Wie sind Sie dazu gekommen, Porno-Regisseurin zu werden?
Fotografie und Film haben mich schon immer interessiert, meine erste Kleinbildkamera hatte ich, als ich sechs Jahre alt war. Später studierte ich dann Geschichte und Filmwissenschaft. Wie Sexualität dargestellt wurde, das war einfach immer ein Thema für mich. Meine Magisterarbeit beschäf-tigte sich mit der weiblichen Sexualität im NS-Film.
Hängt das, was Sie heute machen, auch mit Ihrer späteren journalistischen Arbeit für das TV-Magazin "Liebe Sünde" in den 90er Jahren zusammen?
"Liebe Sünde" war mein Einstieg, kurze dokumentarische Filme zum Thema Sex zu machen. Dann habe ich vor fünf Jahren begonnen, Erotikfo-tografie für Frauen und Paare zu machen - dabei kam in Gesprächen im-mer wieder die Frage auf: Was können Sie eigentlich an Pornos empfeh-len, die für Frauen ansprechend sind? Da konnte ich dann nicht so richtig Tipps geben, denn da gab es nicht allzu viel, das ich guten Gewissens empfehlen konnte. Also habe ich mir überlegt: Mensch, warum machst Du diese Pornos eigentlich nicht selbst? So entstand dann der erste Film, "Sexual Sushi".
Sie sind Feministin und sagen, dass Sie in den 80er Jahren eher der No-Porno-Bewegung zugeneigt hätten, wie kam es zum Wandel?
Ich sehe das nicht als eine Kehrtwendung. Da hat sich eher ein Kreis geschlossen, das ist eine Weiterentwicklung. Als ich Anfang, Mitte 20 war, musste ich mich von dem, was ich da an Pornos gesehen habe, erst mal abgrenzen. Mir gefiel nicht, wie die weibliche Sexualität dargestellt wird; mir gefiel nicht das Frauenbild, das dahinter steht; nicht diese Fantasielosigkeit. Irgendwann aber wollte meine Energie nicht mehr darauf verschwenden, nur gegen etwas zu sein. Warum soll ich das Schaffen erotischer Bilderwelten den Männern überlassen, habe ich mich als Frau und Feministin gefragt. Es geht mir darum, auf kreative Weise Alternativen zu schaffen. Ich bin ein visueller Mensch, warum soll ich mich nicht von Bildern erregen lassen? Diese Mainstream-Pornos finde ich auch heute nicht toll, zumal die immer härter und extremer werden. Das ist der eine Trend. Der andere ist das Aufkommen einer unabhängigen Szene von Filmemacher/innen, die ein vielfältigeres, bunteres Bild von Sexualität vermitteln wollen.
Haben Sie gezielt eine Marktlücke gesucht - oder gehen Sie eher einer Leidenschaft nach?
Für mich sind meine Filme keine Ware, da stehen meine Botschaften im Vordergrund. Wenn ich irgendwann mal Profit damit machen könnte, wäre das natürlich schön. Im Moment hole ich so gerade die Kosten wieder herein.
Wieviel kostet so eine Produktion?
Ich habe im Durchschnitt 40.000 Euro in jeden Film mit Hilfe von Krediten investiert. Vor allem die Postproduktion meiner Filme ist sehr aufwendig, da es mir nicht reicht einfach nur Sex abzubilden, sondern ich auch einen künsterlischen Anspruch habe.
Und womit bestreiten Sie sonst noch Ihren Lebensunterhalt?
Ich schreibe Artikel und Buecher, veröffentliche Fotos, mache Werbefilme und Dokumentationen veranstalte Workshops.
Werden Sie von der Arbeit hinter der Kamera angetörnt?
Nein, beim Dreh sehe ich alles durch den Sucher und muss mich darauf konzentrieren, dass Kamera, Ton, Licht stimmt. Deshalb wird mir meistens erst beim Anschauen des Materials nachher klar, was das für knisternde Szenen sind.
Haben sich feministische Freundinnen von Ihnen abgewandt, weil Sie nun Pornos drehen?
Nein, ich bin ja derselbe Mensch, das wird als Fortsetzung von dem gesehen, für das ich immer schon gestanden habe: Weibliche Selbstverwirklichung. Zumal ich meinen Botschaften treu bleibe - Safer Sex, Variation im Sex-Spiel, der Fokus auf die authentische weibliche Lust, keine genormten Körper und Respekt und Intimität zwischen den Darsteller/innen. Ich zeige auch Männer als Objekte der weiblichen Lust - da haben wir als Frauen ein großes Nachholbedürfnis.
Wie ist Ihr Verhältnis Zur Mainstream-Pornoindustrie?
Ich lege Wert auf meine künstlerische Freiheit und meine Unabhängigkeit. Deshalb mache ja auch keinen Ausverkauf an die Industrie - obwohl es Angebote gab. Positive Alternativen schaffen, das ist mein Ansatz - deshalb nenne ich mich sexpositive Feministin. Es geht mir um den weiblichen Blick, denn den männlichen kennen wir schon zur Genüge. Nur sechs Prozent der Hollywood-Regisseure sind weiblich, und im Bereich Porno sind noch weniger Frauen in dieser Position. Die Zeit ist reif, dass wir die Welt auch mal durch die Augen von Frauen sehen. Also mehr Frauen hinter die Kamera!
Bekommen Sie negative Reaktionen?
Eigentlich nicht - die Leute, die sich melden, reagieren immer positiv. Egal ob es Frauen oder Männer sind. Ärgerlich fand ich allerdings, dass das Frauenmagazin Emma unlängst mal schrieb, Frauen-Pornos seien eine Art Mythos, die gebe es eigentlich gar nicht. Ich will nicht mit den komerziellen harten und leider häufig immer noch frauenfeindlichen Pornos in einen Topf geworfen werden. Es wäre schön, von den "Schwestern" als Mitstreiterin anerkannt zu werden. Andererseits können Frauen natürlich auch sagen: Pornos mag ich überhaupt nicht - egal welche. Nur weil es jetzt Pornos aus weiblicher Sicht gibt, heißt es nicht, dass jede Frau auf einmal auf Pornos stehen muss. Jede wie sie will.
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