Signore Pedersoli, was hat Sie daran gereizt, mit fast 80 Jahren in einem deutschen Mafia-Klamauk mitzuspielen?
Ganz einfach: Ich hatte einen Riesen-Spaß, in diesem Film mitzuspielen.
Bud Spencer, am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren, heißt mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli. Sein Debüt als Schauspieler hatte er 1951 mit einem Kurzauftritt in dem US-Monumental-Film "Quo Vadis". Er spielte darin einen Leibwächter Neros. 1967 trat er erstmals als Bud Spencer in dem Italo-Western "Gott vergibt, wir beide nie" an.
Der internationale Durchbruch gelang ihm mit "Die rechte und die linke Hand des Teufels", in dem er erstmals mit seinem Partner Terence Hill zusammenarbeitete. Mit seinen Action-Klamauk-Filmen wie "Vier Fäuste für ein Halleluja" war das Duo in den 70er Jahren ein Erfolgsgarant an den Kinokassen. Inzwischen gibt es die geballte Prügel-Komik in DVD-Werkschauen wie der "Bud Spencer Terence Hill Monster Box" (e-m-s), die 20 Filme von Spencer und Hill in sich versammelt.
Ihre Rolle des Paten erinnert an Marlon Brandos selbstironische Rolle in der US-Komödie "Freshman". Eine bewusste Reminiszenz?
Nein. Davon mal abgesehen, gibt es einen essenziellen Unterschied zu unserem Film und der Produktion mit Brando. Denn in den USA gibt es viele, ganz unterschiedliche Formen von Mafien: die chinesische, die polnische, die der Latinos. Nur sind die USA als Land so stark, dass es die Mafia dort nie geschafft hat, so einflussreich zu werden wie in Italien.
Hätten Sie in Italien auch eine Komödie über die Mafia drehen können?
Die Mafia ist das große Drama Italiens. Um Ihre Frage zu beantworten: Bei uns in Italien wäre es nicht empfehlenswert, einen komischen Film über die Mafia zu machen.
Ihre Fans in Deutschland werden vermutlich ein wenig enttäuscht sein, dass Sie im neuen Film niemandem eine Kopfnuss verpassen.
Das würde mir mein Publikum doch gar nicht mehr abnehmen. Wie Sie schon richtig festgestellt haben, bin ich fast 80.
In den 70er Jahren waren Ihre Haudrauf-Komödien in Deutschland erfolgreicher als die James-Bond-Filme. Bei Ihrem Auftritt neulich in einer deutschen TV-Show kam Ihnen ein junger Mann entgegen, der Ihnen sein Bud-Spencer-Tattoo auf seiner Brust zeigte.
Das war ein bisschen seltsam, oder? Ich bin doch nicht Che Guevara.
Mord ist mein Geschäft, Liebling (Trailer) Kinostart, 26. Februar 2009 http://wwws.warnerbros.de/mord/
Können Sie sich erklären, warum Ihr brachialer Humor gerade in Deutschland so populär war?
Grundsätzlich hängt es wohl mit jener Form von Komik zusammen, die durch Mimik, Gesten, eben das Körperliche entsteht.
Zum Beispiel bei den die beidhändigen Doppelbackpfeifen.
Ja, die haben gut funktioniert, nicht wahr? Solche Sachen hatten wir uns ausgedacht. Aber das ist auch nicht etwa aus dem Nichts entstanden. Ich habe mir viel von den Stummfilm-Helden abgeschaut.
Was haben Sie von denen gelernt?
Eigentlich alles.
Welcher Stummfilmstar ist Ihr persönlicher Favorit?
Charlie Chaplin. Von ihm habe ich am meisten gelernt. Wobei ich mich nicht mit ihm vergleichen möchte.
Auch bei ihm wirkten brutale Szenen plötzlich ganz harmlos.
Die Kunst des Slapsticks.
Nach Ihrer Kopfnuss stand der Gegner sofort wieder auf.
Und deshalb können auch Kinder darüber herzhaft lachen. Ich habe ihnen nie Angst verbreitet; es gab nie Tote, es spritzte kein Blut.
Sie haben in Ihrem Leben immer wieder völlig unterschiedliche Dinge gemacht: Jura und Chemie studiert, Sie waren italienischer Meister im Brustschwimmen und 100-Meter-Freistil, nahmen an den Olympischen Spielen in Helsinki und Melbourne teil
Ich hätte mich in meinem Leben unendlich gelangweilt, wenn ich mich nur einer Sache verschrieben hätte. Und heute ist es genauso.
Sie sind sogar Erfinder gewesen. Wie kommt man auf die Einwegzahnbürste mit integrierter Zahnpaste.
Die Neugier - sie hat mich immer angetrieben.
Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, gibt es da etwas, auf das Sie besonders stolz sind?
Ja, ich kann fliegen. Ich habe meinen Pilotenschein gemacht.
Sie fliegen noch? Ja, zuletzt vor zwei Wochen, im Helikopter. Ich bin ein bisschen über die Randbezirke Roms geflogen.
Mit Verlaub: Das darf man einfach so - mit 79 Jahren?
Ich fliege natürlich nicht mehr alleine. Ich habe immer einen anderen Piloten neben mir sitzen. Einen Profi.
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