Was fasziniert Sie am Fliegen?
Ich kann alles hinter mir lassen, bin raus, weit weg von allem. Es tut mir gut, mich ab und zu von der Herde zu entfernen.
Haben Sie je bedrohliche Situationen erlebt?
Viele, viele Male. Aber es war alles nicht so schlimm, wie das, was der Kapitän des Passagierjets durchmachen musste, der auf dem Hudson-River in Manhattan notlandete. Das habe ich gebannt verfolgt. In einer solchen Situation wäre ich vermutlich vor Angst gestorben.
Reden wir noch ein bisschen über Ihre Karriere als Schwimmer. Sie waren in den 50er Jahren mehrmals italienischer Meister.
Damals war alles ganz anders, da hatte der männliche Weltmeister noch mit einer Bestzeit gewonnen, mit der heute allenfalls bei den Frauen etwas zu gewinnen wäre.
Was halten Sie von Michael Phelps, dem achtfachen Goldmedaillengewinner von Peking?
Ich würde jetzt nicht sagen, dass mich Phelps fasziniert. Die Schwimmer haben heute eben bessere Mittel zur Verfügung als wir damals?
Sie meinen Doping?
Nein, aber sehen Sie: Die Schwimmer von heute sind doch von einer gewaltigen Entourage umgeben. Ich hatte nie einen Masseur, keinen Sportmediziner und auch keinen Psychologen um mich herum. Ich bin einfach losgeschwommen. Und dann hatte ich auch ganz andere Badeanzüge als die Jungs heute. Die neuen Modelle sind viel schneller, man gleitet in ihnen besser durch das Wasser.
Schwimmen Sie noch ab und zu?
Ich bin zwar immer noch gerne im Wasser, ich stehe dann aber nur ein bisschen im Becken herum.
Vor dreieinhalb Jahren haben Sie noch mal Neuland betreten, als Sie erstmals in die Politik eingestiegen und - ohne Erfolg - bei den Regionalwahlen für Forza Italia, die Partei des umstrittenen Silvio Berlusconis antraten. Warum haben Sie das gemacht?
Ich kenne Berlusconi noch aus einer Zeit, als er noch nicht Politiker war, sondern vor allem Film- und TV-Unternehmer. Ich war sehr stolz auf meine Entscheidung, ihn zu unterstützen. Er ist ein Millionär, er könnte sein Leben ganz anders gestalten.
Wie denn zum Beispiel?
Was weiß ich, er könnte auf eine Bahamas Insel jetten, die Füße hochlegen und sich von Frauen umgarnen lassen. Er aber hat sich entschieden, sich für die Italiener einzusetzen. Berlusconi macht etwas für Italien.
Der Schriftsteller Umberto Eco sieht das, wie viele Ihrer Landsleute, anders. Eco wirft Berlusconi unter anderem vor, seine eigenen, unternehmerischen Interessen über die des Landes zu stellen?
Ich kenne Eco nicht persönlich. Aber er ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Europas, vielleicht sogar weltweit. Eco ist für mich ein kultivierter, ehrenwerter Mann.
Jetzt klingen Sie wie ein Pate.
Lassen Sie es mich so sagen: Man kann meine Kultur mit seiner nicht vergleichen. Letztendlich habe ich nach diesem Ausflug in die Politik für mich erkennen müssen, dass ich kulturell für dieses Metier nicht wirklich bereit bin.
Haben Sie Ihr politisches Engagement also doch eher bereut?
Sagen wir so: Es war eine komplexe Erfahrung.
Signore Pedersoli, da Sie, der Rastlose, im Oktober 80 Jahre alt werden: Haben Sie einen besonderen Wunsch für diesen Tag?
Ich wünschte mir noch ein bisschen Aufschub. Aber da kann man wohl nichts machen: Die Zeit ist die Gebieterin unseres Lebens.
(Interview: Martin Scholz)
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.