Aktuell: US-Wahl | Türkei | Olympische Spiele | Brexit
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

29. Mai 2013

Kanada: Der Bürgermeister und die Crack-Pfeife

 Von 
Hat er inhaliert? Torontos Noch-Bürgermeister Rob Ford.  Foto: REUTERS

Torontos Stadtoberhaupt Rob Ford ist einer der mächtigsten und zugleich umstrittensten Politiker in Kanada. Bisher ist er vor allem durch rechte Parolen und sexuelle Übergriffe aufgefallen, nun soll er auch noch harte Drogen geraucht haben.

Drucken per Mail
Toronto –  

Diese Woche feierte Rob Ford seinen 44. Geburtstag. Doch Grund zum Feiern hat er eigentlich keinen. Ford ist Bürgermeister von Toronto und steckt tief im Schlamassel. Er hat sich in seinem Rathaus verschanzt, seine Mitarbeiter laufen ihm in Scharen davon und viele kommunalen Geschäfte stehen still. Kanadas größte Metropole wirkt dieser Tage wie gelähmt - ihr Stadtoberhaupt aber klebt an seinem Sessel.

Seit Rob Ford vor knapp drei Jahren zum Bürgermeister gewählt wurde, sorgt er für Schlagzeilen und Skandale. Er fällt durch rechtspopulistischen Parolen auf, wettert gegen Minderheiten, Einwanderer und Journalisten. Er braust wie ein Verkehrsrowdy über die Straßen, taucht betrunken auf Partys auf und soll bei einem Empfang auch schon mal ein eine Kommunalpolitikerin begrabscht haben. Letzten Herbst wurde er wegen einer Spendenaffäre kurzzeitig des Amtes enthoben.

Nun soll Ford auch noch in einen Drogenskandal verwickelt sein und mit Dealern Crack geraucht haben. Seit Tagen streitet der schwergewichtige Bürgermeister alles ab, doch offenbar schenken ihm selbst seine engsten Mitarbeiter keinen Glauben mehr. Erst musste sein eigener Stabschef gehen, dann schmissen seine Pressesprecher und dessen Stellvertreter hin. Sein Stadtrat bereitet bereits eine Übergangsregierung vor.

Drogendealer bieten Beweisvideo an

Die jüngsten Vorwürfe gegen Ford gehen auf ein Video zurück, dass ihn angeblich bei einem Drogen-Gelage mit einer Crack-Pfeife im Mund zeigt. Gesehen haben die Aufnahmen bislang nur zwei Reporter des renommierten "Toronto Star" und Vertreter der US-Boulevardwebsite "Gawker". Angeboten wurde den Journalisten das Video offenbar von somalischen Drogendealern, die dafür 200.000 Dollar haben wollten.

Durch einer öffentlichen Spendenkampagne im Internet hat "Gawker" die 200.000 Dollar mittlerweile aufgetrieben, doch die Dealer sind wie vom Erdboden verschluckt. Vielleicht haben sie kalte Füße bekommen. Möglicherweise habe Ford die kompromittierenden Aufnahmen auch selbst gekauft, spekulieren kanadische Medien. Die Polizei geht Hinweisen nach, wonach sich ein Mitarbeiter Fords auf die Spur der Dealer gemacht haben soll, was der Bürgermeister allerdings abstreitet. Zudem wurde den Medien ein Foto zugespielt, dass Ford mit einem jüngst ermordeten Kriminellen zeigt.

Die Reporter des "Toronto Star" wollen das Crack-Video Anfang Mai auf dem Rücksitz eines Autos gesehen haben, betonen aber, dass sie die Echtheit in der Kürze der Zeit nicht hätten überprüfen können. Ford warf der Zeitung, die seine politische Arbeit seit Jahren kritisch begleitet, eine Diffamierungskampagne vor und beschimpfte Journalisten als "einen Haufen Maden". Nach über einer Woche des störrischen Schweigens verlas Ford letzten Freitag schließlich erstmals ein Dementi: "Ich rauche kein Crack. Ich bin nicht süchtig nach Crack."

Alkohol und Joints

Was Ford bei seinem Auftritt wohlweißlich nicht sagte: dass er noch nie Drogen genommen habe. Zumindest einen Vorfall streitet er selbst nicht ab: Vor 14 Jahren war Ford in Miami wegen Trunkenheit am Steuer aufgegriffen worden, wobei die Beamten auch ein Joint in seiner Tasche fanden. Ein Jahrzehnt später stieg Ford zu einem der mächtigsten Politiker in Kanada auf und wurde nicht zuletzt wegen seines Versprechens gewählt, härter gegen Kriminelle und Dealer vorgehen zu wollen.

Dabei war die Familie Ford, zu deren jährlicher Gartenparty auch konservative Top-Politiker wie Premierminister Stephen Harper oder Finanzminister Jim Flaherty auftauchten, offenbar selbst jahrelang in zwielichtige Drogengeschäfte verwickelt. Der Tageszeitung "Globe and Mail" zufolge soll Fords älterer Bruder Doug, bis heute einer seiner engsten Vertrauten im Gemeinderat von Toronto, in den 80er Jahren im Vorort Etobicoke selbst mit Drogen gehandelt haben, ebenso sein zweiter Bruder Randy. Seine Schwester Kathy soll sogar in Schießereien im Drogen-Milieu verwickelt gewesen sein.

Ob und in welchem Umfang der Bürgermeister von der Vergangenheit seiner älteren Geschwister wusste, ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Familiengeschichte die Gerüchte über Fords möglichen Crack-Konsum weiter anfeuert. Sein eigener Stabschef Mark Towhey soll Ford angeblich letzte Woche geraten haben, sich in einer Klinik seiner Sucht zu stellen. Ein paar Stunden später musste er gehen.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft.

Kalenderblatt 2016: 23. August

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 23. August 2016: Mehr...

Globetrotter weltweit

Welche Nation nicht ohne eigenes Handtuch verreist

Nur mit eigenem Handtuch an den Hotelpool? Für viele Chinesen ein Muss im Urlaub.

Für die einen ist es das Handtuch, für die anderen die Fotokamera: Jeder Mensch legt im Urlaub auf ganz bestimmte Ding wert. Oftmals hängt das auch von der Kultur ab. Eine neue Umfrage hat ermittelt, wie die Welt 2016 verreisen will. Mehr...

Videonachrichten Panorama

Anzeige

Videonachrichten Leute