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Partnervermittlung: Jung, ledig, Muslima sucht...

Die Datingseite muslimlife.eu richtet sich exklusiv an Muslime. Integrationsforscher und Religionsgelehrte sind sich einig: Die Möglichkeit, sich im Netz einen Partner zu suchen, kann arrangierte Ehen verhindern.

Das Datingportal richtet sich an Muslime mit ernsthaften Heiratsabsichten.
Das Datingportal richtet sich an Muslime mit ernsthaften Heiratsabsichten.
Foto: AFP

Rose-moon sucht einen Mann. Weltoffen, humorvoll und belesen soll er sein, sich niveauvoll unterhalten können, beispielsweise über Weltpolitik. „Soweit mein Katalogwunsch“, schließt Rose-moon ihre Kontaktanzeige im Internet. Weiter unten stehen Angaben zur eigenen Person, „Mein Gewicht: ein paar Kilos zuviel. Meine Ernährung: Fleisch und Kartoffeln. Mein Rauchstatus: Ja, regelmäßig.“

Abgesehen von der Ehrlichkeit in Bezug auf Gewicht und Essgewohnheiten wäre nichts ungewöhnlich an dieser Kontaktanzeige, gäbe es nicht ein paar weitere Zeilen: „Meine Konfession: Sunnit“ steht da, außerdem Angaben, wie regelmäßig der Koran studiert wird: „meine Pilgerfahrt: So Gott will als Nächstes“. Rose-moon ist Muslima und sucht einen Partner, der neben den Hobbys auch die Religion mit ihr teilt.

Damit ist Rose-moon eine von 94 000 Usern, die sich auf der Plattform muslimlife.eu angemeldet haben. Cüneyit Tirgil hat die Seite gemeinsam mit Kadir Yücel im Jahr 2007 gegründet. Beide wurden vor 31 Jahren in Deutschland geboren, kennen sich, seit sie gemeinsam in Hamm zur Schule gingen, und schlossen ihr Wirtschaftsinformatik-Studium mit der selben Note ab. Aus den Freunden wurden Geschäftspartner, als ihnen ein gemeinsamer Bekannter von einer ähnlichen Seite erzählte, die es in England gibt.

Geeigneten Partner nach der Postleitzahl aussuchen

Die User von muslimlife.eu kommen inzwischen aus der ganzen Welt. Die größten Gruppen, so Tirgil, stellen Nutzer aus der Türkei und aus Deutschland. Gerade für junge Menschen, die fernab der großen Ballungszentren wohnen, sei die Seite ideal: Um einen Partner zu finden, dessen Aufassung des Glaubens zu ihnen passt. „Und bei uns ist wirklich alles vertreten – von sehr Religiösen bis hin zu Leuten, die zwar Muslime sind, aber säkular leben“, sagt Tirgil, der sich als einen liberalen Gläubigen beschreibt. Rose-moon zum Beispiel hat über sich angegeben, nur manchmal zu fasten und zu beten, Alkohol trinkt sie hingegen nicht.

Ansonsten unterscheidet muslimlife.eu kaum etwas von anderen Partnervermittlungsseiten. Die Nutzer können zwischen einer kostenlosen Basis- und einer Premium-Mitgliedschaft für 6,90 Euro pro Monat wählen, Profile samt Bildchen von sich anlegen, sich Nachrichten zukommen lassen und einen geeigneten Partner nach der Postleitzahl suchen.

Dass dennoch Bedarf für ein Datingportal besteht, das sich ausschließlich an Muslime richtet, kann Dany E. aus Süddeutschland bestätigen. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, sein Vater stammt aus Ägypten, seine Mutter ist deutsche Konvertitin. „Es ist schwierig, in einem Land mit überwiegend nicht-muslimischen Menschen einen passenden Ehepartner zu finden. In der heutigen Zeit muss man andere Wege gehen.“ Der Islam sei für ihn sehr wichtig, ergänzt er, und auch entscheidend bei der Partnerwahl. Über Muslimlife fand er in Mona eine Gleichgesinnte. Nach den ersten Onlinekontakten traf sich der 27-Jährige mit seiner Chat-Bekanntschaft und ihrer Familie – wie es die islamische Tradition verlangt. Sie verstanden sich auf Anhieb, die Verlobung folgte, sechs Monate später dann die Hochzeit.

„Die User sollten schon eine ernste Heiratsabsicht haben und nicht nach schnellem Spaß suchen“, sagt Muslimlife-Gründer Cünyet Tirgil. Deshalb überprüfen Tirgil, Yücel und die zwei Auszubildenden, die sie mittlerweile angestellt haben, jedes neue Nutzerprofil. Nur Nutzern mit ernsten Heiratsabsichten Zugang zu ihrem Datingportal zu gewähren, war auch Tirgil und Yücels wichtigstes Argument gegen Muslime, die in der Seite Anstiftung zur Sünde sahen. Der Ansatz überzeugte auch Hayrettin Karaman, einen türkischen Professor für religiöses Recht. Karaman untersucht neue Gesellschaftsphänomene auf deren Verträglichkeit mit dem Islam, in Sachen muslimlife.eu fiel seine „Fatwa“ positiv aus.

Ohne gemeinsame Mentalität geht es nicht

Ähnlich sieht das Benjamin Idriz, Imam der Islamischen Gemeinde im oberbayrischen Penzberg. Idriz predigt eine offene Version des Islams, hält aber auch Kontakt zu strenggläubigen Muslimen. So wird er paradoxerweise von der Politik als Dialogpartner hofiert, gleichzeitig aber auch vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet. Fragt man Idriz zu seiner Meinung zu Seiten wie muslimlife.eu, antwortet er mit einer kleinen Geschichte: Eines Tages sei eine junge Frau zum Propheten gekommen, die der Vater gegen ihren Willen in der Familie verheiraten wollte. Mohammad bestellte den Vater ein und stutzte ihn zurecht: Im Islam gelte, dass alle Frauen „frei sind, ihren Ehemann selbst zu wählen“, sagte der Prophet.

Haci-Halil Uslucan läge es fern, theologisch zu argumentieren. Der Integrationsforscher, der an der Universität Essen das Zentrum für moderne Türkeistudien leitet, vertritt die säkulare Version Idriz’ Gedankens: „Durch solche Seiten wird der Partnermarkt auch für junge Muslime stärker geöffnet“, sagt er. „Sie können individueller suchen und sich mehr auf ihre Wünsche und Vorlieben fokussieren.“ Sein Kollege Werner Schiffauer, Sozialanthropologe und Spezialist für Fragen zur Integration von Muslimen an der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder, sagt es direkter: „So eine Seite ist ein konkretes Mittel, um arrangierte Ehen zu verhindern.“

Doch stellen Seiten wie muslimlife.eu nicht auch ein Integrationshinderniss dar? Schließlich fördern sie ausschließlich Ehen innerhalb einer Religionsgemeinschaft und könnten so zur Separation der Muslime von der Mehrheitsgesellschaft beitragen. Die beiden Wissenschaftler sehen diese Gefahr nicht. Jedes gesellschaftliche Milieu suche schließlich unter Seinesgleichen nach Partnern, ob nun Heavy-Metal-Fans, Akademiker oder eben Muslime.

„Aber ohne eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Mentalität geht es nicht“, betont Mona. Einen Muslim aus dem Ausland zu heiraten, kam für die 23-jährige Deutsche mit syrischen Wurzeln nicht in Frage. Ihr Ehemann Dany ist wie sie hier aufgewachsen. Die gemeinsame Alltagssprache ist Deutsch, auch wenn beide Arabisch sprechen. (mit dapd)

Autor:  Moritz Baumstieger
Datum:  22 | 2 | 2011
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