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Johnny Depp im Interview: Einsteins Stimme im Hinterkopf

10 Fragen an Johnny Depp: Warum er die kantigen Typen der 20er und 30er Jahre, wie zum Beispiel Gangster John Dillinger, vermisst.

Der Schauspieler stellt seinen neuen Film Public Enemies vor.
Der Schauspieler stellt seinen neuen Film "Public Enemies" vor.
Foto: afp

Mr. Depp, haben Sie sich schon einmal gewünscht, jemand wie Robin Hood zu sein - einer, der von den Reichen stiehlt und den Armen gibt?

Aber das mache ich doch schon seit 20 Jahren. Echt wahr. Ganz früher habe ich T-Shirts bedruckt. Ich habe Tintenfüller verkauft. Auf dem Bau gearbeitet. An einer Tankstelle. Ich habe im Gully gearbeitet, bin tief in die Kanalisation runtergegangen. Ich hatte eine Menge unangenehmer Jobs damals. Aber Mitte der 80er Jahre habe ich angefangen, es mir von den Reichen zu nehmen.

Zur Person

Johnny Depp, 1963 in Kentucky geboren, hat sich mit seinen Exzentriker-Rollen einen Sonderstatus beim Film erworben. Auf "Edward mit den Scherenhänden" (1990) folgten Typen wie der soziopathische "Don Juan de Marco" (1994) und der durchgeknallte Piratenkäpt’n Jack Sparrow in der Karibik-Trilogie. In "Public Enemies" ist er ab 6.8. als Gangsterboss John Dillinger zu sehen.

Ganz wie der Gangster John Dillinger, den Sie gerade auf der Leinwand verkörpern. Eine Rolle, in der Sie sich wohlfühlen?

Ich glaube, Dillinger ist wie jeder waschechte Amerikaner: Er bekam den Ball zugespielt und lief damit los. Das ist nicht so verschieden von dem, was mir vor einiger Zeit passiert ist. Du rennst so lange, bis jemand ruft: In Ordnung, Kleiner, du bist raus aus dem Spiel. Mit dem Unterschied, dass die Uhr für Dillinger bereits tickte. Er wusste, wie wenig Zeit er hatte und machte das Beste daraus. Er war die ultimative existenzielle Figur. Er ging nur voran und niemals zurück.

Obwohl er einer der bekanntesten Männer der 30er Jahre war, spazierte er einmal unerkannt bei einer Polizeiwache herein - zumindest in Ihrem Film. Eine wahre Begebenheit?

Es ist die Wahrheit.

Okay - das war nicht wirklich meine Frage.

Dann war das auch nicht meine Antwort.

Also: Sie sind doch einer der bekanntesten Schauspieler der Welt.

Wirklich?

Wenn Sie die Chance hätten, unerkannt in der Öffentlichkeit herumzulaufen - welchen Ort würden Sie sich dafür aussuchen?

Oh, ich verstehe, gute Frage. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Disneyland, zusammen mit meinen Kindern. Ich würde da einfach durchspazieren und auf jedem Karussell fahren. Etwas in der Art sollten die Kids einmal erleben. Wenn ich mit ihnen durch Disneyland ginge, würden die Dinge sofort eine merkwürdige Wendung bekommen.

Was würde ein Mann wie Dillinger in der heutigen Zeit machen?

Er würde wahrscheinlich schreiend davonlaufen. In seiner Ära gab es noch mehr echte Individuen. Typen wie Cab Calloway oder Harry The Hipster Gibson. Davon haben wir heute nicht mehr viele. Die meisten Kids heutzutage tragen die gleichen Klamotten und sprechen den gleichen Slang. Hinzu kommt, dass die Welt so weit geworden ist. Ich bin selbst schockiert über all die Dinge, die man übers Internet kaufen kann. Ich bin schockiert über die neuen Technologien, die uns versprochen werden. Großartige Dinge und unglaublich schreckliche. Irgendwo im Hinterkopf hörst du die Stimme von Albert Einstein, der sagt: "Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg geführt wird, aber beim Vierten Weltkrieg bin ich mir sicher: Stöcke und Steine." Also, ich denke, Dillinger würde wegrennen. Wir sind nicht mehr die gleiche Spezies wie damals.

Dillinger war eine reale Person - aber wie bereitet man sich auf eine Figur wie den verrückten Hutmacher vor, den Sie demnächst in Tim Burtons Verfilmung von "Alice im Wunderland" spielen?

Ganz einfach: Das Buch ist die Grundlage für alles. Es gibt kleine Rätsel darin, kleine Hinweise, die mich faszinierten und die mir als Schlüssel für das Verständnis dieser Figur dienten. Zum Beispiel sein Satz: "Ich untersuche den Anfang mit dem Buchstaben M".

Das Rätsel müssen Sie auflösen.

Nun, wenn man ein bisschen zu graben beginnt, dann findet man eine Menge Geschichten von historischen Hutmachern, die wirklich verrückt geworden sind. Es gab einen Grund dafür - sie haben sich bei ihrer Arbeit mit einem Stoff vergiftet, der im Leim enthalten war - Quecksilber, auf englisch Mercury. So fand ich zur Figur, und dann habe ich merkwürdige kleine Zeichnungen und Tuschebilder gemacht und sie Tim Burton gezeigt.

Wie hat er reagiert?

Er hat mir seine eigenen merkwürdigen kleinen Tuschebilder gezeigt, und wir lagen ziemlich dicht beieinander. Eine Menge strahlender Farben, die dann wieder verblassen - das ist der verrückte Hutmacher. Er ist wie ein Stimmungsring. Tim versteht das; es gibt zwischen uns ein Verständnis, das keine Worte braucht.

Interview: William Spark, / Übersetzung: Thomas Wolff

Datum:  26 | 7 | 2009
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