Mr. Smith, Sie werden schon als Hauptdarsteller in einem künftigen Obama-Film gehandelt, noch vor dessen Amtsantritt. Ist das nicht ein bisschen früh?
Nein. Was seine Person jetzt schon repräsentiert, ist für sich genommen schon außerordentlich: Denn es war nie zuvor der Fall, dass ein Mann, der einer früheren Gesellschaftsschicht der Sklaven entstammt, rechtmäßig in das höchste Amt unseres Landes gewählt wurde. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sich nach einem Wandel und nach einer besseren Zeit sehnen. Dafür brauchen wir ein Symbol. Obama kann es verkörpern - und das ist eigentlich wichtiger als alle Neuerungen, die er wirklich umsetzen kann.
Will Smith, 40, zählt derzeit zu den erfolgreichsten Hollywood-Schauspielern. 2008 spielte er mit seinen Filmen "Hancock" und "Seven Pounds" mehr Geld ein als jeder andere US-Star. International bekannt wurde er 1996 als Pilot in "Independence Day".
Anlässlich des deutschen Kinostarts von "Sieben Leben" sprach Smith im Berliner Hotel Ritz Carlton mit einer kleinen Journalisten-Runde über seine neue Rolle und die aktuelle Politik.
Steht Ihre Karriere nicht auch für das "Yes, we can"-Amerika, das Obama proklamiert?
Ich folge schon seit langem dem Motto, dass alles möglich ist. Noch bis vor kurzem hätte man über einen Film, in dem ein farbiger Mann zum Präsidenten der USA gewählt wird, gesagt: Hollywood-Kitsch. Aber nun hat Obama bewiesen, man muss nur fest an etwas glauben, um es Wirklichkeit werden zu lassen.
An diesem Glauben zweifeln Sie nie?
Konfuzius hat gesagt, gewöhnlich behalten immer beide Parteien Recht: der, der an sich zweifelt, aber eben auch der, der an sich glaubt. Barack hat sich ,Yes, we can' auf die Fahnen geschrieben - und es hat funktioniert.
Sie kassieren nicht die höchsten Gagen in Hollywood, aber gemessen an den Einspielergebnissen Ihrer Filme waren Sie 2008 der erfolgreichste Blockbuster-Darsteller. Hätten Sie gedacht, dass Sie George Clooney und Brad Pitt mal den Rang ablaufen?
Ich habe immer daran geglaubt, dass es zu einem großen Teil meine Entscheidung ist, was mit mir und um mich herum geschieht. Es kursiert zum Beispiel die fixe Idee in Hollywood, dass Filme mit afro-amerikanischen Hauptdarstellern nicht auf dem internationalen Markt laufen. Ich akzeptiere das nicht. Ich mache mich lieber auf in das jeweilige Land, um mit den Leuten dort zu sprechen, ein bisschen die Werbetrommel zu rühren und herauszufinden, was das Publikum sehen will. Wenn etwas vorher noch nie der Fall war, muss es ja nicht zwangsläufig heißen, dass ich es nicht schaffen kann. Es bedeutet lediglich, dass andere damit bislang noch kein Glück hatten!
Sie spielen in Ihrem neuen Film "Sieben Leben" einen Mann, der durch einen Unfall sieben Menschen in den Tod reißt und danach versucht, seine Schuld auszugleichen, indem er sieben anderen Menschen auf ziemlich fragwürdige Weise zu einem besseren Leben verhilft. Wie stehen Sie zu diesem Konzept der Wiedergutmachung?
Es ist nicht nur das erste Mal, dass einer meiner Filme eher eine Frage aufwirft, anstatt sie zu beantworten, sondern auch das erste Mal, dass ich als Person das Handeln meiner Figur nicht für gut heiße. Ich meine: Kann man den Verlust von sieben Menschenleben wirklich ausgleichen, indem man sieben andere rettet? Das ist ein heikles Thema! Aber mir gefällt die Vorstellung, dass Leute nach dem Film darüber diskutieren.
In "Sieben Leben" gibt es trotz aller Düsternis auch erotische Momente. Wollen Sie eigentlich in jedem Film ihren Körper in Szene setzen - oder geht es da ums Spiel mit Klischees?
Oh, ich lese die Drehbücher meistens quer und beschwere mich beim Regisseur, wenn ich nicht auf Anhieb eine Nacktszene finde! (lacht) Mal im Ernst: Ich bin gerade 40 Jahre alt geworden, also ertragen Sie das bitte noch drei bis vier Jahre, dann wird das so oder so ein Ende haben.
Was ist mit dem Comedy-Star Will Smith?
Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich mich als Künstler weiterentwickeln und neue Dinge ausprobieren möchte. Es ist noch etwas furchteinflößend für mich, einen Film ganz ohne Aliens, Spezialeffekte und Explosionen zu drehen. Im Falle von "Sieben Leben" handelt es sich auch noch um die düsterste Rolle, die ich jemals gespielt habe. Sogar mein Sohn meinte, dass er mich noch nie so böse erlebt hat.
Wie fühlen Sie sich als Böser?
Ich habe das Gefühl, dass ich so gute Fähigkeiten entwickelt habe wie nie zuvor, dass ich physisch und psychisch in Höchstform bin und meine Karriere deshalb auf ein ganz neues Level bringen kann. Ich spüre, dass ich meine besten Filme noch vor mir habe.
Haben Sie eine Wunschrolle?
Ich würde wahnsinnig gerne Nelson Mandelas Leben verfilmen, die Geschichte der Apartheid episch auf die Leinwand bringen. In dem Thema stecken so viele Aspekte von Menschlichkeit, da könnte jeder Zuschauer etwas für sich mitnehmen.
Gibt es denn schon konkrete Pläne für den Obama-Film?
Wir werden sehen. Die richtigen Ohren hätte ich zumindest!
Aufgezeichnet von Johannes Bonke
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