Sie mögen ein wenig in die Jahre gekommen sein und bei ihrem ersten WM-Auftritt nicht gerade brilliert haben. Ein mühsames 1:1 gelang den Azzurri gegen Paraguay, und dafür gab es viele Gründe, die im Land des Titelverteidigers die Gemüter erregen. Als sicher gilt nur, dass es nicht am Frühstück lag. Obst, Milch, Brot - und jenen cremigen Brotaufstrich, der ein italienischer Nachkriegsmythos ist, hat Teamkoch Claudio Silvestri verordnet - in einer flächendeckenden Werbekampagne. Sehr zur Beruhigung von Millionen italienischer "mamme", die ihren Kindern, so sie morgens überhaupt etwas essen, meist Süßes auftischen.
Doch ach, es droht Ungemach, aus dem fernen Brüssel. Einen "Krieg gegen Nutella" sehen Italiens Medien bereits im Gang. Und Francesco Paolo Fulci, der frühere Uno-Botschafter Italiens und heutige Vizepräsident von Ferrero, bläst ins selbe Horn. Die Firma im piemontesischen Städtchen Alba ist eine jener italienischen Nachkriegslegenden, die identitätsstiftend sind; ein Familienunternehmen, das als Weltkonzern Geschichte geschrieben hat - und, selbstverständlich, auch die italienische Nationalelf sponsert.
Jetzt aber ist die EU auf dem Weg, die gesamte Branche in die Knie zu zwingen, befürchtet Fulci. Seine Angst hervorgerufen hat ein Ereignis, das, um im Bild zu bleiben, eigentlich ein Etappensieg für die Branche war: Das EU-Parlament lehnte jüngst den Vorstoß ab, Lebensmittel je nach Zucker- und Fettgehalt künftig mit Ampelfarben zu kennzeichnen. Stattdessen sollen Hersteller verpflichtet werden, die Inhaltsstoffe gut lesbar in Tabellen aufzudrucken.
Jedes Glas eine wahre Kalorienbombe
Wie und wann das verbindlich wird, ist noch offen, doch im Hause Ferrero - Jahresumsatz 6 Milliarden Euro - gedeihen bereits Untergangsszenarien. Das Kulturgut Nutella, eine Wortschöpfung des Patriarchen Michele Ferrero aus den 60er Jahren, ist in Gefahr. In Italien konnte man die "Supercreme Gianduja" schon vorher kaufen, doch erst als Nutella - abgeleitet aus dem Englischen "nut" für Nuss und der italienischen Verkleinerungsform "ella" - wurde sie weltberühmt.
Schon heute weist das Kleingedruckte auf dem Etikett aus, dass jedes Glas eine wahre Kalorienbombe ist, mit mehr als 50 Prozent Zucker und 30 Prozent Fett. Laut EU sollen schon weit weniger zucker- und fetthaltige Produkte nicht mehr als "gesundheitsbezogen" beworben werden. Ferrero dürfte dann also nicht mehr suggerieren, Milchschnitten seien gesund und Nutella mache stark.
"Der nächste Schritt wäre, Nutella wie Zigaretten zu behandeln", stichelt Fulci. Unterstützung bekam er bereits von höchster Stelle in Rom. Landwirtschaftsminister Giancarlo Galan schrieb einen geharnischten Brief nach Brüssel, ein stellvertretender Minister von der Lega Nord gründete ein Komitee "Hände weg von Nutella", und auch im Internet kocht der Protest hoch.
Bei Ferrero fühlt man sich bestätigt: Man habe zwar die erste Schlacht verloren, aber noch nicht den Krieg. Und: Was wäre die Welt schließlich ohne Nutella?
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.