kalaydo.de Anzeigen

Interview mit Anastacia: "Ich bin überhaupt kein Musikfan"

Popstar Anastacia spricht im FR-Interview über Castingshows und wie es ist, von Beruf ein Star zu sein, aber ohne Brille unerkannt zu bleiben.

Anastacia heute. Sie hat sich die Augen lasern lassen und ihre Brillen bei Ebay versteigert. Sie genießt es, dass die Leute auf der Straße sie nicht erkennen.
Anastacia heute. Sie hat sich die Augen lasern lassen und ihre Brillen bei Ebay versteigert. Sie genießt es, dass die Leute auf der Straße sie nicht erkennen.
Foto: universal

Da trifft man Anastacia in einem Kölner Luxushotel, und in den ersten fünf Minuten der Interviewzeit zaubert sie den perfekten Kaffee aus einer feindseligen Maschine, die außer ihr kein Mensch im Raum versteht.

"Lieber einen doppelten Macchiato oder einen einfachen Espresso? Soll ich ein bisschen mehr Wasser dazu geben? Dann wird er richtig. Noch Milch? Zucker?" Einspruch oder gar Selbsthilfe - zwecklos.

Die vor 41 Jahren in New York geborene und in Chicago aufgewachsene Popsängerin, die ihr Geburtsdatum erst vor anderthalb Jahren um fünf Jahre vordatiert und damit berichigt hat, hat nach vier Jahren wieder ein neues Album herausgebracht. Der Titel "Heavy Rotation" erinnert an ihre Anfänge als Tänzerin in Musikvideos und ihre Entdeckung in einer Castingshow bei MTV.

Im Jahr 2003 erkrankte sie an Brustkrebs, besiegte die Krankheit dann aber in kurzer Zeit und reflektierte darüber im Album "Anastacia". In Deutschland wurde es zur meistverkauften CD des Jahres 2004 und erhielt fünfmal Platin. 2007 machte sie Schlagzeilen, als sie ihren Bodyguard Wayne Newton heiratete.

Ihr Album "Heavy Rotation" unterscheidet sich mit seinem funkigen Soul deutlich von allem, was Sie früher gemacht haben.

Es war eine echte Erfrischung nach all meinen früheren Alben. Ich glaube allerdings, die ersten beiden haben schon eine Spur dahin gelegt. Nur war ich eben als Künstlerin noch total unerfahren. Ich habe zwar mitgeschrieben, aber die Produzenten waren doch eher poppig als soulig. Das dritte Album war dann eine ganz andere Montage von Energie (hier stößt Anastacia im Gespräch eine Art Urschrei aus): den Krebs überleben! Musik! Gitarren! Von daher ist dieser friedliche Ansatz jetzt doch eine echte Erfrischung. Spirituell, mental und musikalisch.

Entschuldigen Sie die Frage, aber haben Sie die Zeit Ihrer Krebserkrankung als einsam empfunden? Oder erfuhren Sie ausreichend Zuwendung von anderen?

Wenn man so etwas hat, will man ja gerade von allen in Ruhe gelassen werden. Ich habe dann irgendeine Antwort gegeben, damit das gelang. Nein, da ist es einfach nur wichtig, dass man dann bei sich ist und den Gedanken, die man sich macht.

Nun sind Sie auch als Musikerin selbstbewusster geworden?

Das bin ich bestimmt. Zum Beispiel, wenn ich plötzlich sage: Wäre doch wirklich mal eine gute Idee mit Ne-Yo zu arbeiten...

... dem Produzenten von Rihanna und Beyoncé ...

Ich dachte, der hätte sowieso keine Zeit für mich. Aber als er gefragt wurde, hatte er sogar richtig Lust. Ich kann mich da gar nicht im selben Atemzug nennen, wenn wir zusammen komponieren oder einen Song zusammen spielen. Er ist einfach urban, ich halte mich dagegen für etwas anderes, also jedenfalls immer noch Pop. Aber mit verschiedenen Produzenten zusammenzuarbeiten kann eben etwas Neues aus einem herauskitzeln.

Privat sollen Sie ja nicht gerade ein Popfan sein.

Ich bin noch nicht mal ein Musikfan! Kein bisschen! Ich höre nie Musik. Ich weiß, wer neu herauskommt, höre etwas im Radio. Durch meinen Beruf kriege ich auch etwas mit, die Leute unterhalten sich darüber und ich gucke fern und so weiter. Aber ich bin niemand, der einfach so Musik hört. Ist nicht mein Ding. Mich beeinflusst das Leben. Und ich schreibe darüber. So bin ich eben.

Dann gab es auch niemals Idole?

Nein, hatte ich nie. Ich meine, ich war über beide Ohren verknallt in Andy Gibb, als ich jung war.

Wie süß.

Der ist so heiß. Ich war echt verknallt, aber das war's dann auch. Meine Schwester schwärmte für Shaun Cassidy und ich für Andy Gibb.

Sie sind vielleicht der einzige Superstar, der aus einer Castingshow kommt, der MTV-Sendung "The Cut". Mit Sicherheit waren Sie 1998 die erste Sängerin, die man daher kannte.

Ja, die gab's ja vorher gar nicht. Und besonders lustig war es auch nicht. Man hielt das für einen ausgesprochenen Witz von einer Show. Denn damals sang man noch seine eigenen Songs. Die jetzigen Shows handeln ja nur davon, dass die Lieder von anderen gesungen werden. Damals sangen wir unsere Lieder, den ureigenen, persönlichen Song. Also sang ich "Not that kind". Was ahnte ich denn davon, dass mich das berühmt machen würde. Ich hatte keinen Dunst! Ich dachte, ich singe irgendeinen Doo Wop Song...

Wie aus den späten Fünfzigern ...

... ja, aus den Tagen, als noch niemand etwas von Musik verstand.

Mussten Sie denn danach Ihre musikalische Identität verteidigen? Hat man nicht versucht, Sie in einen Rahmen zu stecken?

Das haben sie schon versucht. Denn aus dieser Show kommend, mit diesen Brillen und der Art, wie ich aussah und klang - das wollten sie ausgleichen. Mit Frisuren und Make-up wurde ich präsentabel gemacht. Ich sah ja eher dämlich aus. Tatsächlich haben sie nur eines geändert, nämlich mein Alter. Die haben mich nicht 30 gemacht, sondern 24. Dann kam das erste Album, und so ging's weiter. Seit 2000 habe ich nicht aufgehört.

Ihr Kaffee ist übrigens herrlich.

Vielen Dank.

Bitte sehr. Sie haben kürzlich Ihre Augen lasern lassen und die bekannten Brillen auf Ebay verkauft. Wollten Sie nicht mehr erkannt werden?

Ich habe Phasen durchgemacht, in denen ich mich selbst nicht mehr erkannt habe. Ich habe mir selbst ziemlich zugesetzt, weil ich einfach nicht mochte, wie ich aussah. Also ohne Brille. Da war es echt schwer für mich. Ich sagte, ich fände mich mit Brille hübscher. Dann habe ich mich daran gewöhnt und gemerkt, wie viele Menschen daran nicht gewöhnt waren. Mein Mann und ich konnten unerkannt durch Europa reisen. Ich trug Pferdeschwanz, keine Brille, ich sah aus wie jede andere auch. Es gab keine Entourage, wir sind einkaufen gegangen, haben uns einfach unter die Leute gemischt. Das war angenehm. Jetzt müssen die Menschen erst lernen, mein Gesicht zu erkennen. Sie kannten mich nur als Haare und Brille. Sie kannten die Bestandteile, die ich einbrachte, um nach irgendjemandem auszusehen. Schauspielerinnen sind dagegen bekannt für ihre Gesichter. Sie können eine andere Rolle annehmen, aber ihr Gesicht ist wiedererkennbar.

1 von 2
Nächste Seite »
Datum:  9 | 3 | 2009
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft


Leute
Dafür hat sie gelebt: Whitney Houston bei den American Musik Award 2009.
Pop-Ikone nur 48 Jahre alt geworden 
Brad Pitt hat keine Angst vor dem Altern – im Gegenteil.
Brad Pitt im Interview 
        

Manfred Krugs erste „Starpostkarte“. Selbst bezahlt, wie er betont.
Manfred Krug im Interview 
Fotostrecke
Menschen 2011 (43 Bilder)

Anzeige

Video

Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Spezial
Test auf Strahlenspuren.

Live-Ticker, Bilder, Videos und Grafiken, Hintergründe, Spendenadressen und vieles mehr im Spezial zur Katastrophe in Japan.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Meistgeklickt
BKA-Gebäude (Archivbild),
Zwickauer Neonazi-Trio 
Die Internetgemeinde ist zornig - denn hinter dem Urheberrechtsabkommen ACTA - das offiziell gegen Piraterie helfen soll - vermuten sie einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und Zensur.
Protest gegen Urheberrechtsabkommen ACTA 
        

Darf er mal ran? Friend im Zwiegespräch mit Trainer Veh.
Abschlusstraining der Eintracht