Ich habe nur vier Studenten - und die sind alle Deutsche.
Erstaunlich.
Zugegeben: Einer ist Halbjapaner, ein anderer Halbchinese. Aber diese Diskussion über den Nachwuchs aus dem Ausland finde ich nicht fair. Da meine Mutter Slowakin ist, kenne ich das System in Osteuropa ganz gut. Die Kinder kommen dort auf Spezialgymnasien und haben mit 21 Jahren ein quasi abgeschlossenes Musik-Hochschulstudium. Wie sollen normal talentierte Deutsche, die wie ich an gewöhnlichen Gymnasien Abitur gemacht haben, damit konkurrieren?
Man hört aber auch von Professoren, wie erschreckend dürftig viele deutsche Bewerber tatsächlich spielen - und sich trotzdem ganz toll finden.
Das ist leider wahr. Für solche Leute kann ich natürlich keine Quote einführen. Prinzipiell aber bin ich für eine Quote, weil ich es für falsch halte, dass an manchen Musikhochschulen keine Deutschen mehr unterrichtet werden.
Woran liegt es, dass sich die jungen Deutschen so überschätzen?
Wir haben an den Jugendmusikschulen zu wenig gute Lehrer. Und dass unmusikalische Eltern das Talent ihrer Kinder nicht beurteilen können und dazu neigen, begeistert zu sein, ist verständlich.
Ein weiterer Vorwurf lautet: Die Frustrationstoleranz der deutschen Studenten nehme von Generation zu Generation ab. Kurz gesagt: Die könnten immer schlechter Kritik verkraften.
Das zu beurteilen, fehlt mir die Erfahrung. Ich bin ja erst 25 Jahre alt.
Verzeihen Sie, aber das vergisst man im Gespräch mit Ihnen irgendwann.
Keine Ursache. Fragen Sie mich in 20 Jahren noch mal.
Interview: Mark Obert
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