Mr. Cruise, Tina Turner hat kürzlich bei einem Konzert in New York geschafft, was offenbar nur wenigen gelingt: Sie hat Sie ein bisschen bloßgestellt
Mich?
Tom Cruise, 46, ist einer der erfolgreichsten US-Schauspieler ("Top Gun", "Rain Man", "Mission Impossible"). Seit 2006 leitet er mit seiner Geschäftspartnerin Laura Wagner das Filmstudio United Artists. Die Firma produzierte seine jüngsten Filme "Von Löwen und Lämmern (2007) und "Operation Walküre", der ab heute in deutschen Kinos zu sehen ist. Cruise spielt darin Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 versucht hatte, Hitler mit einer Bombe zu töten.
Während der Dreharbeiten in Berlin stand der bekennende Scientologe Cruise im Zentrum heftiger Debatten, ausgelöst von der Frage, ob das prominenteste Mitglied einer Organisation, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird, einen Widerstandskämpfer gegen Hitler spielen dürfe.
Es gab nicht nur Stauffenberg. Lesen Sie alles über den Widerstand in Frankfurt bei Frankfurt Story
Als sie den Scheinwerfer auf Sie richten ließ und fragte, warum Tom Cruise im Gegensatz zu den 20 000 begeisterten Fans nicht mitsang. War Ihnen das peinlich?
Ach was, ich liebe Tina. Ich habe dann ja auch mitgegrölt - singen würde ich das nicht nennen. Ist diese Frau nicht großartig? Mit 69 wirbelt sie noch mit dieser ungeheuren Energie über die Bühne. Als Tina in Toronto war, habe ich ihr übrigens in ihrem Hotel eine Privatvorführung von "Operation Walküre" arrangiert.
Und?
Sie war begeistert.
Jetzt haben Sie Ihren von Debatten begleiteten Stauffenberg-Film in Berlin erstmals dem deutschen Publikum vorgestellt - ausgerechnet am Tag der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten. Hätte Sie, der All-American-Star, an diesem historischen Tag nicht lieber mit all den anderen US-Künstlern Barack Obama in Washington applaudiert?
Wissen Sie, es war mir sehr wichtig, meinen Film über den Widerstand gegen Hitler hier in Deutschland, in Berlin, vorzustellen. Eine große Ehre für mich. Ich wäre gerne an beiden Orten gleichzeitig gewesen - in Berlin und in Washington. Aber ich habe mir Obamas Amtseinführung aufzeichnen lassen. Das sind Momente für die Ewigkeit, die werde ich mal meinen Enkeln zeigen.
Während des US-Wahlkampfs haben Sie mit Spielberg und DiCaprio die Kampagne zum Wahlaufruf unterstützt, zeitgleich spielten Sie einen kriegslüsternen Senator in Robert Redfords Film "Von Löwen und Lämmern", der die politische Apathie in den USA beklagt. Und jetzt "Operation Walküre". Arbeiten Sie an Ihrem Profil als politischer Künstler?
Nein. Ich interessiere mich als Künstler eben für unterschiedliche Themen. Ich habe zuletzt ja auch in der Action-Satire "Tropic Thunder" mitgespielt.
In der Sie einen dicken, glatzköpfigen Hollywood-Produzenten geben - Mut zur Hässlichkeit kannte man von Ihnen bislang nicht.
Stimmt - und es hat Spaß gemacht. Aber ich möchte vor allem die Zuschauer unterhalten, das steht bei mir immer an erster Stelle.
"Von Löwen und Lämmern" war aber wenig unterhaltsam, eher ein politisches Debattenstück. Redford sagte: Ohne Sie als Produzent wäre dieser Film nicht möglich gewesen. Sie entwickeln politisches Sendungsbewusstsein.
Ich fand den Film auch sehr wichtig, deshalb habe ich ihn gemacht. Aber auch, weil ich schon immer mal mit Redford arbeiten wollte.
Ist es Ihnen unangenehm, über Ihre Motive für politischen Filme zu sprechen?
Nein. Aber ich bin vor allem ein Film-Fan. Ich liebe es, in die unterschiedlichsten Genres einzutauchen, ich habe Action, Komödien, Fantasy gemacht - und eben auch politische Filme. Und ich bin in der privilegierten Situation, dass ich zwischen all diese Spielarten wählen kann.
Müssen Sie die Marke Cruise neu ausrichten, nachdem Ihnen in der Branche zuletzt nachgerufen wurde, der Action-Star habe an Strahlkraft eingebüßt?
Ich sehe das nicht so wie Sie.
Es fällt aber auf, dass Sie sich als Eigentümer eines Film-Studios als Erstes zwei schwere Themen für sich selbst als Hauptdarsteller ausgesucht haben: Politik in den USA und Widerstand gegen Hitler.
Aber ich habe immer versucht, unterschiedliche Filme zu machen. Immer. "Color Of Money" mit Newman. "Rain Man", "Magnolia". Als Schauspieler treibe ich mich selbst immer an, dorthin zu gehen, wo ich bisher noch nicht war.
Reden wir über ein Gebiet, in das Sie sich noch nicht vorgewagt haben: das Theater. Wir haben vor zehn Jahren mit Emmanuelle Béart gesprochen, damals Ihre Partnerin in "Mission Impossible". Sie war zu der Zeit mit dem Strindberg-Stück "Mit dem Feuer spielen" auf Tournee und schwärmte: Tom Cruise könnte ohne weiteres Strindberg auf die Bühne bringen. Warum haben Sie bisher nie Theater gespielt?
Das ist sehr nett von Emmanuelle. Ich weiß auch nicht, warum ich das bisher nicht gemacht habe. Denn ich mag Live-Aufführungen, ich gehe selbst gern ins Theater. Es hat sich bisher einfach nie ergeben. Sehen Sie, ich bin in meiner Jugend in verschiedenen Orten in den USA und in Kanada aufgewachsen. Meine ersten Jobs hatte ich, als ich acht war. Und mein ganzes Geld habe ich in der Regel für Kinokarten ausgegeben. Vielleicht werde ich eines Tages Theater machen. Meine Frau (Katie Holmes, Red.) hat jetzt am Broadway Theater mit John Lithgow gespielt. Es hat mir viel Spaß gemacht, ihnen bei den Proben zuzusehen. Aber es ist eben immer auch eine Zeitfrage. Den Großteil meiner Tage verbringe ich damit, Freunden dabei zu helfen, ihre Filme fertigzustellen, oder ich bin mit Drehbuchautoren und Regisseuren auf der Suche nach neuen Geschichten. Die restliche Zeit verbringe ich mit meiner Familie.
Angenommen, ich wäre Ihr Agent und würde Ihnen drei Angebote für Theaterstücke unterbreiten
Was? Okay, ich bin ganz Ohr.
"Das letzte Band" von Samuel Beckett, "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" von Edward Albee?
Ich mache alle drei, geht das?
Das wäre ein bisschen viel für den Anfang, oder?
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