Mr Quaid, Sie sind mal wieder im All unterwegs - für Ihren Science-Ficition-Film "Pandorum" haben Sie sich zuvor auch mit echten Raumfahrern unterhalten. Was haben Sie von denen lernen können?
Die spannendste Erkenntnis, die sie boten, war die: Du hast dort draußen das Gefühl, dass jemand dich beobachtet.
Dennis Quaid, 1954 in Houston, Texas geboren, wurde in den 80ern mit einer Reihe von Hollywood-Blockbustern bekannt. "Der Stoff, aus dem die Helden sind" wurde mit vier Oscars ausgezeichnet; "Die Reise ins Ich" war ein ebenfalls erfolgreicher Fantasy-Film.
In den 90ern fanden viele seiner Filme weniger Anklang, erst 1999 erlebte er mit "An jedem verdammten Sonntag", "Traffic" und "Der Himmel so fern" ein Comeback. Hinzu kamen Kassenschlager wie Roland Emmerichs Katastophenfilm "The Day After Tomorrow".
In seinem aktuellen Film "Pandorum", einem Science-Fiction-Film, kämpft Quaid an Bord eines Raumschiffs ums Überleben.
Wer sollte einen da beobachten - Aliens?
Eine höhere Macht - Gott, wenn Sie wollen. Er ist die Kraft, die uns alle verbindet. Ich selbst bin gläubiger Baptist, aber ich habe mit vielen Vertretern anderer Religionen gesprochen, und letztlich glauben wir alle an das gleiche Prinzip.
Wer ins All fliegt, kann dort seinem Gott begegnen?
Wir begegnen ihm, wenn wir ins Unbekannte vorstoßen - dazu müssen wir nicht zwangsläufig ins All fliegen. Wir finden ihn auch in unserem Innersten, zum Beispiel indem wir meditieren. Unser Körper und unser Bewusstsein sind ein winziger Teil eines ursprünglichen großen Ganzen, das es schon vor dem Urknall gab. Wir sind alle mit dem Universum verbunden, und das können wir auch auf der Reise in den Innenraum erfahren.
Haben Ihnen solche Vorstellungen bei Ihren großen Krisen geholfen - dem Kampf gegen die Drogensucht, der Trennung von Ihrer Frau Meg Ryan?
Die Stärke, diese Dinge durchzumachem, habe ich in allen Krisen in meinem Glauben gefunden. Diese Dinge sind für mich Schicksal. Aber solche Erfahrungen helfen dir auch bei deiner Selbstfindung. Wenn dein Leben auseinander fliegt, dann besteht die einzige Lösung, sich auf sich selbst zu besinnen.
Vor zwei Jahren wurden ihre neugeborenen Zwillinge durch eine versehentliche Überdosis des Blutverdünners Heparin vergiftet und kamen in der Klinik beinah ums Leben. War das für Sie auch Schicksal?
Es war eine schreckliche Prüfung, die ein glückliches Ende hatte. War das Schicksal? Ich kann nur so viel sagen: Ich habe dadurch gelernt, das Leben noch mehr zu schätzen, und meine Frau und ich tun viel dafür, damit anderen Kindern solche Unfälle erspart bleiben. Zum Beispiel möchten wir die Pharmakonzerne gerichtlich zwingen, ihre Packungen eindeutig zu beschriften.
Wenn Sie Ihr Leben heute mehr schätzen als zur Zeit ihrer frühen Erfolge - was bedeutet das konkret?
Das bedeutet zum Beispiel, dass ich meine Familie immer bei mir habe. Als ich in Berlin "Pandorum" drehte, waren meine Zwillinge dabei. Denn sie verändern sich so schnell, da möchte ich möglichst keinen einzigen Tag mit ihnen verpassen.
Andererseits drehen Sie momentan einen Film nach dem anderen. Gerade stehen Sie als Darsteller des Ex-Präsidenten Bill Clintons im Projekt "The Special Relationship" vor der Kamera; erst vor zwei Monaten kam "G.I. Joe" ins Kino, jetzt "Pandorum". Lässt sich das mit Ihrem Familien-Anspruch vereinbaren?
Ja, das geht. Weil meine Kinder in dem Alter ziemlich einfach transportfähig sind. Und ich arbeite momentan viel, weil mir die Schauspielerei mehr Spaß macht denn je - viel mehr als in meinen 20ern. Ich muss mir nichts mehr beweisen, habe keine Versagensängste mehr. Ich genieße es, dass ich erst im Alter meine Blütezeit erlebe.
Aber wieso hat es so lange gedauert?
In der zweiten Hälfte der Neunziger hatte ich mir eine Auszeit genommen, um mit meinen privaten Problemen klarzukommen. Und für die Branche existierst du dann auf einmal nicht mehr. Ich musste mich wirklich zurückkämpfen. Aber letztlich habe ich davon profitiert. Denn wenn du nicht mehr oben auf der Kandidatenliste stehst, dann lernst du Demut und Durchhaltevermögen. Aber dadurch begreifst auch auch, dass es eben nicht auf den schnellen Erfolg ankommt.
Und worauf kommt es Ihnen heute an?
Auf die reine Lust an der Schauspielerei. Ich möchte wissen, wie Leute psychologisch funktionieren. Das ist die Neugier, die mich antreibt. Deshalb kann ich mir auch nur diesen Beruf vorstellen. Und ich wähle nur noch Rollen, die mich wirklich interessieren - aber nicht zwangsläufig die, in denen mich die Agenten und Produzenten vielleicht gerne sehen würden. Auf deren Machtspielchen lasse ich mich nicht ein. Vielleicht bin ich deshalb kein Superstar geworden. Aber das ist völlig in Ordnung.
Manchmal meldet sich Ihre Vergangenheit aber doch noch mal zu Wort - wie im letzten Jahr, als Meg Ryan in der Klatschpresse über die Gründe für Ihre Trennung sprach. Wie gehen Sie damit um?
Ich möchte das nicht mehr kommentieren. Nur so viel: Bei den meisten Sachen, die mir von Teilen der Presse angedichtet werden, war ich nicht mal dabei. Aber ich lese solche Blätter ohnedies nicht mehr. Die Zeiten gehören jetzt wirklich der Vergangenheit hat. Bestenfalls lese ich Rezensionen meiner Filme. Aber nur wenn sie gut sind.
Interview: Rüdiger Sturm
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.