Mülheim. Der aus der Justizvollzugsanstalt Aachen geflüchtete Schwerverbrecher Peter Paul Michalski ist der Polizei am frühen Montagmorgen möglicherweise nur knapp entkommen. Nach Angaben der Behörden wurde der 46-Jährige in Mülheim an der Ruhr von Zeugen gesichtet. Die Polizei konnten den Verbrecher aber nicht entdecken.
In einem Hochhaus in der Innenstadt von Mülheim wurde eine Tasche mit Kleidung entdeckt. Sie soll den beiden geflüchteten Verbrechern gehören.
Michalskis Komplize Michael Heckhoff war am Sonntag in Mülheim an der Ruhr gefasst worden. Gegen 10.30 Uhr ging der entscheidende Notruf bei der Polizei in Mülheim an der Ruhr ein: In der Straße Dimbeck, einer ruhigen Wohnstraße, fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, hatten Spaziergänger den schwarzen 5er BMW- Kombi entdeckt, mit dem die beiden Ausbrecher aus der Justizvollzugsanstalt Aachen unterwegs waren - ordnungsgemäß abgestellt auf einem Parkstreifen gegenüber der Freilichtbühne. In den Medien hatten die Zeugen von der Fahndung erfahren und sich das Kennzeichen des Wagens gemerkt. Im Kofferraum liegt ein Kissen und in einem Fach auf der Mittelkonsole ein 50-Cent-Stück, sonst ist das Fahrzeug leer.
Neue Personenbeschreibung
Mehrere Streifenwagen rasen zum Dimbeck. Die Ermittler versuchen nachzuvollziehen, wohin die Täter zu Fuß geflüchtet sein könnten. "Man kann sich das vorstellen, dass man wie mit einem Zirkel Kreise zieht und die Umgebung eingrenzt", erklärt Polizeisprecher Thomas Hemmelmann. Tatsächlich: Ganz in der Nähe des Autos erkennen Spezialeinsatzkräfte den gesuchten Michael Heckhoff gegen elf Uhr auf der Straße. Sie überwältigen ihn und nehmen ihn fest. Auf die Frage, ob der 50-Jährige sich gewehrt habe, antwortet Polizeisprecher Peter Elke: "Ich denke, wenn unsere Spezialkräfte daran beteiligt waren, dann wird sich jeder Widerstand erledigt haben."
Um 14.45 Uhr lässt die Polizei den BMW abschleppen. Die Ausbrecher hatten das Fahrzeug laut Polizei am Samstag einem Ehepaar in Essen gestohlen. Nach einem Zeitungsbericht ließen sie die Ehefrau im Haus zurück, während sie den Ehemann zunächst als Geisel mitnahmen. Am Abend ließen sie dann auch den 40-jährigen Geschäftsmann unversehrt frei und fuhren allein weiter.
Unterdessen läuft die Fahndung nach Heckhoffs Komplizen Peter Paul Michalski weiter. "Wir vermuten, dass beide lange zusammen geblieben sind und dass sich Michalski noch im Nahbereich befindet", sagt Polizeisprecher Elke. Der festgenommene Heckhoff stammt aus Mülheim, kennt sich in der Gegend aus, aber Michalski hat nach Erkenntnissen der Polizei keinerlei Bezüge zur Stadt: "Wir wissen einfach nicht, was er jetzt vorhaben könnte, welche Pläne er hat", sagt Polizeisprecher Hemmelmann.
Von Michalski veröffentlichte die Polizei inzwischen eine neue Personenbeschreibung: der 46-Jährige ist mit einem weißen T-Shirt und/oder einem beigen Rollkragenpullover sowie einem Hemd mit Längsstreifen in Blau oder Schwarz bekleidet. Er trägt blaue Jeans, Trekkingschuhe sowie eine dickere graue Jacke oder ein braunes Jackett. Der 176 Zentimeter große Mann von schlanker Statur habe eine Halbglatze und trage einen ungepflegten "Zehntagebart". "Er führt vermutlich eine Tasche aus schwarzem Popelinestoff oder einen grauen Rucksack mit rotem "Völkl"-Aufdruck mit sich." Um sein Aussehen zu verändern, könne er eine Sonnenbrille, eine blaue Mütze oder eine sogenannte Schlägermütze tragen. Michalski ist vermutlich bewaffnet. Er gilt als äußerst gefährlich. Die Polizei riet zu besonderer Vorsicht. Möglicherweise nutze er auf seiner Flucht öffentliche Verkehrsmittel.
Bei der Fahndung nach dem zweiten Aachener Ausbrecher war ein weiterer Mann in Mülheim wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem entflohenen Mörder festgenommen worden. Eine Überprüfung ergab, dass es sich jedoch "definitiv nicht" um Michalski handele, sagte ein Sprecher der Polizei Essen.
Heckhoff und Michalski waren am Donnerstagabend aus dem Gefängnis in Aachen ausgebrochen. Dabei hatten sie anscheinend fachkundige Hilfe: Der mutmaßliche Fluchthelfer war ein Ersatzpförtner. Der am Freitag festgenommene 40-jährige Wärter habe den regulären Pförtner für die Zeit einer Kontrollfahrt rund um die Gefängnismauer ersetzt. In den Dienststunden habe es nur einen Pförtner gegeben, bestätigte das Düsseldorfer Justizministerium einen Bericht der "Aachener Zeitung".
Der festgenommene Wärter habe die beiden Schwerverbrecher aus dem Hafthaus mit zur Pforte genommen, sagte eine Sprecherin. Dort habe er ihnen aus der Pförtnerloge heraus die beiden Dienstwaffen übergeben. Zum Zeitpunkt der Flucht taten nach Ministeriumsangaben in der JVA 42 Vollzugsbeamte Dienst. Das seien zwei mehr als pflichtgemäß vorgeschrieben. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten hatte die knappe Personaldecke kritisiert. Jeder Bedienstete schiebe 178Überstunden vor sich her. (mit dpa)
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