Herr Künzler, was war Ihr erster Gedanke, als Sie von Michael Jacksons Tod erfuhren?
Ich war geschockt. Obwohl es keine Überraschung war. Er war ja gesundheitlich angeschlagen, und es gab Zweifel, ob er überhaupt seine Comeback-Konzerte übersteht.
Wenn es ihm so schlecht ging, wieso hat er diese Konzerte dann überhaupt geplant?
Zyniker würden sagen, dass er das Geld brauchte. Freunde, dass er es für seine Fans tun wollte. Auf jeden Fall war er ein begeisterter Entertainer, der noch einmal zeigen wollte, dass er es drauf hat.
Wenn er nicht pleite war, wieso hat sein Umfeld dann zugelassen, dass er sich gefährdet?
Er wurde schlecht beraten. Auf der anderen Seite wollte er sich nie beraten lassen. Jemand, der sich gegen diese Konzerte gestellt hätte, wäre geschasst geworden.
Wie war Jackson denn als Mensch?
Sehr schüchtern und sehr schnell von Personen begeistert, denen er dann blindlings vertraute. Er hat ja nie gelernt, Mensch zu sein. Michael Jackson war immer auf der Bühne. Sein Vater hatte den Umgang mit anderen Kindern gekappt. Er hat das mit seinem Erfolg kompensiert, der dann so groß war, dass er keine Grenzen mehr gekannt hat. So wollte er nach "Thriller" ein noch besseres Album produzieren, 100 Millionen Platten verkaufen. Ein blödsinniger Druck. Seine Tragik war schon in seiner Kindheit angelegt.
Welche Rolle haben dabei die Missbrauchsprozesse Anfang der 90er gespielt?
Er hat sich noch mehr abgeschottet, wurde noch abgehobener und hat noch mehr Druck auf sich selbst ausgeübt. In seinen letzten Jahren lebte er wie ein Nomade. Er ist von Ort zu Ort gezogen. Glücklich war er nur auf der Bühne.
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