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06. April 2010

Jerusalem: Ruhepol in den Wirren der Geschichte

 Von Inge Günther
Wahrzeichen auf dem Ölberg: die Himmelfahrtkirche. Foto: EKD

Vor 100 Jahren wurde in Jerusalem die Stiftung "Auguste Victoria" gegründet. Deren Kaisersaal wurde zum Jubiläum restauriert - mit Hilfe von Spenden aus Politik und Gesellschaft. Von Inge Günther

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Jerusalem. Die Turmspitze der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg gehört zu den markanten Größen der Jerusalemer Skyline. Als Kaiser Wilhelm II. bei seiner Orientreise das 18 Hektar umfassende Gelände erwarb, um dort eine seiner Gattin Auguste Victoria gewidmete Stiftung zu errichten, wollte er ein Wahrzeichen schaffen. Bis heute gilt "Auguste Victoria", wie die Deutschen das riesige, von Bäumen überschattete Gelände nennen, als perfekter Ort für alles, was in Ruhe geschehen sollte: Krankenpflege, Andachten oder, wie kürzlich, eine kirchliche Nahost-Konferenz.

Am Ostersonntag nun wurde im ZDF erstmals ein Fernsehgottesdienst aus der Himmelfahrtkirche übertragen. Denn es gibt ein Jubiläum zu feiern: Am 9. April 1910 wurde die "Kaiserin Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Oelberge" eingeweiht. Aber nicht nur der Gedanke an eine geschätzte Million Fernsehzuschauer forderte die Nervenstärke von Propst Uwe Gräbe heraus, der die Predigt hielt. Die größere Zitterpartie war der geplante Auftritt eines christlich-moslemischen Schulchors aus Beit Jala: Um aus der Westbank nach Jerusalem zu kommen, brauchten die Kinder eine Reiseerlaubnis vom israelischen Militär. Und Bethlehem, wozu Beit Jala gehört, war in der Karwoche weitgehend abgesperrt.

Doch auf Auguste Victoria ist man Aufregung gewöhnt, wer dort lebt, hat gelernt, zu improvisieren: Nach dem Erdbeben von 1927 war die Himmelfahrtkirche bis Anfang der 90er Jahre Lagerraum für das Hospital. Der angrenzende Kaisersaal wiederum diente im Sechs-Tage-Krieg als Not-OP. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Briten das Gelände dem Lutherischen Weltbund übertragen. Unter jordanischer Herrschaft gehörte es zur demilitarisierten Mount Scopus-Enklave. Erst 1991 konnte die Evangelische Kirche Deutschland das für protestantische Verhältnisse ungewöhnlich prächtige Gotteshaus wieder herrichten.

"Wenn nicht jetzt, dann gar nicht"

Heute ist die kaiserliche Erwerbung von einst einer der ganz wenigen Orte in Jerusalem, an dem Begegnungen aller Art möglich sind. "Ob Israelis, Palästinenser oder Ausländer, alle kommen gerne her", sagt Propst Gräbe, der oberste Hüter evangelischer Stätten in der "Heiligen Stadt". Von jetzt an können sie sich auch im Kaisersaal treffen, der zum 100. Jubiläum restauriert wurde.

Eigentlich hatte das Stiftungskuratorium kein Geld - aber Gräbe und Michael Wohlrab, der Pfarrerkollege von der Himmelfahrtkirche, konnten das Kuratorium überzeugen: "Wenn nicht jetzt, dann gar nicht." Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, den Bundesländern Sachsen und Brandenburg, der Stadt Leipzig, dem Johanniter-Orden und vielen privaten Spendern konnte die Restaurierung finanziert werden.

Als die Ikonografie des Kaisersaals freigelegt wurde, ist es Gräbe allerdings etwas mulmig geworden, wie er sagt: "Eine lange Reihe Adler schauten mich an." Die Schlagmetallvergoldung an der Decke mit den Tierkreiszeichen und die Blumenranken an den Fenstern, die dann zum Vorschein kamen, milderten den ersten, martialischen Eindruck. Dass der Kaisersaal kein bisschen religiöse Symbolik aufweist, findet der Probst inzwischen sogar "günstig, um im interreligiösen oder politischen Dialog einen neutralen Ort anbieten zu können". Im Nahost-Friedensprozess ist der nötiger denn je.

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