Grzimek war quasi der Erfinder des Afrika-Tourismus, als er in seiner Fernsehserie "Ein Platz für Tiere" empfahl, sich die Serengeti anzuschauen. Heute stehen die Safari-Jeeps Schlange. Sehen Sie den Tourismus heute als Chance oder Gefahr?
Lange haben wir gedacht, er ist nur Chance. Aber wenn erst ganz China reist, sehen wir anderen Zeiten entgegen. Wir müssen das regulieren. Die Tansanier verstehen, dass der Park für sie auch eine finanzielle Lebensgrundlage ist, die nicht zerstört werden darf.
Wie reagieren die Tiere auf die Besuchermassen?
Die meisten Tiere jagen nachts, wenn alles schläft. Den Löwen ist es sowieso egal, ob da 20 oder 50 Autos rumstehen. Aber die schwarzen Nashörner macht der Tourismus so nervös, dass es sich sogar auf ihre Fortpflanzung auswirkt. Die Geparden, die auch gelitten haben, konnten sich anpassen. Eigentlich haben sie eine Jagdzeit um 9 und mittags von 15 bis 16 Uhr, inzwischen jagen sie zwischen 12 und 14 Uhr - wenn alle Touristen am Mittagstisch sitzen. Aber der Tourismus ist eher für Menschen ein Problem. Wir möchten verhindern, dass die Wildnis-Erfahrung verloren geht, die man nicht mit 50 Jeeps um einen herum haben kann.
Wie kann das gehen?
Wir müssen die Besucherströme mehr verteilen. 90 Prozent der Serengeti sieht kein Mensch, das konzentriert sich auf einen kleinen Teil. Also müssen wir weg von den Hotels, mehr auf mobile Camps setzen, die das Ökosystem schonen. Wir sind hier am Scheideweg. Wir versuchen, die Serengeti in verschiedene Zonen aufzuteilen, eine mit mehr Tourismus und günstiger und dann eben exklusivere Camps, die entsprechend teuer sind.
Was kostet ein Serengetibesuch heute?
Zwischen 200 bis 1600 Dollar pro Person pro Tag. Das klingt viel, aber es nützt direkt den Projekten. Damit schützt der Mensch die Serengeti. Das ist sein Beitrag zur Erhaltung der Natur, deshalb ist es eigentlich nicht viel. Es ist für den Menschen ein ganz wichtiges Erlebnis, sich mal wieder nah an der Natur zu fühlen, besonders für den Stadtmenschen. Das ist auch ein spirituelles Erlebnis, was nachwirkt.
Interview: Lia Venn
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