Kurz vor elf geht Barbara E. den kurzen Weg vom Mitarbeiterbereich zur Kasse 4. Die Frau, die jeder als "Emmely" kennt, trägt eine weiße Bluse und ein dunkles Tuch, die Mitarbeiterkleidung mit der Kaiser´s-Kanne, sie schiebt die Geldkassette ins Fach, öffnet das Rollgitter am Zigarettenregal und wartet auf Kunden. Hinter ihr liegt ein langer Weg durch die Instanzen. 2008 war ihr nach 31 Dienstjahren gekündigt worden, weil sie bei Kaiser´s zwei liegen gebliebene Pfandbons für 1,30 Euro eingelöst hatte. Erst das Bundesarbeitsgericht erklärte Anfang Juni ihre Kündigung für unwirksam. Längst war ihr Fall da bundesweit bekannt - und ihr Gesicht ebenso.
Doch gestern an der Kasse erkennen sie viele Kaiser´s-Kunden im Linden Center am Prerower Platz in Hohenschönhausen trotzdem nicht. Ihr ist das recht so, sie will nicht auffallen, "kein Öl ins Feuer gießen", sagt sie. Hauptsache wieder arbeiten. Sie sei nicht aufgeregt, sagt Emmely leise, nachdem sie einer alten Frau, die nicht mehr gut gucken kann, das passende Kleingeld aus dem Portmonee genommen und genau vorgezählt hat.
Mehrere Stunden ist Emmely geschult worden. Das Kassenwesen hat sich verändert. Sie muss fit und korrekt sein, sie darf jetzt keine Fehler machen, sie wird beobachtet. In der Zentrale von Kaiser´s Tengelmann in Mülheim/Ruhr spricht man wegen der Pfandbons immer noch vom "gestörten Vertrauensverhältnis". Doch weiß dort jeder, dass das Urteil aus Erfurt nicht anfechtbar ist.
Emmelys Wunsch hat sich erfüllt, sie sitzt wieder an der Kasse. Alles andere ist neu. Die 52-Jährige kennt keinen Mitarbeiter in der Filiale, sie weiß nur, dass längst nicht alle Kollegen gut auf sie zu sprechen sind. Darum wollte sie nicht zurück an ihre alte Arbeitsstelle. Ihre neuen Kollegen wollen nichts sagen, das übernimmt die Firmenleitung.
"Erfreut ist hier keiner", sagt Elvira Reifschneider, stellvertretende Regionsmanagerin Berlin/Brandenburg. "Aber wir müssen mit dem Urteil leben, obwohl es viele hier nicht nachvollziehen können." Man habe "alle Voraussetzungen für einen fairen Einstieg geschaffen". Eine Kollegin steht gestern neben Emmely an der Kasse und schaut zu, ob die Neue alles richtig macht.
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