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14. Februar 2014

Kanarische Inseln: Ölrausch im Ferienparadies

 Von 
Die Einwohner Fuerteventuras fürchten, die Bohrungen könnten sich negativ auf den Tourismus auswirken.  Foto: imago/imagebroker

Gegen die geplanten Bohrungen vor den Küsten Fuerteventuras und Lanzarotes richtet sich massiver Protest. Das Projekt ist schon über zehn Jahre alt und wird immer noch stark diskutiert. Der erste Antrag auf eine Probebohrung wurde bereits 2001 gestellt.

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Das Projekt ist schon ein paar Jahre alt, doch der Streit darüber wird mit aller Frische geführt. „Wir Kanaren verkaufen uns nicht für ein Linsengericht“, sagt der Ministerpräsident der Kanarischen Inseln, Paulino Rivero. Mario Cabrera, Inselpräsident von Fuerteventura, wird noch etwas schärfer und nennt die Leute vom Erdölkonzern Repsol „Ölpiraten“. Dessen Chef, Antonio Brufau, kann es nicht fassen: „Niemandem würde es einfallen, dieses Projekt nicht zu verwirklichen. Was ist los auf den Kanaren?“

Ja, was ist los auf den Kanaren? Weit weg von Europa, vor der Küste Nordwestafrikas, liegen die sieben spanischen Inseln, die jedes Jahr Millionen deutscher, britischer und anderer ausländischer Touristen anziehen – vor allem jetzt im Winter, von dem auf Gran Canaria, Teneriffa und den anderen Inseln nichts zu spüren ist.

Ein Ferienparadies mit afrikanischem Klima und europäischem Komfort. Genau hier will die spanische Repsol, gemeinsam mit der deutschen RWE und der australischen Woodside, nach Erdöl bohren. Noch dieses Jahr soll es losgehen. Die Kanaren sind in Aufruhr.

Erster Antrag 2001

Den ersten Antrag auf Probebohrungen stellte Repsol schon im Jahr 2001. Vor den beiden am weitesten östlich gelegenen Inseln Fuerteventura und Lanzarote vermutet der Konzern ein Ölfeld, möglicherweise das größte, das „in der Geschichte Spaniens“ entdeckt worden sei. 900 Millionen Barrel Öl sollen hier lagern, mindestens. Wenn die Berechnungen von Repsol stimmen, könnten damit 10 Prozent des spanischen Erdölbedarfs gedeckt werden, 20 Jahre lang. Doch ohne Probebohrungen gibt es keine Gewissheit, ob da tatsächlich Öl unter dem Meeresboden schlummert.

Eine erste Genehmigung für die Probebohrungen kippte Spaniens Oberster Gerichtshof im Jahr 2004 wegen mangelhafter Umweltauflagen. Acht Jahre später, im März 2012, nahm die gerade frisch gewählte konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy das Projekt wieder auf.

Unbeirrt von den Protesten der kanarischen Regionalregierung und aller großen spanischen Umweltverbände erteilte sie eine zweite Genehmigung. Eine „Kriegserklärung der Rajoy-Regierung“ nennt das Fernando Ríos, Sprecher der Kanarenregierung. Zurzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung. Wenn die im Sinne Repsols ausgeht, könnte ab Mai gebohrt werden.

Die Gegner und Befürworter einer möglichen Ölförderung wenige Kilometer vor den Küsten Lanzarotes und Fuerteventuras stehen sich unversöhnlich gegenüber. Das wichtigste Pro-Argument: Abgesehen von der erneuerbaren Energie, vor allem aus Wind- und Wasserkraft, muss Spanien seinen Energiebedarf fast vollständig durch Gas- und Ölimporte decken.

„Die Natur ist der Motor unserer Entwicklung“

Kanarisches Öl würde Spaniens Abhängigkeit vom Ausland verringern. Außerdem würden die Kanaren durch die Schaffung von bis zu 5000 Arbeitsplätzen profitieren, verspricht Repsol-Präsident Brufau – und mokiert sich über die Proteste: „Ist auf Fuerteventura und Lanzarote etwa Arbeit über?“

Das Beschäftigungsargument verfängt bei den Kritikern nicht. Die Arbeitslosenrate auf den Kanaren ist hoch, 33 Prozent, noch einmal sieben Punkte höher als in ganz Spanien. Doch zum einen werden auf den Ölplattformen Fachleute gebraucht, die wahrscheinlich in aller Welt, und kaum auf den Kanaren, angeheuert werden. Zum anderen leben die Inseln vom Tourismus, und der könnte unter der Erdölförderung leiden.

„Die Natur ist der Motor unserer Entwicklung“, sagt Regionalpräsident Rivero. „Das ist unvereinbar mit Probebohrungen nach Öl vor unseren Küsten. Vor allem in Zeiten, in denen wir den CO2-Ausstoß drosseln wollen.“ Die größte Sorge ist die vor möglichen Unfällen wie dem im Jahr 2010 im Golf von Mexiko. Zumal die Kanaren auch noch ihr Trinkwasser aus dem Meer beziehen.

Der kanarische Protest macht Schule. Auch vor Ibiza, im Mittelmeer, lagert möglicherweise Erdöl. Hier gibt es noch keine Genehmigungen für Probebohrungen, doch schon seit Wochen machen Einheimische und prominente Inselgäste wie Paris Hilton oder Jade Jagger Front gegen alle Gedankenspiele um eine Ausbeutung der Lagerstätten. Erdöl- und Ferienindustrie passen schlecht zueinander.

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