalb große Hoffnung auf das neue Infocenter: «Die Humboldt-Box ist von zentraler Bedeutung, um einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen sich über die Grundidee und die Inhalte des künftigen Humboldt-Forums informieren können und sehen, wie dort zentrale Fragen unserer Zeit berührt werden», sagt er.

Pate der Info-Box war der beliebte knallrote Besucher-Kasten auf Stelzen, der von 1995 bis 2001 am Potsdamer Platz über die damalige Großbaustelle dort informierte. Gut neun Millionen Menschen nutzten das Angebot.

Für den Pavillon am Schlossplatz rechnen die Betreiber mit rund 300 000 Gästen pro Jahr. Die Bau- und Betriebskosten von rund 15 Millionen Euro bis 2018/2019 sollen durch den Eintritt und spätere Werbung am Bauzaun des Schlosses wieder hereinkommen. Zudem wird im vierten und fünften Stock ein Eventcenter mit Dachterrasse und Rundumblick auf die City vermietet - 4000 Euro für 24 Stunden gelten laut Firma als Richtwert.

Eigentlich hatte die Box schon Ende 2010 starten wollen. Doch der Aufschub für das Schloss sorgte auch für Verzögerungen beim Infocenter. Die Bundesregierung hatte den Baubeginn für die Rekonstruktion der Hohenzollernresidenz aus Spargründen von 2011 auf 2014 verschoben. Die Kosten sind inzwischen nach Berechnungen des Bauherrn teuerungsbedingt auf fast 600 Millionen Euro gestiegen.

Die Aufregung um die Info-Box sieht Parzinger gelassen. Ihre Form irritiere, aber das mache auch neugierig, sagt er. «Je schneller das Schloss entsteht, desto früher wird auch die Box wieder verschwinden.» (dpa)

Datum:  27 | 6 | 2011
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