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Interview mit Bill Woodward: "Probleme erkennen!"

Bill Woodward ist Direktor der Trainingsabteilung im Zentrum zur Gewaltverhütung an der University of Colorado. Die FR sprach mit ihm über Prävention.

Bill Woodward ist Direktor der Trainingsabteilung im Zentrum zur Gewaltverhütung an der University of Colorado.
Bill Woodward ist Direktor der Trainingsabteilung im Zentrum zur Gewaltverhütung an der University of Colorado.
Foto: Privat

Mr Woodward, ist es möglich, Amokläufe zu verhindern?

Ja, wenn die Warnzeichen ernst genommen werden. Wir haben in Colorado seit 1999 mindestens 23 verhindert. Wichtig ist die Hotline, bei der Schüler uns anonym Hinweise geben können. Schließlich reden die meisten Attentäter vorher über ihren Plan. Außerdem gibt es in vielen Schulen inzwischen Sozialteams: Die sind nach einem Tipp in der Lage, einzuschätzen, ob ein Schüler eine Bedrohung ist. Manche Schulen glauben allerdings immer noch, sie seien immun gegen Gewalt.

Zur Person

Bill Woodward ist Direktor der Trainingsabteilung im Zentrum zur Gewaltverhütung an der University of Colorado (CSPV). Nach dem Columbine Highschool Massaker 1999 begann das CSPV mit dem Programm "Sichere Schulen" und half so zahlreichen Schulen, ihre Sicherheit zu verbessern.

Was sind wichtige Hinweise?

Soziale Isolation, Mobbing, Selbstmorddrohungen. Wenn es um Gewaltfantasien geht, ist es fast schon zu spät. Dann geht es nur noch darum, die Gewalttat zu verhindern. Eigentlich wollen wir früher aufmerksam werden.

Was kann das Team tun?

Es findet heraus, welche Probleme der Schüler hat. Ist er isoliert und hat wenig Selbstvertrauen, arbeitet es mit ihm an seinen Stärken und bearbeitet die Risikofaktoren. Es versucht, Freunde für ihn zu finden und einen erwachsenen Ansprechpartner. Es kann aber auch sein, dass das Team feststellt, dass der Jugendliche psychisch krank ist und einen Arzt braucht.

Welche Rolle spielt das soziale Klima in einer Schule?

Eine große. Wenn eine Schule mit der Gewaltprävention beginnt, fangen wir immer mit einer "Klima-Bewertung" an. Da werden jedem Kind 40 bis 50 Fragen über die Situation an der Schule gestellt. Danach wissen wir, was die größten Probleme an der Schule sind und können sie bearbeiten.

Nennen Sie ein paar Beispiele!

Bullying oder Mobbing steht an erster Stelle - viele Kinder, die andere mobben, landen später im Gefängnis. Es ist keine gute Idee, das zu ignorieren. Drogenkonsum natürlich, Schüler, die eine Sonderrolle spielen, denen man Vergehen durchgehen lässt, Lehrer oder Schulleiter, die sich unangemessen oder unfair benehmen, Cliquen, die das Geschehen an der Schule kontrollieren. Diese Klima-Bewertung sagt einem eine Menge über das, was in einer Schule vor sich geht.

Müsste man Lehrer besser auf Gewaltverhütung vorbereiten?

Auf jeden Fall. An der Columbine High School wussten vier oder fünf Lehrer von den Gewaltfantasien der Täter. Der eine hatte ein Essay vorliegen, in dem es darum ging, wie einer der Schüler sich vorstellte, andere zu töten. Ein anderer Lehrer wusste von Träumen, in denen es um Morde ging. Es gab auch ein Video aus der Film-AG, wo diese Schüler eine Schulschießerei inszenierten. Das gibt schon ein ziemlich komplettes Bild. Aber diese Lehrer taten nichts.

Was hätten sie tun können?

Solche Hinweise sind doch Hilferufe. Man kann vielen dieser Kinder helfen, wir müssen sie nur ernst nehmen. Wenn ein Junge Frauen hasst, wie offenbar Ihr Täter in Deutschland, muss man sich doch fragen: Was bedeutet das? Wie können wir ihm helfen? Fest steht: Es läuft nicht so, dass aus heiterem Himmel ein populärer Schüler mit guten Noten anfängt, in der Schule herumzuschießen. Kinder, die das tun, haben Probleme: Die müssen wir erkennen.

Interview: Frauke Haß

Datum:  13 | 3 | 2009
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