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Jessica Alba im Interview: Aus der Rolle gefallen

Hollywood-Schönheit Jessica Alba verrät im exklusiven FR-Interview, wieso komplexe Frauenfiguren im US-Filmgeschäft so selten sind - und warum sie selbst nun eine Prostituierte spielt.

Jessica Alba in The Killer Inside Me.
Jessica Alba in "The Killer Inside Me".
Foto: Colorstorm Media

Mrs. Alba, Sie spielen in Ihrem kommenden Film "The Killer Inside Me" von Michael Winterbottom eine Prostituierte - in der Vergangenheit haben Sie solche Rollen abgelehnt. Wieso haben Sie Ihre Meinung geändert?

Weil die Rolle viel über das Frauenbild der USA in den 50er Jahren aussagt. Damals gab es nicht viele Möglichkeiten für junge Frauen, ihren Drang nach Unabhängigkeit auszuleben. Die einzige Möglichkeit war, zu heiraten und sein Leben mehr oder weniger glücklich an der Seite eines Mannes zu fristen. Entweder spielte man die liebe Ehefrau - oder man war gleich als zänkisches Weib verschrien. Meine Filmfigur Joyce ist eine sehr fortschrittliche Person, die in der Prostitution nichts anderes sieht als als ihren Ausweg aus der bornierten Gesellschaft. Sie ist eine Abenteurerin, die sich ungern für das rechtfertigt, was sie tut, die von Stadt zu Stadt reist und ihr eigenes Ding durchzieht.

Zur Person

Jessica Alba, 28, war bislang eher bekannt als Star großer US-Blockbuster. Sie wurde in Kalifornien geboren, ihre ersten Schauspielstunden gewann sie als Kind bei einem Radiowettbewerb. Alba hat in der US-Serie "Dark Angel" mitgespielt, im Kino war sie unter anderem in Sin City zu sehen. Sie ist mit dem Produzenten Cash Warren verheiratet und hat eine Tochter.

In Michael Winterbottoms Film "The Killer Inside Me", der gerade abgedreht worden ist, spielt Alba eine Prostituierte, die entscheidenden Einfluss auf das Innenleben des Mörders ausübt. FR-Autor Johannes Bonke traf Alba zum Exklusivinterview am Filmset.

(boh)

Eine ziemlich verklärte Vorstellung von Prostitution ...

Aber vergleichen Sie die Rolle doch mal mit denen von Annette Bening, Marisa Tomei oder auch Elisabeth Shue in "Leaving Las Vegas": Da gab es einige Nacktszenen, aber was die Rollen wirklich menschlich und begreifbar gemacht hat, war die Hoffnungslosigkeit und Düsterkeit, mit der sie gespielt wurden. Nur wenige mögen sich mit einer Prostituierten identifizieren können, aber jeder kennt das Gefühl von Trauer und Einsamkeit, jeder kennt das Verlangen, geliebt und verstanden zu werden.

Und man ist schnell auf Kurs zur Oscar-Nominierung mit solchen Rollen - wie die Beispiele von Bening, Tomei und Shue zeigen. Warum ist das so?

Ein Grund für die offensichtliche Faszination an Prostituierten im Kino mag sein, dass es viele Männer enorm anmacht, Frauen für Sex zu bezahlen. Männer haben immer noch eine merkwürdige Beziehung zu uns Frauen. Viele meinen, sie könnten uns nur wirklich zu fassen kriegen, wenn sie sich auf unsere Sexualität fixieren. Deswegen ist es für eine komplexe Frauenrolle auch am besten, das Sexuelle weitgehend auszublenden. Erst dann ist es möglich, deren Abgründe und Ängste darzustellen.

Bekommen Sie so komplexe Rollen häufig angeboten?

Nein, leider sind Frauenrollen in den meisten Fällen ziemlich blöde geschrieben.

Männern geht es beim Sex also vor allem um Macht?

Man kann über Sexualität denken, was man will, auch darüber, was da richtig und falsch ist. Aber bis heute gibt es unzählige Frauen, die ihre Weiblichkeit einsetzen, nur damit ein Mann sich gut um sie kümmert. Ich bewundere an meiner Filmfigur Joyce, dass sie einen anderen, weniger einfachen und auch eigenwilligeren Weg eingeschlagen hat.

Der aber letztlich ins Unglück führt ...

Wir neigen immer dazu, alles mit einer hübschen Schleife zu versehen und so zu tun, als ob das Leben ein reines Zuckerschlecken ist, alles süß und nett. Aber das ist leider nur ein kleiner Teil dessen, was das Leben wirklich ausmacht. 90 Prozent sind geprägt von der Suche nach der vollkommenen Glückseligkeit. Aber auf dem Weg dahin müssen wir uns immer wieder mit unseren Macken auseinandersetzen.

Die Geschichte spielt in einer texanischen Kleinstadt. Die gegenseitige Kontrolle der Menschen, die dort leben, hat etwas Beklemmendes. Kennen Sie das?

Ja. Bis zu meinem neunten Lebensjahr habe ich in Texas und Mississippi gelebt. Der ganze Süden atmet eine Korrektheit, die man so an anderen Orten nicht findet. Männer und Frauen sind wesentlich reservierter als in anderen Gegenden.

Wie hat sich das auf Ihr Leben ausgewirkt?

Jeder, der in einer solchen Kleinstadt lebt, muss den Normen seines jeweiligen Klans folgen, ganz egal, ob es die Kirchengemeinde oder die Familie ist. Gemeinschaft wird in diesen Gegenden groß geschrieben.

Und Sie haben sich angepasst?

Als Schauspieler müssen wir diesen Regeln zum Glück nicht folgen. Unser Beruf wird ja allgemein als sehr rebellisch angesehen.

Noch einmal zu Ihrer Filmrolle: Gebrochene und dunkle Charaktere ziehen Zuschauer wie Schauspieler meist stärker an als die ewig netten - stimmen Sie zu?

Zuerst einmal macht es immer Spaß, ein böses Mädchen zu spielen. Aber ganz so schwarz-weiß kann man diese Rolle gar nicht betrachten, weil in dieser Geschichte niemand so ist, wie es anfangs scheint. Für mich ist Joyce nicht das böse, verruchte Mädchen. Mich faszinierten vielmehr ihre Traurigkeit, ihre Verletzlichkeit. Und die Tatsache, dass sie in Lou entfacht, was er wirklich ist: ein brutaler Killer. Sie verlieben sich und wissen doch, dass es nicht sein darf. Ich fand das einen spannenden, überraschend düsteren Ansatz für eine Liebesgeschichte

Interview: Johannes Bonke

Datum:  14 | 10 | 2009
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