Frau Seidel, Todesfälle durch Methanol - ist Ihnen das in Ihrer Praxis schon einmal begegnet?
In meiner zehnjährigen Praxis in der Vergiftungszentrale haben wir noch keinen Fall gehabt, in dem gepanschter Alkohol eine Rolle spielte. Das ist wirklich sehr, sehr selten.
Ist gepanschter Alkohol von herkömmlichem zu unterscheiden?
Nein, sie sind weder am Geschmack noch am Geruch zu unterscheiden.
Kann ich an den Symptomen erkennen, dass mit dem Getränk etwas nicht gestimmt hat?
Zunächst nicht, denn Methanol wirkt erst einmal genauso wie normaler Alkohol, man bekommt einen Rausch. Die zweite Phase unterscheidet sich allerdings sehr. Bei herkömmlichem Alkohol wird es ja irgendwann wieder besser, nach dem Frühstück oder nach zwei Aspirin. Bei Methanolalkohol treten dagegen schlimme Muskelschmerzen und Schwindel auf. Es kommt oft zu Sehstörungen.
Was sollte man dann tun?
Sofort die nächste Klinik aufsuchen. Dort kann ein Gegenmittel verabreicht werden. Das muss aber unbedingt schnell gehen. Bei den jetzt Verstorbenen hat es ja offensichtlich sehr lange gedauert, bis sie behandelt wurden. Und dann war es irgendwann zu spät.
Was ist schlimm an Methanol?
Es sind die Stoffwechselprodukte, die im Körper entstehen, die so verheerend wirken: Formaldehyd, das zu schweren Vergiftungen führt und Hirnschäden verursachen kann. Und Ameisensäure, die den ganzen Säurehaushalt des Körpers durcheinanderbringt.
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