Mr Jackman, zurzeit scheinen sich die Leute mehr für die Farbe Ihrer Unterwäsche zu interessieren als für Ihre Art zu schauspielern.
Ja, ich weiß. Aber das wird sich bald wieder geben, denn mein Leben ist ziemlich langweilig.
Tatsächlich?
Na schauen Sie: Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder...
... keine Affären ...
... zumindest weiß niemand davon. Im Ernst: Ich bin nicht wirklich interessant für die einschlägigen Magazine. Meine Story ist vielleicht beim ersten Mal unterhaltsam, beim zweiten Mal nur noch ermüdend. Und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die sich permanent Blödsinn ausdenken, um geheimnisvoller zu wirken.
Sagen Sie bloß, es stimmt nicht, dass Sie mehrere Sprachen sprechen und mehrere Instrumente spielen.
Alles Blödsinn! Wissen Sie, Sir Ian McKellen, der in "X-Men" meinen Ziehvater spielt, gab mir mal einen guten Rat: Spar' dir all das Geld und all die Energie, die andere für PR in eigener Sache aufwenden und steck' es in deine Schauspielkunst - dann wird alles von selbst laufen.
Und? Ist seither alles von selbst gelaufen?
Tja, nein, ehrlich gesagt nicht. Aber ich halte mich trotzdem dran. Also bitte, man muss doch die Kirche im Dorf lassen: Am Ende bin ich auch nur einer, der in seltsame Kostüme schlüpft, um so zu tun, als sei er jemand anderes.
Ist aber eine nette Art, sein Geld zu verdienen.
Klar, das ist wie ein Kindertraum. Es gibt aber auch eine Menge Dinge, die sind das Gegenteil davon. Aber ich will mich nicht beschweren.
Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie zum ersten Mal als Sexiest Man Alive nach Hause kamen?
Sie sagte: Wusste ich - sonst hätte ich dich doch nicht geheiratet. Dann hat sie gefragt: Wer war denn noch so im Rennen? Und warum hat Brad Pitt nicht gewonnen? So was in der Art kriege ich seither jeden Tag zu hören.
Man könnte sagen: selbst schuld! Immerhin sind Sie in ziemlich vielen Ihrer Filme mindestens einmal mindestens halbnackt zu sehen
Alles Zufall! Ich schwöre.
Seltsamer Zufall.
Schauen Sie, in "Australia" gibt es eine Szene, wo ich mir im Busch vor Nicole Kidmans Augen das Hemd von der Brust reiße und mich wasche...
Die Szene ist eine Art Hommage an Bogart und Hepburn in "African Queen".
Genau. Und wissen Sie, diese Szene ist so ironisch, sie ist so überzeichnet, dass die Leute das schon nicht ganz so ernst nehmen werden.
Wollen wir wetten?
Lieber nicht. Aber wissen Sie was, ich bin jetzt schon häufiger darauf angesprochen worden, dass ich oft fast nackig zu sehen bin - langsam macht mich das selbst nachdenklich. Hmm... ein Exhibitionist bin ich jedenfalls nicht. Und ich versichere Ihnen, der kernige Typ, den ich in "Australia" verkörpere, hat mit mir persönlich nicht viel zu tun.
Weil Sie ja langweilig sind.
Eben.
Sie haben in Ihrer relativ kurzen Karriere relativ viele verschiedene Typen gespielt: einen genetischen Mutanten, einen Zauberer, einen dubiosen britischen Gentleman, jetzt den Naturburschen von Down Under. Ist es ein Vorteil, so spät in Hollywood gelandet zu sein?
Definitiv. Es hilft jedenfalls sehr, nicht vor den Augen der gesamten Welt erwachsen zu werden. Wenn du Shirley Temple bist und dafür berühmt bist, Shirley Temple zu sein, wird es viele Menschen geben, die dich als erwachsene Frau nicht akzeptieren. Es zerstört das Bild, das sie von dir haben. Ich hatte den Vorteil, schon 30 zu sein, als ich den Wolverine in "X-Men" spielte. Ich wusste da schon, wer ich bin und was ich will. Das war ganz anders etwa bei Leonardo di Caprio, der ja als Junge angefangen hat. Er hat das großartig gemeistert, aber es gibt viele, denen das nicht so gut gelungen ist. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn sich mein Leben von 15 bis 25 vor der Weltöffentlichkeit abgespielt hätte. Dann säßen wir jetzt vermutlich nicht hier.
Vermutlich hat es auch nicht geschadet, dass Sie Australier sind und nicht Amerikaner.
Ja, ich konnte ziemlich unbeobachtet meine ersten Schritte tun. Ich wollte auf die Bühne und hab es getan, ich wollte in Musicals spielen und niemand hat mich daran gehindert. In Amerika wäre das anders gelaufen.
Vermissen Sie die Bühne?
Das Lustige ist: Ich habe erst vor zwei Jahren eine große Show zu Hause gemacht, ich trete auch hin und wieder bei kleineren Anlässen auf und singe dann - nur kriegen das hier die wenigsten mit. Und ich werde nächstes Jahr auch wieder daheim eine große Show machen.
Was für eine?
Weiß ich noch nicht. Aber es wird Zeit, mal wieder auf die Bühne zu klettern.
Für "Australia" sind Sie immerhin schon in Ihre Heimat zurückgekehrt. Mein Eindruck war, das ist ein Liebes-, ein Kriegs- und ein Abenteuerfilm in einem. So etwas wie: buy one, get two free.
Ja, das trifft es. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, oder?
Aber über allem schwebt doch die Mythologie Ihres Heimatlandes.
Darüber bin ich auch froh. Man vergisst ja gerne mal, dass Australien und die Aborigines eine 40 000-jährige Geschichte miteinander verbindet. Mir gefällt, dass die Schönheit und Erhabenheit dieser Kultur den Film dominieren.
Heute ist von der Kultur aber nicht mehr viel übrig.
Leider nicht. Die Aborigines sind wirklich in einer traurigen Situation. Sie müssen sich das vorstellen: Erst dieses Jahr hat sich die Regierung dafür entschuldigt, dass bis Anfang der 70er Jahre Tausende Aborigine-Kinder ihren Eltern gestohlen wurden. 35 Jahre danach. Man redet einfach nicht über das Thema "Stolen Generation". Ich habe auf der Highschool auch nie etwas davon gehört, erst als ich auf die Universität ging. Vielleicht helfen Filme wie dieser ja, das Thema ins Bewusstsein zu rücken.
Haben Sie mehr über die Aborigine-Kultur gelernt, als Sie im Outback gedreht haben?
Eine ganze Menge. Wir hatten ja einige Leute aus der "Stolen Generation" am Set. Die Aborigines haben eine so viel tiefere und verständigere Beziehung zu ihrem Land als wir, das ist unbeschreiblich. Es geht ihnen nicht darum, Land zu besitzen, sondern es zu erhalten. Das ist wunderbar. Überlegen Sie mal: Wir Weiße sind erst seit 200 Jahren auf dem Kontinent und haben ihn schon halb ruiniert.
Mr Jackman, Sie haben Journalismus studiert. Gibt es eine Frage, die ich hätte stellen sollen?
Ich hätte von mir wissen wollen, an welchem Punkt im Leben ich genau wusste, was ich einmal tun möchte. Und da Sie schon danach fragen: Bei mir war es, als ich mit meinem Vater Billy Graham auf der Bühne gesehen habe.
Den Baptistenprediger?
Ja. Da wusste ich, ich will auch mal auf die Bühne. Ich war damals 14 oder 15. Da dachte ich noch, vielleicht werde ich mal Pfarrer.
Stattdessen sind Sie nun der Sexiest Man Alive geworden.
Seltsam, oder?
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