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Interview mit "Dr. House": Spielen, bis der Arzt kommt

Der Schauspieler Hugh Laurie packt im Hotel am Drehort nicht einmal seine Koffer aus. Im FR-Interview spricht er darüber, wieso er seiner TV-Figur Dr. House ein kurzes Leben voraussagt.

Vielleicht habe ich einen Dauerschaden, fürchtet Dr. House-Darsteller Hugh Laurie.
"Vielleicht habe ich einen Dauerschaden", fürchtet "Dr. House"-Darsteller Hugh Laurie.
Foto: getty

Mr. Laurie, die Arztserie "Dr. House" war in den USA ein Überraschungserfolg, in Deutschland erreicht sie Spitzenquoten. Was fasziniert die Zuschauer an einem so miesen Charakter?

Es ist doch so: All die moralischen oder zumindest sozialen Verfehlungen von Dr. House werden durch seine Fähigkeiten als Arzt abgemildert. Ein Prozent weniger Können - und er wäre untragbar. Ich glaube, dass viele Zuschauer das Gefühl teilen: "Ich wünschte, es gäbe da draußen jemanden, der mir eine Antwort gibt - egal, was für ein Mensch er ist." Er könnte nett sein oder auch nicht, aber wenn er die Antwort rauskriegt, ist das alles, was zählt. Wenn du dem Tod ins Gesicht siehst, dann willst du den Besten - unabhängig von seinem Charakter.

Zur Person

Hugh Laurie, 49, wurde als misanthropischer Arzt Dr. House in der gleichnamigen TV-Serie weltweit bekannt.

Der gebürtige Brite spielt seit 2004 die Hauptrolle in der US-Serie, die mehr als zwei Dutzend Preise bekam - allein Hugh Laurie gewann zweimal in Folge den Golden Globe als bester Schauspieler einer TV-Serie.

Die aktuelle Staffel, die fünfte, wird zurzeit auf RTL gezeigt. Am heutigen Dienstagabend läuft um 21.15 Uhr die achte Folge der Staffel, die nach einer Pause voraussichtlich im Herbst fortgesetzt wird.

Könnte Ihre TV-Figur nicht, bei aller zur Schau getragenen Menschenfeindlichkeit, im Inneren doch ein glücklicher Typ sein?

Könnte sein. Wenn er nur diesen winzigen Schritt machen und sein Glück akzeptieren würde. Aber das ist gegen unsere Marschroute.

Ich glaube, er genießt es, clever zu sein und seine Leute über ihre Grenzen hinaus zu fordern.

Und ich glaube, da ist was Wahres dran.

Wie oft treffen Sie Kollegen, die ihr Genie als Ausrede für ihr mieses Benehmen benutzen - so wie das Gregory House tut?

Ich treffe eher Leute, bei denen ich denke: "Ach, komm - so gut bist du auch wieder nicht, dass du mit so einem Benehmen davonkommst." Aber wahre Diven trifft man im US-Fernsehgeschäft sehr selten. Ich weiß, das ist ein beliebtes Klischee: geniale Schauspieler, die sich weigern, dies zu tun und das zu tun, und dann wütend in ihren Wohnwagen rein- und wieder rausstampfen. Aber das habe ich erst ein paar wenige Male erlebt.

Machen sich Schauspieler mit solchen Ausrastern interessanter fürs Publikum?

Ach, als Zuschauer kann es mir doch ganz egal sein, welche Ausraster diese Genies haben. Ich habe schon großartige Shows gesehen und mir gedacht: Es ist mir in diesem Moment wirklich egal, was dieses Kunststück diese Person an Mühe kostet, oder was es die Leute um sie herum kostet. Ich dachte nur: Was für ein wundervolles Musikstück oder Theaterstück - ja, das ist es wert. Natürlich war ich nicht derjenige, der die Rechnung bezahlen musste.

In der aktuellen Staffel der Serie zeigen Sie mehr private, emotionale Seiten des Ekels Dr. House. Verliert er dadurch nicht seine wichtigsten Eigenarten - seine Schroffheit, seinen Selbsthass?

Stimmt, wir sehen House öfter als eine Art Haustier, aber ich denke, wir machen es uns zu einfach, wenn wir ihn als Brummbär mit dem goldenen Herzen sehen wollen. House ist eine komplexere Figur, und so sollte es auch bleiben.

Manchmal zeigt House seine Traurigkeit in einer sehr stillen Art und Weise, mit sehr wenig Mimik. Das muss eine der schwierigsten Übungen für Sie sein.

Nein, überhaupt nicht. Ich spiele in den allermeisten Fällen nur das, was im Drehbuch steht. Das ist keine Bequemlichkeit, ich finde nur, dass diese Drehbücher meistens außerordentlich gut sind. Jede Woche gehen wir gemeinsam die neuen Szenen durch und unser Autor David Shore, der Erfinder der Figur und der Serie, fragt uns: "Was meint ihr?" Ich erwidere dann: "Ich würde es auf blauem Papier ausdrucken - das sähe hübscher aus." Und das ist so ziemlich alles, was ich dazu sagen kann. Ich mache also nur, was man mir sagt.

Mr. Laurie, seit 2004 arbeiten Sie wegen der Serie in den USA, fern Ihrer britischen Heimat und Familie. Wie weit im Voraus planen Sie selbst Ihre Karriere, Ihr Leben?

Ich schaue ungefähr zehn Minuten nach vorne. So funktioniere ich normalerweise. Das liegt vielleicht daran, dass ich in einem einzigen Moment so viele Probleme lösen muss, dass keine Zeit fürs Vorausdenken bleibt. Ich arbeite hier 16 Stunden am Tag, wenn wir drehen. Auch an Vergangenes kann ich mich deshalb kaum erinnern, nicht mal daran, was in der letzten Folge geschah. Vielleicht habe ich einen dauerhaften Hirnschaden.

Planen Sie nicht, endlich Ihre Familie aus London herüber nach Los Angeles zu holen?

Wir reden immer wieder darüber. Aber ich bin sicher: Der Tag, an dem wir eine Anzahlung auf ein Haus in den Staaten hinblättern, ist der Tag, an dem die Serie abgesetzt wird. Das ist unvermeidlich. In den ersten drei Monaten hier habe ich mir nicht mal die Mühe gemacht, die Koffer im Hotelzimmer ganz auszupacken. Ich wusste, jeden Tag kann es vorbei sein.

Und wenn "Dr. House" zehn oder 15 Jahre läuft, wie "Emergency Room"?

Das kann ich mir nicht vorstellen bei einer Serie, die so stark auf einem derart instabilen Charakter aufbaut. Er ist so selbstzerstörerisch - wie ein Typ, der auf einem Fenstersims steht, und das kann man nicht ewig machen. Du musst entweder springen oder zurück ins Haus gehen. Das Publikum kann nicht 15 Jahre lang da unten stehen und rufen: "Los, spring schon!" Das wird einfach zu frustrierend.

(Interview: Robert Hayes, Übersetzung: Thomas Wolff)

Datum:  20 | 4 | 2009
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