Sie sind in den letzten Jahren nur noch selten auf der Leinwand aufgetaucht. Was haben Sie die ganze Zeit gemacht?
Reisen - insbesondere nach Indien. In den letzten 15 Jahren war ich dort sehr häufig; zum letzten Mal im Mai dieses Jahres. Aber sobald ich dort ankomme, denke ich mir: Was hast du dir nur angetan? Wie konntest du das vergessen?' Meine Augen brennen, meine Atemwege sind infiziert. Ich fühle mich total unwohl.
Meg Ryan wurde am 19. November 1961 geboren. Nach mehreren Fernseh- und Kinofilmen feierte sie in "Top Gun" ihren ersten großen Erfolg. 1989 avancierte sie mit der Hauptrolle in "Harry und Sally" zur Kinoikone. Den Typus der urbanen Romantikerin variierte sie in "Schlaflos in Seattle" (1993) und "E-Mail für Dich" (1998), mit denen sie ihren Status als einer der größten Komödienstars Amerikas festigte.
Nicht den gleichen Erfolg hatte sie in ernsteren Rollen wie als Alkoholikerin in "When a Man Loves a Woman" (1994) oder "The Doors"(1991). Ihrem Image als America's Darling' versuchte sie insbesondere nach ihrer Scheidung von Kollege Dennis Quaid zu entkommen - unter anderem durch einen Nacktauftritt im Erotikthriller "In the Cut" (2003).
Ihr aktueller Film, "The Women - von großen und kleinen Affären" (ab 11.12. im Kino) , ein Remake des gleichnamigen Klassikers von George Cukor markiert eine Rückkehr ins Komödienfach.
Warum fahren Sie dann dorthin?
Ich liebe die Menschen dort. Die Erfahrung ist immer überwältigend. Wenn ich zurückkomme, muss ich meine ganzen Eindrücke zerlegen und analysieren. Jedes Mal bin ich total verändert, innerlich gewachsen.
Spätestens seit den Beatles fährt jeder Star mal nach Indien, nur um hinterher "total verändert" wiederzukommen. Was ist aus Ihrer Sicht an Indien so besonders?
Jeder Mensch, dem ich dort begegne, sogar die Gepäckkontrolleure am Flughafen, versucht das Licht zu erkennen, das ich in mir trage. Und das liegt nicht daran, dass ich ein Star bin. Nur ein kleiner Teil weiß, wer ich bin. Zwischen den Menschen dort existiert eine ganz besondere Form von persönlichem Austausch und Verständnis. Die Infrastruktur funktioniert nicht, aber unter den Leuten gibt es die stillschweigende Vereinbarung, dass sie cool miteinander umgehen. Diese gegenseitige Akzeptanz genieße ich sehr. Davon würde ich mir zu Hause auch viel mehr wünschen.
Werden Sie als Schauspielerin in den USA denn nicht akzeptiert?
Als Frau wirst du in der Branche über dein Äußeres definiert. Mit den Co-Darstellerinnen meines neuen Films "The Women" war ich in der "Larry King Show". Und er stellte uns alle möglichen Fragen in Sachen Schönheit. Wenn er fünf oder sechs Männer da gehabt hätte, hätte er nicht so gefragt. Auch Zeitungsinterviews drehen sich immer wieder um dieses Thema. Aber glauben Sie mir - wenn ich mit meinen Freundinnen spreche, steht das garantiert nicht oben auf der Tagesordnung. Nur weil darüber geschrieben wird, fühlt es sich wichtig an.
Die Protagonistinnen von "The Women" finden heraus, dass ihre beste Freundin von ihrem Mann betrogen wir. Aber sie wagen es nicht, ihr das zu verraten. Würden Sie auch schweigen?
Nein, ich würde es meiner Freundin sofort sagen. Es zu verschweigen, ist altmodisch. Man muss sich sofort damit auseinandersetzen. Der erste Schritt ist es dann, den Psychotherapeuten anzurufen.
Halten Sie Frauen für stärker als Männer?
Bei Frauen manifestiert sich Stärke anders. Für einen Mann mag es ein Triumph sein, auf den Mount Everest zu klettern. Aus Sicht einer Frau ist es eine genauso große Leistung, mit jemand zu sprechen, zu dem man 15 Jahre lang keinen Kontakt hatte. Deshalb kommt es auch so selten vor, dass im Film die Geschichten von Frauen erzählt werden. Denn unsere Siege sind innerlich, nicht äußerlich.
Interview: Rüdiger Sturm
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