Die 33 in einer Kupfer- und Goldmine in Chile eingeschlossenen Bergarbeiter haben erstmals mit ihren Angehörigen sprechen können. Die Behörden ließen dafür am Sonntag (Ortszeit) ein Kabel durch eine der Versorgungsröhren zu den in 700 Metern Tiefe ausharrenden Männern herab. Die Angehörigen campieren über der Mine San José in der Atacama-Wüste in einem Zeltlager, das sie «Esperanza» (Hoffnung) getauft haben.
Bei den Gesprächen spielten sich bewegende Szenen ab. So nutzte der eingeschlossene Bergarbeiter Esteban Rojas die Gelegenheit, seiner Frau Jessica Yáñez die kirchliche Heirat vorzuschlagen, nachdem beide vor 25 Jahren nur standesamtlich geheiratet hatten. Die Angehörigen waren tief gerührt und sehr erleichtert darüber, dass es den Verschütteten soweit gut gehe.
Im Morgengrauen werde damit begonnen, den Rettungsschacht für die 33 verschütteten Bergleute zu bohren, sagte der mit der Leitung der Rettungsarbeiten betraute Chefingenieur Andres Sougarret. Das in Australien hergestellte rund 29 Tonnen schwere Bohrgerät mit dem Namen „Strata 950“ sei bis dahin in Position gebracht. Pro Tag kann dieses Gerät maximal 20 Meter in die Tiefe vordringen.
Suche nach direktem Weg
Geplant ist, die Bergarbeiter über einen Schacht mit einem Durchmesser von 66 Zentimetern an die Oberfläche zu holen. Angesichts der langen Dauer der Bohrung sucht die chilenische Regierung nach Alternativen. Die Zeitung La Tercera berichtete, Staatschef Sebastián Piñera dringe darauf, die Bergleute noch vor dem 18. September zu retten – dann feiert Chile den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Spanien.
Gesundheitsminister Jaime Mañalich sagte am Wochenende, dass ein alternativer Rettungsplan in Kürze vorgestellt werde. Experten hatten vorgeschlagen, einen bestehenden Schacht mit 12 Zentimetern Durchmesser zu erweitern, der 300 Meter von dem Schutzraum entfernt ist, für die Kumpel aber über einen Tunnel erreichbar wäre. Die Bohrgeräte-Firma Geotec hatte erklärt, dieser Weg könnte die Dauer der Rettung auf zwei Monaten verkürzen. Zudem ist eine Bohrung nahe des blockierten Eingangsschachtes im Gespräch, Experten warnen aber vor neuen Einstürzen.
Einige Bergleute leiden an Alkohol-Entzugsproblemen. Wie Mañalich der spanischen Zeitung „El País“ berichtete, hatten mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken. „Einige von ihnen hatten sogar große Mengen zu sich genommen“, sagte der Minister. „Zuweilen ist es nicht gut, wenn man eine Sucht auf einen Schlag mit einer Radikalkur unterbindet.“
Die Bergleute hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastián Piñera um ein „Gläschen Wein“ gebeten, weil sie die den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles feiern wollten. Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen.
Wie die Madrider Zeitung am Montag berichtete, sind unter den Bergleuten auch einige Alkoholiker und Drogenabhängige. Bisher habe der plötzliche Entzug jedoch keine Auswirkungen auf das Zusammenleben der 33 Bergleute in 700 Metern Tiefe.
Unterdessen kündigte Bergbauminister Laurence Golborne als Konsequenz aus dem Unglück eine stärkere staatliche Kontrolle der Bergwerke an. Dazu werde eine Behörde geschaffen, die neue Minen genehmigen und die Sicherheitsnormen umsetzen soll. Außerdem soll die Behörde die Befugnis erhalten, bei Verstößen gegen Betreiber vorzugehen. (afp/dpa)
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