"Das Flugzeug fiel plötzlich vom Himmel und explodierte beim Aufprall", berichtete ein Augenzeuge dem iranischen Staatsfernsehen Press TV. Ein anderer sagte, die Maschine habe bereits gebrannt, sei noch kurze Zeit gekreist, als hätten die Piloten einen Platz für eine Notlandung gesucht. 16 Minuten nach dem Start in Teheran schlug die vollbesetzte Tupolew 154 am Mittwochvormittag nahe der Stadt Qazvin im Nordwesten des Iran auf einem Acker auf. Alle 153 Passagiere sowie die 15 Besatzungsmitglieder seien sofort tot gewesen, sagte ein leitender Mitarbeiter der iranischen Rettungskräfte.
Das dreistrahlige Flugzeug der Caspian Airlines war gegen 11.30 Uhr auf dem Imam-Khomeini- Flughafen der iranischen Hauptstadt gestartet. Wie die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete, hätten die Piloten kurz danach technische Probleme gemeldet und eine Notlandung versucht. Der Chef der armenischen Zivilluftfahrtgesellschaft erklärte auf einer Pressekonferenz, ein Triebwerksbrand hätte das Unglück ausgelöst - nannte dies aber einschränkend "keine offizielle Version der Absturzursache".
Die kleine iranische Fluglinie Caspian Airlines hat 1993 den Flugbetrieb aufgenommen. Gegründet wurde sie als russisch-iranisches Joint Venture.
Zur Flotte gehören vier Maschinen vom Typ Tupolew Tu-154. Außer Inlandsflügen werden auch Ziele wie Dubai, Istanbul (Türkei) und Kiew (Ukraine) angeboten.
Sitz von Caspian Airlines ist die iranische Hauptstadt Teheran.
Die 22 Jahre alte Unglücksmaschine sollte von Teheran in die armenische Stadt Eriwan fliegen. Sie hatte nach Angaben der Fluggesellschaft vor allem armenische und georgische Passagiere an Bord, deren weinende Angehörige sich am Nachmittag auf dem Flughafen von Eriwan einfanden. Unter den Passagieren waren auch zehn Mitglieder der iranischen Judo-Jugendnationalmannschaft, acht Athleten und zwei Trainer. Sie wollten sich nach Angaben des staatlichen Fernsehens in Eriwan mit dem armenischen Nationalteam auf einen Wettkampf am 6. August in Ungarn vorbereiten. Im Iran leben etwa 100.000 Armenier, die die Flugverbindungen zwischen Teheran und Eriwan nutzen, um Verwandte zu besuchen.
Den Rettungskräften an der Unglücksstelle bot sich ein schreckliches Bild. "Es hat eine Explosion gegeben, die einen zehn Meter tiefen Krater gerissen hat", sagte ein Feuerwehrmann. "Wir konnten nichts mehr tun. Wir haben versucht, das Feuer zu löschen, so gut wir konnten." Große und kleine Wrackteile, aber auch Koffer, Schuhe und Kleider lagen über dem gesamten Unglücksgebiet verstreut. Die Fernsehbilder zeigten Helfer, die hilflos in den teilweise noch rauchenden Trümmern hin- und hergingen. Die Körper der Menschen an Bord seien "komplett verbrannt", sagte Qazvins Polizeichef Massoud Jafarinasab. Abgesehen von dem Notruf der Piloten gab es über die Ursache des Absturzes keinerlei gesicherte Informationen. Soldaten suchten nach Angaben der Provinzregierung nach dem Flugschreiber.
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sprach unterdessen den Familien, dem iranischen Volk und Irans oberstem geistlichen Führer, Ayatollah Ali Chamenei, sein Beileid aus und kündigte eine rasche Untersuchung der Unglücksursache an.
Die Fluggesellschaft Caspian Airlines wurde 1993 als Joint Venture des Iran und Russlands gegründet. Sie besitzt drei Maschinen des Typs Tupolew 154, deren Wartung nicht durch westliche Sanktionen behindert wird. In den vergangenen Jahren gab es im Iran mehrere Flugzeugunglücke mit veralteten und schlecht gewarteten russischen Maschinen.
Der Absturz ist das dritte Flugzeugunglück in nur sechs Wochen. Am 1. Juni war aus nach wie vor ungeklärter Ursache ein Airbus A330 der Air France auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich in den Atlantik gestürzt, alle 228 Insassen starben. Am 30. Juni stürzte ein Airbus A310 der jemenitischen Fluggesellschaft Yemenia beim Landeanflug vor den Komoren mit 153 Menschen an Bord ins Meer. Nur ein zwölfjähriges Mädchen überlebte das Unglück.
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