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31. März 2011

Kachelmann-Prozess: Warum log Sabine W.?

 Von Christoph Albrecht-Heider
Ein weiteres Kapitel wird aufgeschlagen im Fall Kachelmann.  Foto: dpa

Das mutmaßliche Kachelmann-Opfer Sabine W. hatte Nebenbuhlerin früher gekannt. Sie hat also gelogen - aber warum?

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Mannheim –  
Der Kachelmann-Prozess

Die fünfte Große Strafkammer des Landgerichts beschäftigt sich am 23.Verhandlungstag mit den Bild- und Tonaufnahmen aus der polizeilichen Vernehmung von Kachelmanns Ex-Freundin beschäftigten. Die 37-jährige Frau beschuldigt den 52-Jährigen, sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben.
Im vergangenen September begann das Verfahren, es soll bis März dauern.
Ende November hatte der Angeklagte überraschend seinen Anwalt gewechselt. Bis dahin hatten ihn Reinhard Birkenstock und Klaus Schroth verteidigt. Beide legten ihr Mandat auf Wunsch Kachelmanns nieder. Der Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn übernahm das Mandat. FR

„Kann es sein, dass Sie nicht die Wahrheit gesagt haben?“ – „Das weiß ich nicht.“ Mit dieser Frage von Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge und dieser Antwort von Sabine W. begann die neuerliche Vernehmung von Sabine W. am 20. April vergangenen Jahres. Die Radiomoderatorin Sabine W. hatte Jörg Kachelmann am 9. Februar bei der Polizei der Vergewaltigung bezichtigt. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hatte jedoch mittlerweile Hinweise darauf, dass Sabine W. in einigen Punkten log. Also befragte sie die Zeugin erneut.

Ankläger Oltrogge sitzt am 36. Verhandlungstag des Prozesses gegen den Schweizer Wettermoderator auf dem Zeugenstuhl. Er hat die schwarze Robe gegen ein braunes Jackett getauscht und wird nun in seiner neuen Rolle als Zeuge vom Gericht und der Verteidigung befragt. Dass Sabine W. gelogen hat, ist bekannt, aber der Ablauf jener Vernehmung vom 20. April war bisher nicht Teil der öffentlichen Hauptverhandlung.

Kurz gesagt geht es um Folgendes: Sabine W. hatte zunächst behauptet, dass sie am 8. Februar 2010 in ihrem Briefkasten ein anonymes Schreiben fand mit dem Hinweis auf eine Nebenbuhlerin und die Kopien von Flugtickets mit den Namen Kachelmanns und der einer anderen Frau. Sie will am gleichen Abend Kachelmann mit diesen Fakten konfrontiert haben; im Verlauf der folgenden Auseinandersetzung habe dieser sie vergewaltigt.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten aber ermittelt, dass Sabine W. wohl sehr viel früher wusste, dass sie nicht die einzige Frau im Leben Kachelmanns ist. Sabine W. räumte in jener Vernehmung vom 20. April, einen Monat nach der Verhaftung Kachelmanns und einen Monat vor Anklageerhebung, schlussendlich einige falsche Angaben ein.

Chat unter falschem Namen

Tatsächlich erfuhr sie durch einen anonymen Telefonanruf schon Anfang 2009 von Viola S. Das ist jene Frau, die für 50 000 Euro ihre Geschichte an die Bunte verkauft hat. Mitte des Jahres wurden Sabine W. die Kopien der Flugtickets zugespielt. Sie suchte im Internet über Facebook nach dem Namen Viola S. und begann schließlich mit ihr unter dem Namen Christina Brandner zu chatten. Am 13. Januar 2010 gestand ihr Viola S., dass sie ein Verhältnis mit Kachelmann hat. Den angeblich anonymen Brief schrieb Sabine W. bereits im Dezember 2009 auf dem eigenen PC und druckte ihn im Büro des Radiosenders aus, für den sie arbeitet.

Das alles räumte sie in der zweistündigen Vernehmung am 20. April im Büro von Oberstaatsanwalt Oskar Gattner ein, aber„es war zäh, bis sie sich entschlossen hat, alles im Zusammenhang zu erzählen“, sagt Oltrogge. Mehrfach habe er die Zeugin aufgefordert, die Wahrheit zu sagen, ihr die Konsequenz einer Falschaussage genannt, gesagt: „Jetzt muss alles auf den Tisch.“ Oder auch: „Es muss Ihnen klar sein, dass Sie in Teufels Küche kommen, wenn das wieder nicht stimmt.“ Aber erst nach einer Vernehmungspause rückte sie peu à peu mit der Wahrheit heraus.

Und warum log sie? „Ich hatte große Angst, dass mir sonst keiner glaubt.“ Und warum konfrontierte sie Kachelmann nicht schon bei einem früheren Treffen mit ihrem Verdacht? „Da fehlte mir der Mut.“ So hat es Oltrogge am 20. April protokolliert. Oberstaatsanwalt Oskar, ebenfalls als Zeuge am gestrigen Tag vernommen, bestätigt den Ablauf des 20. April.

Die beiden Staatsanwälte sahen nach eigenen Angaben nach der Aufdeckung dieser Lügen keine Veranlassung, Jörg Kachelmann aus der U-Haft zu entlassen. Der dringende Tatverdacht der schweren Vergewaltigung blieb für sie trotz der unwahren Angaben zur Vorgeschichte bestehen. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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