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20. September 2011

Interview mit dem Erfinder des Döner: „Echt nur mit Zwiebeln und Salat“

Der Döner ist zum beliebtesten Fast-Food-Essen in Deutschland geworden. Foto: Andreas Arnold

Kadir Nurman hat vor knapp 40 Jahren den Döner erfunden, das inzwischen beliebteste Fast-Food-Essen der Deutschen. Jetzt wird er dafür geehrt. Im FR-Interview spricht er über die Vorzüge des Döners und die richtigen Zutaten.

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Zur Person
Kadir Nurman

Kadir Nurman ist Jahrgang 1933. Er wurde in Ostanatolien geboren und kam 1960 aus der Türkei nach Deutschland. Zunächst arbeitete er bei Daimler in Stuttgart, 1967 zog er nach Berlin.

1972 eröffnete er in der Nähe des Bahnhof Zoo eine Imbissbude, in der er nach einem halben Jahr erstmals Döner verkaufte. Die Bude bestand bis 1989. Später machte er in anderen Stadtteilen noch mal Döner-Buden auf.

Seit 1996 ist Nurman im Ruhestand. Reich ist er nicht geworden mit dem Döner, er lebt von 395 Euro Rente in Berlin. Auf der Döner-Messe Döga am 24. und 25. September soll er in der Hauptstadt als Erfinder des Döners geehrt werden.

Mehrere Türken behaupten, sie hätten den Döner erfunden. Aber vieles spricht dafür, dass es Kadir Nurman war, der den Deutschen vor knapp 40 Jahren erstmals Döner verkaufte. Der 78-Jährige besitzt ein Album mit Zeitungsausschnitten, die ihn in seiner damaligen Döner-Bude zeigen. Außerdem hat er Anzeigen aufgehoben, die er in den 70er-Jahren geschaltet hat, um für seinen Imbiss in der Nähe des Berliner Bahnhof Zoo zu werben.

Heute gibt es in Deutschland etwa 16.000 Döner-Buden, rund drei Millionen Döner werden täglich verzehrt – das türkische Gericht ist zum beliebtesten Fast Food der Deutschen geworden. Und zu einem Wirtschaftsfaktor: 60.000 Menschen arbeiten in der Döner-Industrie, die jährlich 3,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Am Wochenende findet in Berlin mit der DÖGA die weltweit erste Döner-Messe mit Publikumstag statt. Dort soll Döner-Pionier Kadir Nurman geehrt werden.

Herr Nurman, haben Sie den Döner wirklich erfunden?

Also, viele, die behaupten, sie hätten ihn erfunden, haben bei mir gearbeitet. Die können viel erzählen, aber ich habe 1972 in der Hardenbergstraße in Berlin einen Laden aufgemacht. Zuerst habe ich Süßigkeiten verkauft, nach einem halben Jahr Döner. Vielleicht hat das jemand anderes auch gemacht, in einer versteckten Ecke, aber niemand hat was davon mitbekommen. Durch mich wurde der Döner bekannt.

Wie kam es, dass Sie Döner verkauft haben?

Ich kannte Döner-Spieße aus der Türkei und habe gemerkt, so etwas gibt es hier nicht. Deutschland ist ein Arbeitsland, da wollen viele schnell im Laufen was essen. Deshalb habe ich damit angefangen.

Wie sah der Ur-Döner aus?

Am Anfang habe ich das Fleisch einfach in ein Brötchen getan. Später in Sandwiches und noch später kam das Fleisch in Fladenbrot. Bei mir war das nur Hackfleisch vom Kalb und Rind, Zwiebeln und ein bisschen grüner Salat.

Keine Gewürze und keine Soße?

Damals haben wir nicht viele Gewürze benutzt. Später haben andere dazu getan, was immer sie gefunden haben. Aber bei uns war das nicht so, der Original-Döner ist nur mit ein bisschen Zwiebeln und grünem Salat.

Was hat er gekostet?

1,50 Mark. Dann als Sandwich 2 Mark und im Fladenbrot 2,50 Mark.

Wie reagierten die Kunden?

Es kamen viele Menschen vorbei und guckten zunächst, was ist das – der Döner. Die Türken und Araber kannten das Gericht natürlich und griffen zu. Später haben es die Deutschen auch gegessen und es hat ihnen gut geschmeckt. Nach zwei Jahren haben viele Türken bei mir gearbeitet und gelernt. Später haben sie dann selbst Dönerläden aufgemacht. Und so hat er sich verbreitet.

Haben Sie Ihren Döner selbst gerne gegessen?

Ja, selbstverständlich. Jeden Tag. Ich wusste, was ich esse.

Wo kam das Fleisch her?

Wir haben Döner damals selbst gemacht, pro Tag 100 Kilogramm.

Woher wussten Sie, wie man Döner herstellt? Haben Sie das in der Türkei gelernt?

Ich habe es mir selbst beigebracht. Es ist gar nicht kompliziert: Hackfleisch, ein kleines bisschen Zwiebel und beides mischen. Aber so macht das heute niemand mehr. Die Leute sagen oft zu mir, dass mein Döner besser war als der, der heute verkauft wird. Wir haben echte Sachen benutzt. Wenn das Fleisch gut ist, braucht man keine Tomaten oder Gewürze.

Gibt es eine Döner-Bude, in der es Ihnen noch gut schmeckt?

Leider nein. Meiner Meinung nach sind zu viele Zutaten in den Dönern. Es gibt hier in Berlin keinen Verkäufer, der die Mischung noch selbst zubereitet. Alle lassen sich von Fabriken beliefern. Wenn meine Nichten Kindergeburtstag feiern, mache ich Döner noch selbst. Und da schmeckt er mir.

Inzwischen gibt es ja auch Hähnchen-Döner oder sogar vegetarischen Döner. Was halten Sie davon?

(Lacht). Ich sage da besser gar nichts dazu. Nachdem der Döner überall in Europa so beliebt geworden ist, hat man offenbar neue Variationen ausprobiert. Aber ganz ehrlich: Das ist kein echter Döner.

Warum haben Sie sich den Döner eigentlich nie als Marke schützen lassen?

Wer hat damals denn gedacht, dass der Döner eines Tages so groß wird? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es bei einem Notar schützen lassen. Dann wäre ich jetzt Millionär. Später ist man immer schlauer. Aber egal. Ich freue mich jedenfalls, dass heute so viele Türken vom Döner leben und Millionen Menschen Döner essen.

Warum ist er so erfolgreich?

Ein Döner macht billig satt. Eigentlich ist er zu billig. Meine Landsleute sind keine guten Geschäftsleute. Die geben Ihnen Fleisch, Brot, Salat, Zwiebeln, Soße, alles für 2,50 Euro. Eigentlich müsste der Döner 5 Euro kosten. Gehen Sie mal Currywurst essen, die kostet 2,80 – ohne Gemüse.

Das Interview führte Eva Dorothée Schmid.

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